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The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project – We Are Only Riders

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von Robert Best am Freitag, 5. Februar 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Blues, Country, Punk  |  Label: Glitterhouse Records (Irascible)  |  Unsere Wertung: 7.5/10

We Are Only RidersDreimal das Gleiche, bitte
Warum entrümpeln Leute ihre Dachböden? Cypress Grove für seinen Teil tat es, um einen seelischen Frühjahrsputz zu veranstalten. Ob der gelungen ist oder nicht, können wir nicht beurteilen. Doch was er dabei zu Tage förderte und nun, Jahre später, in musikalische Kleinode verwandelt unters Volk bringt, können wohl die wenigsten von uns hoffen, beim Aufräumen zu entdecken. Unter viel Gerümpel fand sich ein Tape: gemeinsame Demo-Aufnahmen von Grove und Jeffrey Lee Pierce.

Pierce war Sänger, Songwriter und einziges konstantes Bandmitglied bei The Gun Club, einer Band, die ab 1981 Blues in Punk injizierte. Kennen die wenigsten, auch der Autor nur namentlich. Ändern könnte sich das aber nach Anhören von „We Are Only Riders“, einem Tribut-Album der speziellen Art, das ein paar von Pierces Songideen zur Vollendung bringt. Oder von der Bleistiftskizze zum Ölgemälde, wie Cypress Grove schreibt.

Es handelt sich um 10 Lieder, von denen aber gleich drei je dreimal von verschiedenen Künstlern interpretiert wurden. Beibehalten wurden meist die Original-Bass- und Gitarrenspuren von Pierce und Grove. Dem Vergleich ist also freie Hand gelassen. Sehr überzeugend startet es gleich mit Nick Caves Version von „Ramblin’ Mind“, den unvergleichlichen Barry Adamson wie früher bei den Bad Seeds am Bass. Ein Blues, wie er kraftvoller kaum denkbar ist. Zum Glück klingt er nie nach Cave-Eigenkomposition, was der Maestro schon klarstellt, indem er seinen persönlichen Gesangsstil so übertrieben zur Anwendung bringt, dass der Abstand deutlich wird. Der gleiche Song findet sich außerdem noch in der beschwingteren Fassung von David Eugene Edwards (16 Horsepower, Woven Hand) und in einer spartanischen, letztlich der besten, Hühnerhaut-Aufnahme von Grove selbst, zu der Cave die Backvocals beisteuert.

Die Stars geben sich also die Klinke in die Hand. Kein Wunder, dass die von Pierce verehrte Deborah Harry (Blondie) auch zwei Songs beisteuert, deren gewaltige Mischung aus Empfindsamkeit und Kraft nur den verwundern kann, der bei Blondie immer das Radio ausmacht. Außerdem geben die Raveonettes eine absolut plausible Shoegazing-Fassung von „Free to Walk“ zum Besten, für mich der heimliche Hit des Albums. Den gleichen Song singen auch die unvermeidlichen Mark Lanegan und Isobel Campbell, die nichts falsch machen können, sich aber nicht eben aus dem Fenster lehnen und auf ihren gemeinsamen Veröffentlichungen Spannenderes geliefert haben. Dazu gibt es noch Lydia Lunch, die hier wesentlich mehr aus sich herausholt als ihre letzten Soloaufnahmen hätten hoffen lassen und zum Finale über den vielleicht besten Pierce-Song „Walkin’ Down the Street“ und eine leicht übertriebene Big-Band-Kaskade croonen darf. Zu verdanken haben die Liebhaber abgehangener Profi-Musik mit Vollrausch-Schlagseite und Kinnhakenkultur diese Compilation dem Hause Gltterhouse Records, das sich seit Jahr und Tag um verborgene Blues-, Country- und Rockabilly-Perlen verdient macht.

Wer hat jetzt noch Lust auf Frühjahrsputz? Bei mir gibt’s jedenfalls nix zu suchen.

Seit  11. Januar 2010 im Handel. 

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > myspace > Label
JL Pierce
Anspieltipps:
> Free to Walk (The Raveonettes)
> Ramblin’ Mind (Nick Cave)
> Lucky Jim (Deborah Harry)
> The Snow Country (Mick Harvey)
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