Die Long Blondes servieren mit viel Stilgemüse ein
frisches Gitarren-Pop Ratatouille, das leicht im Magen liegt, schnell
sättigt und rückstandsfrei verdaut wird.
Die drei Ladies und zwei Gentlemen aus Sheffield können sich über mangelnde Aufmerksamkeit im Vorfeld der Veröffentlichung ihres Debütalbums bestimmt nicht beklagen. „Weekend Without Make Up“, die erste Vorabsingle zur Platte schaffte es auf Anhieb unter die ersten 30 der britischen Charts.
Die Mischung aus Pop und Indie-Geschrammel mit Wave-Anleihen und einer Prise punkiger Rotzigkeit weiss auf Anhieb zu gefallen und pflanzt sich via Trommelfell sofort in die Tanzmuskulatur fort. Mit Charme, Style und Glamour dürfte das exakt die zündende Mischung sein, um als Live-Act eine rauschende Party anzuwerfen. Deutlich weniger warm werde ich mit der Scheibe beim Anhören zuhause – oder vielleicht treffender – ich kühle dabei relativ schnell wieder aus.
„Once And Never Again“, die zweite Single-Auskopplung des Albums, zeigt die Band von ihrer besten Seite: Mitreissend, frisch und witzig – hier geht die Mischung voll auf. „Giddy Stratospheres“ vermittelt ein cooles Achtzigerjahre Discofeeling, wobei der Song leider etwas in die Länge gezogen wird und gegen Schluss fast zerfällt. Bei „Heaven Help The New Girl“ und „ A Knife For The Girls“ gelingt es der Band auch, eine etwas tiefergreifende Stimmung aufzubauen. Besonders positiv empfinde ich dabei den gezügelteren Gesang von Kate Jackson, die sonst allzu oft an Gwen Stefani von No Doubt erinnert. Der Gegenpol zu diesen betreffs Songwriting anspruchsvolleren Songs, bildet das ebenfalls sehr gelungene „Separated By Motorways“ – rasant und noisig galoppieren die Long Blondes bei diesem Track nach zwei Minuten zwanzig über die Ziellinie – Yes!
Die aufgeführten sind nicht die einzigen erwähnenswerten Songs des Albums, viele andere warten ebenfalls mit guten Ideen auf. Die Vorhersehbarkeit der Arrangements und allzu seichte „Tralala“-Melodien lassen aber einige davon in der Mittelmässigkeit versinken. So bleibt als Gesamteindruck am Schluss anstelle eines „Yes!“ nur ein „Ja, aber...“ – die Long Blondes wird dies aber nicht daran hindern, ihren Eroberungsfeldzug erfolgreich fortzusetzen.
Seit 10. November im Handel.
Anspieltipps: Once And Never Again; Separated By Motorways; A Knife For The Girls
Trackliste: 1) Lust In The Movies; 2)Once And Never Again; 3) Only Lovers Left Alive; 4) Giddy Stratosphere; 5) In The Company Of Women; 6) Heaven Help The New Girl; 7) Seperated By Motorways; 8) You Could Have Both; 9) Swallow Tattoo; 10) Weekend Without Make Up ; 11) Madame Ray; 12) A Knife For The Girls
similar artists: No Doubt, Blondie, The Pipettes, The Chalets, The Bangles, The Sounds
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Bio:
Dorian Cox (Lead Guitar, Keyboards), Reenie Hollis (Bass, Backing Vocals), Emma Chaplin (Rhythm Guitar, Keyboards, Backing Vocals), Kate Jackson (Lead Vocals) und Screech Louder (Drums) gründen die Band im Jahre 2003 in Sheffield. Auf dem Londoner Label “Angular Recording Corporation” veröffentlichten The Long Blondes 2005 nach einem früheren Beitrag für eine Compilation auch die Singles “Appropriation (By Any Other Name)” und “Giddy Stratospheres”. Im selben Jahr folgte “Separated By Motorways” auf dem “Good and Evil “ Label von Paul Epworth. Die Band konnte ihren Ruf als Geheimtipp rasant ausbauen und im Jahre 2005 folgten Auftritte in Barcelona, New York und Stockholm. Als Jahresabschluss wurde die Band eingeladen, für Franz Ferdinand im Alexandra Palace zu eröffnen – ein mehr als würdiger Jahresabschluss. 2006 ging dann alles sehr schnell – die Band wurde mit dem NME Philip Hall Radar Award (in den Vorjahren gewonnen u. a. von den Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand) als „best unsigned Band“ in Grossbritannien ausgezeichnet. Nachdem die Band einige Angbote von Plattenfirmen ausgeschlagen hat, unterschrieben „The Long Blondes“ im April beim renommierten Rough Trade Label. Nach den beiden Vorabsingles legt die Band nun mit „Someone To Drive You Home“ ihr Albumdebut vor.