Genre: Chamber Pop | Label: Hazelwood (Rough Trade) | Unsere Wertung: 8.0/10
Spukender Kammerpop
Unheimlich und sexy, so sollte es sein - und so ist The Miserable Rich's drittes Album auch: Britische Geistergeschichten gepaart mit wimmernden Violineklängen.
"Miss You in the Days" beginnt mit einem humpelnden Klavierspiel und gruselig angehauchten Violineklängen auf "Laid Up in Lavender". Es ist The Miserable Rich's drittes Album - technisch gesehen sogar ihr viertes, da sie 2009 eine EP voller Coversongs veröffentlichten. Und da sie 2007 gegründet wurden, kann man grosszügig sagen, sie hätten pro Jahr ein Album veröffentlicht. Ziemlich eifrig für eine relativ junge Band. Aber die fünf Musiker von The Miserable Rich sammelten alle schon vor 2007 Musikerfahrung: Sänger James de Malplaquet und Cellist Will Calderbank in den Bands Grape Authority und Shoreline, Violinist Mike Siddell bei Hope of the States und The Leisure Society, und schliesslich Jim Briffett bei Clearlake. Arrangiert wurde das Album unter anderem von Will Calderbank, der auch schon mit Mumford and Sons und The Leisure Society arbeitete. Neu mit dabei ist diesmal auch ein Drummer, David Schlechtriemen, der die Songs mit einer sanften und behutsamen Dynamik unterstreicht. Ganz viele Namen.
Aber das Spezielle an "Miss You in the Days" ist sein Thema: Geistergeschichten. Das Album wurde in diversen Spukhäuser aufgenommen, wie zum Beispiel dem Blickling Hall, ehemaliges Herrenhaus der Familie Boleyn - anscheinend gab sogar einige gruselige
Begebenheiten, wie ein Vorverstärker, der bizarre Radiowellen wiedergab. Auf dem Album ist das Thema mit diversen Streichern gut wieder zu erkennen.
The Miserable Rich spielen entsetzlich kitschige Musik, was erklärt, wieso das Musikgenre der Band zu "Chamber Pop" getauft wurde: Prägnant sind in ihrer Musik Instrumente, die sonst mehr an ein Kammerorchester erinnern als an britische Popmusik. Geigen, Cello und Klavier, dazu ein wenig Bass- und akustische Gitarre. Leider geht mir der weinerliche Gesang de Malplaquets mehr auf die Nerven als der des Coldplay-Frontmanns Chris Martin. Aber ich muss doch zugeben, dass einem die Songs einfach im Ohr bleiben und zwar im guten Sinne: Sie geben mir Lust, mehr zu hören, obwohl ich manchmal sehr sehr duldsam sein muss. Nach einigem Hören kann ich "On a Certain Night" schon vor dem Refrain mitträllern, posaune schliesslich "You Can't Lock That Door" in der Mitte des Songs einfach mit.
The Miserable Rich spielen übrigens am 29. November in Zürich (Rote Fabrik), am 30. in Basel (Parterre) und am 1. Dezember in Bern (Café Kairo).
Seit 4. November 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> On a Certain Night
> Pilion
Diskographie:
> Twelve Ways to Count (2008)
> Covers (2009)
> Of Flight & Fury (2010)
> Miss You in the Days (2011)
Ähnliche Künstler:
> The Divine Comedy
> The Leisure Society
> Noah and The Whale
> Mumford and Sons