Der optische Auftritt sowie der Bandname lehren einem das Fürchten, darüber streiten darf man allemal. Musikalisch machten die Horrors seit ’Strange House’ jedoch einen gewaltigen Sprung.
Kein geringerer als Geoff Barrow (Portishead) legte bei der Produktion des neuen The Horrors-Albums ’Primary Colours’ Hand an. Entsprechend können mit geringem Enttäuschungsrisiko Erwartungen gestellt werden. ’Strange House’ war ein Bastard von Rockalbum, schräg, teilweise mühsam krachig und trotzdem auf seine eigene, skurrile Art packend. Mit ’Primary Colours’ bewegt sich die Band nun in eine etwas andere Richtung als auf dem Vorgänger. Besser gesagt: Man erkennt sie kaum mehr. Global gesprochen ist das Album deutlich ruhiger, erwachsener und tiefer.
Dass die Horrors einen Hang zum psychedelischen Rock der 70er und 80er Jahre haben, war bereits auf ’Strange House’ deutlich hörbar. Sie orientieren sich noch immer an den grossen Jahrzehnten der Musikgeschichte, machen diesmal jedoch einen Schritt in Richtung New Wave, was dem Gesamtergebnis enorm gut getan hat. Es stehen weniger die Songstrukturen als die Atmosphäre im Zentrum. Diese ist durchwegs düster, verschwommen, schwer und träge. Der Opener ’Mirror’s Image’ beginnt mit langem, wässrigem Synthiegeschwirre und wandelt sich zum keyboardlastigen New-Wave-Song. The Cure lassen grüssen. ’Three Decades’ dreht dann das Tempo auf, wobei die Atmosphäre gespenstisch-verschwommen bleibt. Dies ändert sich im Verlauf des Albums kaum, dichte, unscharfe, von synthetischen Geräuschen begleitete Klangteppiche dominieren. Ein grosses Kompliment gilt hier dem Sänger Faris Badwan. Sein Organ passt zum Soundteppich wie die Faust aufs Auge. Immer leicht schleppend, leidend und pessimistisch wirkt die Sache. ’Who Can Say’ vereint dann die Pole Druck und Müdigkeit souverän, und ’New Ice Age’ lässt aufgrund der trashigen Kulisse als einziges Stück wohlige Erinnerungen an ’Strange House’ aufkommen. ’Scarlet Fields’ könnte ein Popsong sein, die verzogenen Gitarren, die noch verzogeneren Keyboards im Refrain und der schleppende, müde Gesang machen den Popsong jedoch für Pop-Konsumenten ungeniessbar.
Da Ohrwürmer, Partykracher und Durchhänger fehlen, kann ich das Album nur schwer empfehlen. Ein mit viel Liebe für Details und Stimmungen zubereitetes, schwer durchschaubares und entsprechend unfreundlich wirkendes Album, welches vorerst Zeit braucht, dafür aber umso mehr gefällt, wenn man die grauschwarze Stimmung verinnerlicht hat.
Seit 1. Mai 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Who Can Say
> New Ice Age
> Scarlet Fields
Diskographie:
> The Horrors (2000)
> Vent (2003)
> Strange House (2007)
> Primary Colours (2009)
Ähnliche Künstler:
> The Cure
> These New Puritans
> Klaxons
> The Libertines