In einem Englischkurs hatte ein Lehrer einmal darauf aufmerksam gemacht, wie rhythmisch Sprache sein kann und seinen Kurs für einen Moment so vorgetragen, als ob er ein Gedicht aufsage. Passend zur elektronischen Musik, die in einem meiner Ohren lief, mutierte der Prof unwissentlich prompt zum Rapper. So wurde mir diese Kategorie von Musik bekannt…
Nun befinden wir uns in einer Zeit, in der MTV dieses Genre so dermassen missbraucht und trivialisiert, ja, ganze Armeen von Soldaten herangezüchtet hat, die einem Modeklischee nach dem anderem zum Opfer gefallen sind und über Dinge lamentieren, an denen Freud seine helle Freud’ gehabt hätt’ – und dennoch! – gibt es Bereiche dieser Musikrichtung, die ihren Wert nicht auf 50 Cent reduziert haben.
Wenn ich dann auch mit Wörtern wie „laid back“ einführen möchte, so ist sofort zu präzisieren, dass nicht die Band gemeint ist, die irgendwann in der Steinzeit Hits hatte wie „Sunshine Reggae“ und „Bakerman“, nein, „laid back“ beschreibt auf vortrefflichste Weise die Musik der Mighty Underdogs bzw. deren Debut-LP „Droppin’ Science Fiction“. The Gift Of Gab und Lateef The Truth Speaker hatten beide mehrfach bewiesen, dass man unter diesen Künstlernamen Qualitätsware erwarten darf und so enttäuscht auch diese Zusammenstellung von 14 Songs nicht. Mit Headnodic als Produzenten begibt man sich auf eine musikalische Odyssee, die fast so glatt verläuft, wie der Trip zu „The Main Ingredient“ von Pete Rock & C.L. Smooth.
Die Musik besteht grösstenteils aus „richtigen“ Instrumenten und kommt sehr locker daher. Auf „Ill Vacation“ erzählen Lateef, The Gift Of Gab und Lyrics Born von allerhand verrückten Ereignissen aus den Ferien; der Flow rinnt wie ein glasklarer Tropfen Wasser den Rücken einer Nymphe runter und die Musik mit Saxophon-, Gitarren- und anderweitigen Klängen versetzt uns auf eine Insel mit Hängematte zwischen zwei Palmen.
Auf „Folks“ beweisen Lateef und The Gift Of Gab auf dezente Weise, dass sie nicht nur rhythmisches Sprechen auf dem Kasten haben, sondern auch singen können (was bei ersterem spätestens seit dem Latyrx-Hit „Lady Don’t Tek No“, bei letzterem seit Day One von Blackalicious bekannt sein dürfte). Auch Songs wie „Hands in the Air, So Sad, Want You Back“ oder „Victorious“ stehen ganz im Zeichen von sorgfältig ausgewählter Soul und R&B Musik.
Unterm Strich hält man mit „Droppin’ Science Fiction“ ein Album in den Händen, das nicht nur Genre-Freunde eine Freude bereiten dürfte, sondern auch solchen, die ihre musikalischen Fühler gerne mal anderweitig ausstrecken.
Seit 14. Oktober 2008 im Handel.
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Anspieltipps:
> So Sad
> Ill Vacation
> Folks
Diskographie:
> The Prelude EP (2008)
> Droppin’ Science Fiction (2008)
Ähnliche Künstler:
> Blackalicious
> Lateef & The Chief: Maroons
> The Chicharones