Anno 1986 schlug ich mir noch regelmässig die Zähne ein, die Gravitation ist und bleibt im Weltbild eines fahrradbegeisterten, knapp Vierjährigen ein seltsames und gefährliches Rätsel. Damals gründeten drei junge Musiker aus Buffalo eine Band und begingen mit viel Disziplin, Willen und Offenheit ihren musikalischen Werdegang. Die Goo Goo Dolls waren für mich, bevor ich die Platte anhörte, halt einfach so eine Truppe, deren Namen man von irgendwoher zu kennen glaubte, jedoch nicht im Stande war, die Band einem bestimmten Stil oder Stück zuzuordnen. Spätestens bei „Give A Little Bit“ (ursprünglich von Supertramp) sollte der hinterletzte Schnauzträger schnallen, dass die Goo Goo Dolls diejenige Band sind, die vor einiger Zeit (also den letzten paar Jahren) auf Radio Pilatus o.Ä. in der Heavy-Rotation lief und entsprechend kräftig zu nerven vermochte. (Wahrscheinlich nervt es mich so wüst, weil ich nur während meines ach so spannenden Nebenjobs wochenendlich mit Radio Pilatus gefoltert werde.) „Give A Little Bit“ hat bei mir entsprechend keine Chance erhalten, auch nur die geringste Gefühlsregung auszulösen, ausser vielleicht Abscheu oder Angst vor meinem nächsten Wochenendeinsatz. Doch nun wird’s ganz doof: Sämtliche anderen Stücke auf der Platte tönen mehr oder weniger genau gleich wie dieser Gassenhauer. Romantisch-schnulziger Mainstream-Poprock, der wohl existiert, um gelangweilten Hausfrauen die endlosen Nachmittage zu versüssen. Manchmal hasse ich Süsses. Das Spiel und die Melodien sind etwa so vorausschaubar wie meine Armbanduhr. Musik, die bestens zu einer Telenovela oder immer wieder schlechten amerikanischen Beziehungskomödien passen würde. Vorstellbar ist hingegen, dass Verliebte ob soviel Anspruchslosigkeit und Kuschelstimmung beginnen rumzumachen oder Schlimmeres... Mir wird langsam schlecht. Eine Platte, die aufgrund der schrecklich eingängigen Melodien, dem locker-verspielten Poprock, der männlich-lässigen Stimme von John Rzeznik und den anspruchslosen Texten wahrscheinlich dem Grossteil der Bevölkerung bestens gefällt. Jeder der meint, sein wertvolles Gehörorgan diene einem höheren Zweck, lasse bitte die Finger davon. Harte Jungs, die sich nach Zärtlichkeit sehnen und ihren Freundinnen in Form einer CD zeigen möchten, dass auch sie eine sanfte Seite an sich haben, sollen das Teil bitte kaufen. Falls sie dafür keinen kräftigen Tritt in die Eier bekommen, ist das Mädel garantiert nicht die Hellste, extrem gutmütig, zu jung oder zu alt. Meine Anlage schreit nach Modey Lemon und ich muss weg.
Seit 25. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Bitte selbst entscheiden…
Trackliste: 1) Stay With You; 2) Let Love In; 3) Feel The Silence; 4) Better Days; 5) Without You Here; 6) Listen; 7) Give A Little Bit; 8) Can’t Let It Go; 9) We’ll Be Here (When You’re Gone); 10) Strange Love; 11) Become
similar artists: Jon Bon Jovi, Jimmy Eat World, Better Than Ezra
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Bio:
1986 gründeten John Rzeznik (voc., git.), Robby Takac (voc., ba.) und Mike Malinin (dr.) die Goo Goo Dolls. Ein Jahr später veröffentlichte das aus Buffalo stammende Trio sein gleichnamiges Debütalbum. Durch konstantes Touren und harte Arbeit konnte die Band erste Erfolge in den USA verbuchen. Das Stück „Iris“ aus dem Film „City of Angels“ verhalf ihnen dann auch auf dem alten Kontinent endgültig zu Bekanntheit. Diese soll mit dem neuen Album „Let Love In“ nun weiter ausgebaut werden. Mit Glenn Ballard als Produzent (Alanis Morrissette, Aerosmith, Christina Aguilera) kann das Ziel Hitparade schliesslich kaum verfehlt werden.