Man nehme ein dickes Label, vier knapp 20-jährige
englische Wuschelköpfe, gebe ihnen ein paar Gitarren in die Hände,
lasse deren Ideen musikalisch umsetzen und veröffentliche das Ergebnis.
So einfach lässt sich zwischenzeitlich Musik produzieren bzw. Geld
verdienen. Dass dabei nichts wirklich Neues entsteht, versteht sich von
selbst. Es ist also einfacher, das Gehörte mit bereits Vorhandenem zu
vergleichen als ein weiteres Mal das Genre hochzujubeln. Die Kooks sind
nicht so frech wie Mando Diao dies bei ihrem Debüt waren, sie sind
nicht so tanzbar wie We Are Scientists, nicht so perfekt und
detailversessen wie die Strokes, nicht so schnulzig wie Sugarplum
Fairy, nicht so eingängig wie die Arctic Monkeys und nicht so
Rock’n’Roll wie The Blue Van. Trotzdem haben sie, wie all ihre
Konkurrenten, Ideen und Melodien, die überzeugen. Das Album ist nicht
ganz so zwaschplig (meine Schwester bezeichnet sämtliche Bands des
Genres als ’Zwaschplis’, im Sinne von nervös-umherjuckender Tanzmusik)
wie man sich’s von den verwandten Bands gewohnt ist. Die Gitarre spielt
häufig akustisch, entsprechend ruhig und friedlich fallen die Melodien
aus („Ooh La“, „She Moves In Her Own Way“), was dann beinahe an Jack
Johnson erinnern kann, jedoch keinesfalls stört.
’Amseesitzengrillierenundkiffen’-Atmosphäre entsteht. Diese wird
unterstützt durch die Tatsache, dass die Band ab und zu dem Reggae
verwandte Beats spielt, was dann in Kombination mit den Stromgitarren
beinahe (zum Glück nicht ganz) zu Ska führt, dessen Hektik wird jedoch
gekonnt vermieden. Das klingt jetzt beinahe nach lahmer
Rumhänger-Musik, stimmt so aber nicht ganz, denn auch die Kooks können
rocken („See The World“, „You Don’t Love Me“, „If Only“) und hier
verdienen sie sich die gute Bewertung. Die Stücke riechen nach
Rock’n’Roll, die Soli fliessen wie kühles Eichhof Lager und die
Melodien kleben im Gehörgang fest. Diese Vielfalt, der gekonnte Stil-
und Tempomix sowie die eingängigen Melodien versprechen doch einiges
für die Zukunft dieser Band. (Ausserdem hab’ ich mich schampar gefreut
über die Anspielung auf Art Brut bzw. Eddie Argos „Rusted Gun Of Milan“
in Stück Nummer 4: „Eddie’s Gun“.)
Seit 14. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: See The World, Ooh La, Matchbox, If Only
Trackliste: 1) Seaside; 2) See The World; 3) Sofa Song; 4)
Eddie’s Gun; 5) Ooh La; 6) You Don’t Love Me; 7) She Moves In Her Own
Way; 8) Matchbox; 9) Naïve; 10) I Want You; 11) If Only; 12) Jackie Big
Tits; 13) Time Awaits; 14) Got No Love
similar artists: Sugarplum Fairy, Hot Hot Heat,
The Strokes,
Shout Out Louds,
Mando Diao, The Kinks
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb
Bio:
So schnell kann’s gehen: Da spielen Luke Pritchard (voc., git.), Hugh
Harris (git.), Max Rafferty (ba.) und Paul Garred (dr.) ganze drei
Monate gemeinsam in ’ner Band und schon klopft Virgin an die Türe. Die
knapp 20-jährigen Burschen aus Brighton lernten sich 2003 kennen und
hatten Lust, gemeinsam ein wenig Musik zu spielen. Wie es sich als Band
so gehört wollten sie, nachdem genügend Songs entstanden waren, diese
vor Publikum präsentieren. Man schickte deswegen ein Demotape an einen
vermeintlichen Booker, welcher sich später dann als Musikmanager zu
erkennen gab und sofort bei verschiedenen Plattenfirmen anlief. Virgin
griff gerne zu. Natürlich war das Staunen vorerst gross, schliesslich
spielte die Band erst seit drei Monaten gemeinsam. Unsicherheit machte
sich breit. Die Chance war jedoch zu verlockend und man unterschrieb.
Dank lockeren Vertragsbedingungen ging die Band vorerst auf Tour durchs
Königreich, um dann 2005 am hier erläuterten Tonträger zu arbeiten. Die
Zukunft verspricht Grosses.
Diskographie:
> Inside In / Inside Out (2006)