Genre: Indiepop, Cabaret | Label: Corporate Records (Snowhite) | Unsere Wertung: 3.5/10
Das Kaninchen
ist tot
Einverstanden, Humor haben sie, einen eigenwilligen obendrein. Auf dem
Cover ihres zweiten Albums „Songs for Swinging Lovers“ schwingen die
beiden Indelicates-Gründer Julia und Simon Indelicate am Strang von der
Decke. Soviel legt jedenfalls das Foto neben dem rätselhaft formulierten
Pressetext nahe, das der CD beiliegt.
Vor drei, vier Jahren verblüfften die Indelicates die britische Musikszene mit dem Debüt „American Demo“ und der Single „We Hate the Kids“. Satirische Texte zu Piano, Streichern, Cabaret-Feeling oder Indie-Pop – das war damals neu, Aufsehen erregend, ja teilweise peinlich. Es folgten umjubelte Tourneen, eine Quasi-Schirmherrschaft durch Art-Brut-Sänger Eddie Argos, ein Musical und die Gründung eines eigenen Labels. Auf dessen Website kann man sich Indelicates-Songs nach Belieben herunterladen und zahlt auch nur soviel man möchte.
Leider ist „Songs for Swinging Lovers“ aber fast durchweg enttäuschend. Die Indelicates wirken wie bunt bemalte Zauberer, die ein Feuerwerk abbrennen und Schmeichelchöre anstimmen, um darüber hinwegzutäuschen, dass ihr Kaninchen für immer im Hut bleiben wird. Weil es tot ist.
Ihr wilder Stilmix mag ja noch hingehen, aber leider fällt der Band etwa bei einem Countrysong wie „Sympathy for the Devil“ nicht mehr ein als eine uninspirierte Pogues-Reverenz, die der letztlich schmissigen, wenn auch sehr gefälligen Melodie nicht gut tut. Die Stärke der Band liegt, wie auf „Your Money“, ganz klar im Losrocken. Nicht im Duett. Nicht im Lamentieren wie auf „Roses“. Und schon gar nicht in dandyhaft altkluger Wittiness wie in „Anthem for Doomed Youth“. Bonmots sind schöner woanders zu holen, und auch den schwunghaften, immer eine Nummer zu gross orchestrierten Pop hat man wesentlich packender (dafür aber oft unvermutet ähnlich) etwa von Luke Haines’ The Auteurs gehört.
Was bei den Indelicates als Satire angelegt ist, ist nicht radikal, was ernst sein soll, nicht entschlossen genug.
Seit 10. Dezember 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Your Money
Diskographie:
> The Last Significant Statement to be Made in Rock’n’Roll EP (2007)
> American Demo (2008)
> Songs for Swinging Lovers (2010)
Ähnliche Künstler:
> Carter USM
> Sparks
> Dresden Dolls
> The Auteurs