Harmonische, sehr unaufdringliche Waldmusik, der es manchmal an Gesang, Schwung und Pep fehlt.
Das ist wieder eine dieser Platten, die genau so klingen wie die Photos im Booklet es erahnen lassen. Ein bisschen Zauberwald, ein paar Steine, ein Fenster, ein altes Haus, ein Heuhaufen. Da liegt nicht viel Zusammenhang, sondern einfach ein bisschen Natur. Und ein paar wenige Notizen: „What is that sound / That’s evil coming round / And what is that smell? / Is that the lies you tell”. Und eben so klingt auch das zweite Album von The Memory Band: Ein bisschen instrumentale Tradition, ein bisschen Geige, ein wenig Gitarre. Hauptsache „ein bisschen“. Und in dieser zwanghaften Nichtaufdringlichkeit, beginnt die Musik schon bald zu nerven.
„Liebe Musiker, ihr müsst einfach mehr bringen, mehr sagen, hinter all dem, was ihr sagt stehen und mit beiden Füssen auf den Boden knallen. Für die, die sich hinter den dicken Bäumen verstecken, gibt’s nichts zu holen.“
Erste Legitimierung: Natürlich sind „Come Write Me Down“, „Green Grows The Laurel“ und „I Wish I Wish“ schöne, harmonische, tolle Lieder, aber es gibt halt einfach Bands, die machen das noch besser und vor allem mit mehr Druck. „Apron Strings“ ist mehr so das kleine Kraut, das sich unter Pilzen und Laub versteckt, das eigentlich sehr schön wäre, aber einfach nicht zur Kenntnis genommen wird. Wenn dann noch die Stimme von Nancy Wallace fehlt, sind die Songs unerträglich schüchtern und werden bald zu der Sorte von Leuten, die man irgendwann einfach nur noch ignorieren kann, weil man es satt hat, alles aus ihnen herausquetschen zu müssen.
Zweite Legitimierung: Die Songs auf „Apron Strings“ sind allesamt ganz wunderbar arrangiert, wie beispielsweise das traumhaft schöne Ende von „I Wish I Wish“ demonstriert. Hier blüht das Kraut förmlich auf, wird mehrere Meter gross und beginnt, Feuer zu spucken. Bei „The Light“ fehlt wieder die Stimme und somit leider auch die führende Melodie. Ganz im Gegensatz dazu „Want You To Know“, das vor allem durch den zweistimmigen Gesang und die wundervolle Melodie glänzt. Wieso wird hier nicht bei allen Liedern gesungen; es wäre doch eine so schöne Waldplatte geworden. Mit Stimme sind die Songs von The Memory Band nämlich klein, aber fein. Ohne Gesang fallen Schlagwörter wie fad, langweilig und schüchtern aber viel zu schnell.
Dritte Legitimierung: In dieser hektischen Welt, da hat es so leise, feine und langsame Folkmusik natürlich nicht einfach. Wer hat schon so viel Geduld, um bis zum letzten Song zu warten? Dabei wäre „The Poacher“ der schönste von allen. Bleibt zu sagen, dass diese Musik hervorragend gemacht ist, aber viel zu monoton und lahm daherkommt. Gebt dieser Band Ecstasy und alles wird glücklich. Verdammt glücklich.
Seit 27. Oktober 2006 im Handel.
Anspieltipps: Come Write Me Down; I Wish I Wish; The Poacher
Trackliste: 1) Blackwaterside; 2) Come Write Me Down; 3) Brambles; 4) Green Grows The Laurel; 5) I Wish I Wish; 6) The Light; 7) Want To Know You; 8) Deltic Soul; 9) Why; 10) Reasons; 11) Evil; 12) The Poacher
similar artists: vielleicht My Enemy,
Andrew Bird, Nicolai Dunger
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Bio:
Die Memory Band ist eine Folk-Supergroup & das jüngste Signing des immer besser werdenden Labels Peacefrog. Zu den festen Mitgliedern zählen Stephen Cracknell (Gorodisch), Nancy Allen & Jennymay Logan (Elysian Quartet), an ihrem Debutalbum mitgewirkt haben u. a. Adem (Domino) & Simon Lord (Simian, Garden). Nach zwei EP’s & einer Sampler-CD (u. a. auf dem Vashti Bunyan-Label Spinney) liefert die Memory Band mit „Apron Strings“ ein beseeltes Folkalbum ab, auf dem ihr die Balance zwischen Tradition & Moderne gut gelingt. Traditionals werden clever in neue Songs eingearbeitet, die Band scheut sogar vom Covern nicht zurück: der von den Chic-Männern Nile Rodgers & Bernard Edwards geschriebene & von Carly Simon gesungene Hit „Why“ ist genauso ein Highlight wie das Ronnie Lane-Cover „The Poacher“.