Die
Experimentierfreudigkeit des Geschwisterpaars Friedberger dominiert
auch das neueste Album der Fiery Furnaces. Sie präsentieren uns ein
Werk zwischen Avantgarde und Massentauglichkeit.
Rock, Garage und Blues sind die Rohmaterialien; was die Fiery Furnaces damit herstellen, ist von einzigartiger Qualität: 16 Songs, die von Intelligenz und unbegrenzter Spielfreude zeugen, der Ideenreichtum und die Kreativität in Sachen Songstrukturen und Klangkompositionen scheinen unerschöpflich. Harfen, Piano und Streicher stehen harschem Gitarrenkrach und ausgedehnten Bluesimprovisationen gegenüber, abrupte Tempiwechsel sind dort gesetzt, wo es monoton zu werden droht, hübsche Melodien sind mit abstrusen Synthesizerklängen unterlegt.
Matthew Friedberg hat mit „Widow City“ hinsichtlich seines kompositorischen Könnens seinen bisherigen Höhepunkt erreicht und sich als Meister des Spannungsaufbaus und der feinen Konstruktionen bestätigt. Eleanor glänzt ihrerseits mit ihrer bisher besten stimmlichen Performance, mal haucht sie narrativ ins Mikrophon, mal trägt sie mit glockenklarer Stimme ihre skurrilen Lyrics vor („Cabaret of the Seven Devils“).
Anspruchsvoll ist das, dennoch ist „Widow City“ das bisher wohl eingängigste Werk der Geschwister Friedberger. Vergleichsweise poppige Beats und liebliche Gesangs- und Streicherpassagen lassen wie im herausragenden „Right by Conquest“ entspannende Momente entstehen. Die Verschnaufpausen sind kurz und zum Schluss wird der Hörer mit „Widow City“ erneut vom Wahnsinn eingeholt: Scheinbar zusammenhangslose Instrumental-, Drum- und Gesangselemente werden zusammengespannt und ergeben ein leicht verstörendes, ganz im Sinne des Innovativen geschaffenes Werk im Werk.
Wie kaum eine Band der letzten Jahre schaffen The Fiery Furnaces das Kunststück der Weiterentwicklung, ohne dabei ihre ganz eigene Identität zu verlieren. Mit „Widow City“ gelingt ihnen ein ganz grosser Wurf und wir dürfen uns auf das bereits angekündigte Nachfolgewerk „Back to Begamo“ freuen.
Ab 15. Oktober 2007 im Handel
Anspieltipps: My Egyptian Grammar, Right by Conquest, Cabaret of the Seven Devils
Trackliste: 1) The Philadelphia Grand Jury; 2) Duplexes of the Dead; 3) Automatic Husband; 4) Ex-Guru; 5) Clear Signal From Cairo; 6) My Egyptian Grammar; 7) The Old Hag Is Sleeping; 8) Japanese Sleepers; 9) Navy Nurse; 10) Uncle Charlie; 11) Right By Conquest; 12) Restorative Beer; 13) Wicker Whatnots; 14) Cabaret of the Seven Devils; 15) Pricked in the Heart; 16) Widow City
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Bio:
Den Kern der Fiery Furnaces bildet das Geschwisterpaar Eleanor und Matthew Friedberger. Nach ausgedehnten Reisen in ihrer Jugendzeit zogen die beiden 2000 nach New York um ihren Traum einer Musikerkarriere zu verwirklichen. 2002 wurden sie ebenda vom britischen Label Rough Trade entdeckt und unter Vertrag genommen. Ihr Debüt „Gallowbird’s Bark“ erschien 2003, gefolgt von Touren und weiteren Veröffentlichungen. Im Oktober 2007 erscheint das Album „Widow City“ beim Chicagoer Label Thrill Jockey.