Steriles Werk The Kills veröffentlichen mit "No Wow" ein Album, das eine tollkühne Gratwanderung zwischen Disco, Punk, Blues und Garagen-Rock absolviert. Und gehörig rockt. Und zuweilen auch nervt.
Hhm, kann es sein, dass die Promo-CD einen Kratzer hat und deshalb stockt? Sitze etwas perplex am Pult, aber ein Blick aufs Display beruhigt - alles in Butter. Die Rede ist vom neusten Silberling The Kills, dessen Titel "No Wow" eine Anspielung an die Einstellung der Protagonisten ist, dass es heute - wie damals mit Velvet Underground - kein "Wow" mehr gäbe. Die Songs für das Album wurden innerhalb von zweieinhalb Wochen in einem verschlafenen Städtchen ausserhalb Chicagos geschrieben und genauso schnell aufgenommen, gemixt und gemastert. 47 Tage hat's insgesamt gedauert, bis die 11 sich zwischen Disco, Punk, Garagen-Rock und Blues bewegenden Tracks fertig gestellt waren. Aufgenommen haben The Kills, d.h. VV alias Alison Mosshart und Hotel alias Jamie Hince, die Musik ganz alleine: Hotel hat sich eine alte, billlige Drum-Machine gekauft und einige Gitarrenriffs hingeschmettert, während VV ihre elfenhafte, zuweilen an PJ Harvey erinnernde Stimme zum Besten gegeben hat. Kein Bass also, kein Keyboard, nichts - Minimalismus in seiner reinsten Form. Hotel sagt dazu, sich an das letzte Album erinnernd: "Everyone said about the album that it was just skin and bone, that there was no fat on it. With this one, we wanted to get rid of the skin and bone and get straight to the heart." The Kills reduzieren den Rock'n'Roll tatsächlich auf das Wesentlichste und herausgekommen sind 11 sterile Tracks, die jene Zeit dokumentieren, als sich der Punk im New York der 60er Jahre langsam auf die Tanzflächen wagte. Die Drum-Maschine tuckert so wie ein defekter Kühlschrank unablässig vor sich hin und lässt die Boxen förmlich hüpfen. Hotels Lo-fi-Gitarrenspiel ist eher spärlich eingesetzt und wenn, dann schön verzerrt und dreckig, bitte schön. Das Einzige, das auf diesem Album auch nur ein bisschen Wärme ausstrahlt, ist VVs Stimme. Die meisten Tracks auf "No Wow" wirken nämlich derweg roboterhaft, dass man gar nicht denken würde, sie stammten von Menschen. Dieselben Melodien, Hooks, Riffs und Lyrics (über das Scheitern der Liebe, Familie oder einen Besuch im Supermarkt) wiederholen sich auf jedem Stück wie eine Endlosschleife und die zuweilen nervtötende Drum-Maschine verstärkt dieses Gefühl der Monotonie. Auf der einen Seite treibt jene die Stücke voran und erzeugt eine hypnotische Stimmung, auf der anderen Seite weckt sie in einem die seltsame, überwältigende Sehnsucht nach Stille. Alle Songs sind zudem von ungefähr gleicher Geschwindigkeit und Konstruktion und spätestens nach fünf Stücken würde man sich etwas Neues, Überraschendes wünschen. Die Wende kommt reichlich spät (aber sie kommt immerhin!) mit dem countryesken, bluesigen "Rodeo Town", das einer Ballade wohl am nächsten kommt und eine erstaunlich sanfte Stimme VVs offenbart. Auch wenn das Album doch recht monoton und einfältig ist (- mit dieser Meinung scheine ich alleine dazustehen -), komme ich nicht umhin, es als passables Werk zu bezeichnen und werde den Silberling sicherlich von Zeit zu Zeit in meinen CD-Player schmeissen. The Kills gesellen sich zu den Reigen der Retro-Bands, produzieren aber Musik ohne jegliche Verzierungen, grosse Attitüden oder opulente Arrangements und das ist doch auch lobenswert. Darin, etwas einfach zu halten, und trotzdem irgendwie noch wenigstens ein bisschen cool zu sein, reüssieren nämlich nur die Wenigsten. Ausserdem muss man eingestehen, dass die Musik halt trotz allem rockt, was das Zeug hält. Wenn man nicht allzu viel nachdenkt und gerade irgendwo am Abfeiern ist, sind die Songs nämlich wirklich nett anzuhören. Aber mehr auch nicht. Bum-bum, ra-ta-ta. Seit 21. Februar 2005 im Handel. Anspieltipps: No Wow, Rodeo Town similar artists: Yeah Yeah Yeahs, The White Stripes ⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb Bio: Die beiden Mitglieder von The Kills, Alison Mosshart und Jamie Hince, haben sich vor sechs Jahren in South London kennengelernt, als Mosshart mit ihrer Band gerade auf Europa-Tour war. Hince hatte sich soeben von seiner Band getrennt und versuchte, solo etwas auf die Beine zu stellen. Bevor Alison zurück nach Florida ging, tauschten die beiden ihre Nummern aus und korrespondierten fortan miteinander. 1999 zog Alison Mosshart mit Jamie Hince in seine Londoner Wohnung ein und The Kills waren geboren. 2002 erschien ihre erste EP mit dem Titel "Black Rooster", bis ein Jahr später das erste Album, "Keep On Your Mean Side" und 2005 der Nachfolger "No Now"folgte.  Diskographie: ⇒ Black Rooster (2002) ⇒ Keep On Your Mean Side (2003) ⇒ No Wow (2005)
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