Wir haben es hier wieder mal mit aus kleinen Einzelteilen zusammengesetztem Pop zu tun. Ein bisschen Poesie, ein Hauch Variation, eine Prise Melancholie. Manchmal breitbeinig, dann wiederum schüchterner Songwriterpop – und immer darüber säuselt das dünne, fade Stimmchen von Gustaf Kjellvander (Christians kleiner Bruder übrigens). Würde man auf „Radiola“ alles Überflüssige wegstreichen, wäre das Rauschen der Grillen lauter und trotzdem vermag uns der Schwede ein bisschen zu überzeugen. Denn ein wenig Herzblut und die eine oder andere anständige Melodie sind schon ausfindig zu machen. Der kurze Opener strahlt im Gegensatz zu anderen Tracks etwas aus und die Single „Chemical Girl“ hat durchaus Hit-Potenzial. Ganz gut klingen auch „The Shoplifter’s Union“ mit bravem Refrain und „Frida And I“ mit üppigem Strophenaufbau (zu oft „Common People“ gehört?). Aber eben, was heisst schon ganz gut? Bei einzelner Betrachtung wäre jeder Track auf „Radiola“ passabel, aber wiederum auch fast kein Song so richtig gut. Und genau das macht es schwierig, etwas über Kjellvanders Werk zu sagen. Denn es ist weder-Fisch-noch-Vogel-Musik oder das Radiotape eines anständigen Senders, der sich vor grossen Hits scheut.
Was will diese Musik eigentlich, fragt man sich irgendwann und findet folgende Antwort: „ Hierbei handelt es sich um Musik, die nach etwas Besserem strebt“, steht geschrieben, was gerne falsch verstanden werden könnte. Kjellvander und seiner Fine Arts Showcase gelingt zwar ein vielseitiges Werk, aber durchwegs gut sind diese 13 Songs leider nicht. Zu sehr riecht es auf „Radiola“ nach anderen Bands und Songs, zu wenig passen die Lieder zueinander. Gerne wird so was dann als fantastisches Mixtape oder bunter Pop-Eintopf beschrieben und nach langem Zögern und mehrmaligem Hören von „Spanish Kerosene“, „Or So I’ve Hyrd“ und „The Voice Of Goldstein“ mag man für einen Moment auch so denken.
Aber rückblickend betrachtet gab es dann doch zu wenig feurige Parts, die einem das Herzlein wärmten und mein Lieblingswort „zwingend“ liegt bei „Radiola“ in weiter Ferne. Ich schliesse mich hier aber der Floskel meines Kollegen an und sage: Unbedingt selbst hören und selbst urteilen.
Ab 25. August 2006 im Handel.
Anspieltipps: Or So I’ve Hyrd; The Voice Of Goldstein; Chemical Girl; Spanish Kerosene
Trackliste: 1) Radiola; 2) The Shoplifter's Union; 3) Danish Light; 4) Chemical Girl; 5) I Don't Worry; 6) Brother in Black; 7) Part II; 8) Frida and I; 9) Or So I've Hyrd; 10) The Voices of Goldstein; 11) Anna and the Moon; 12) Spanish Kerosene; 13) Laughter
similar artists: Kristofer Aström, Monta, Tiger Lou, Roman Fischer, The Postal Service, Patrick Wolf, Isolation Years, The Jesus and Mary Chain, Merle Haggard, Magnetic Fields und Leonard Cohen.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb
Bio:
The Fine Arts Showcase ist der Deckname von Singer/Songwriter Gustaf Kjellvander aus Malmö, Schweden. Gustaf verbrachte seine Kindheit bis zum Alter von 10 Jahren in der Seattle Gegend. Heute lebt er die meiste Zeit in London. Gustaf, obwohl gerade mal Mitte zwanzig, ist schon eine Weile dabei, sei es als Frontmann des noisigen Außenseiter Pop Trios Sideshow Bob oder als Teil der etwas lieblicheren Songs Of Soil. Oder eben als Fine Arts Showcase, unter jenem Namen er bereits ein Album veröffentlichte. Nun sind The Fine Arts Showcase also zurück mit ihrem bisher wohl stärksten Album.
“Radiola“ wurde von Mathias Oldén (von der Band Logh) aufgenommen. Abgemischt wurde es im Oktober 2005 von Mathias Oldén und Pelle Gunnerfeldt (von Fireside).