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The Notwist - The Devil, You + Me

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von Tobias Imbach am Dienstag, 6. Mai 2008 in Neuerscheinungen   
Genre: Indie-Pop, Electronica
Label: City Slang
CH-Vertrieb: TBA
Unsere Wertung:The Notwist - The Devil, You + Me


Flackern und Glanz
The Devil, You + MeThe Notwist veröffentlichen ein meisterliches neues Album von unauffälliger und brüchiger Schönheit.

The Notwist waren nie wirklich weg. “Neon Golden“, sicherlich eines der besten deutschen Alben dieses Jahrzehnts, schien von allen Seiten geliebt zu werden und verhalf dem Weilheimer Kollektiv zum internationalen Durchbruch. Auch wessen Herz nach mehr schrie, musste in den letzten sechs Jahren nicht hungern: In den zahlreichen Nebenprojekten der drei festen Bandmitglieder hallte der Geist des Albums dauernd nach. Nur das Verlangen nach einem neuen Album verringerte dies nicht.

Der Nachfolger hätte dann auch schon viel früher erscheinen sollen. 2005 befanden The Notwist allerdings, dass das aufgenommene Material zu wenig nach ihnen klänge und liessen sich drei weitere Jahre Zeit. “The Devil, You+Me“ klingt nun immer noch anders – aber sehr vertraut dazu.
Von vorne: Der Opener enttäuscht. Das vorab veröffentlichte “Good Lies“, eine Hommage an vergangene Tage, speziell ihren Indie-Rock der 90er-Jahre, ist reine Monotonie und dementsprechend schnell vergessen. Auch wenn der Titel bei jedem Hörgang ein klein wenig wächst und ab der dritten Minute mit dem Einsatz forcierteren Drummings deutlich an Glanz gewinnt, ist die Enttäuschung auch langfristig nicht zu verbergen. Sei's drum. Der Rest auf “The Devil, You + Me“ ist umso grossartiger.
Unruhige Streicherklänge leiten das melancholische “Where in this world“ ein und bleiben in dezenter Form über dem pluckernden Elektro-Gerüst des Songs hängen. Der neue Drummer der Band Andi Haberl ist nicht nur für einen grundlegend veränderten Drumsound verantwortlich, sondern auch für die Zusammenarbeit mit dem Berliner Andromeda Mega Express Orchestra, bei dem er selbst mitwirkt. Dem subtilen Einsatz der Instrumente des jungen Orchesters ist in einem grossen Teil der neuen Songs zu lauschen.

Die offensichtlichen Hits eines “Neon Golden“ fallen diesmal weg. Die Schönheit eines “Gravity“ oder “Gloomy Planets“ offenbart sich zwar schon bei erstmaligem Hören, aber das Erkennen der wirklichen Grösse des Albums bringt erst die Zeit.
Die scheinbare Teilnahmslosigkeit so manches Titels erschwert den Zugang zum Album: Nur selten brechen opulente Streicher (“Boneless“) oder freundliche Melodien (“Gloomy Planets“) mit der scheinbaren Apathie. Keineswegs von Fröhlichkeit gezeichnet, aber dennoch herausragend ist “On Planet Off“, in dem britische Electronica-Spielarten wie Dubstep und Trip Hop geschickt zitiert werden. Bei den meisten anderen Stücken sind elektronische Elemente zwar vorhanden, aber zugunsten der akustischen Instrumente recht stark zurückgenommen.

Für die traumhafte Eleganz des Titelstücks gilt wie auch für das ganze Album: was erst nur schwach zu flackern scheint, erstrahlt bald in vollem Glanz. Ein neues Album, das sich vom Vorgänger grundlegend im Wesen unterscheidet, aber in der Grösse ebenbürtig ist.


Seit  2. Mai 2008 im Handel.

Anspieltipps: The Devil, You + Me, Gravity, On Planet Off
Trackliste: 1) Good Lies; 2) Where In This World; 3) Gloomy Planets ; 4) Alphabet; 5) The Devil, You + Me; 6) Gravity; 7) Sleep; 8) On Planet Off; 9) Boneless; 10) Hands On Us; 11) Gone Gone Gone

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Bio:

Die Weilheimer The Notwist werden zu den wichtigsten und besten Vertreter der deutschen alternativen Musik-Szene gezählt. Die Band wurde 1989 von den beiden Brüdern Markus (Gesang, Gitarre) und Micha Acher (Bass) und Mecki Messerschmidt (Schlagzeug) gegründet. 1990 erschien ihr erstes Album. Bald verabschiedete sich das Trio von den eher plumpen Metal-Anfängen in Richtung Indie-Rock. 1997 kam Martin Gretschman (Elektronik) als festes Bandmitglied dazu. Bis heute haben The Notwist sieben Alben veröffentlicht. Ihr bisher grösster Erfolg stellt das 02-er Werk “Neon Golden“ dar. Ihr letztes Album erschien im Mai 2008 und wurde im uphon-Studio in Wilzhofen bei Weilheim aufgenommen.

In den vergangenen Jahren konnte Martin Gretschmann mit seinem Soloprojekt “Console“ grosse Erfolge einfahren (besonders im Jahr 2003), Gründungsmitglied Mecki Messerschmidt verliess die Band  und wurde 2007  durch Andi Haberl ersetzt. Die Mitglieder von The Notwist waren in den vergangenen Jahren auch in vielen weiteren Projekten tätig:  Village of Savoonga, Tied & Tickled Trio, Lali Puna, Ms. John Soda, Potawatomi, Alles wie Groß, Ogonjok, Rayon, 3 Shades of Blues, Hometrainer, 13&God, Bolzplatz Heroes und Schweisser.

The Notwist
Diskographie:
> Notwist (1990)
> Nook (1992)
> Live (1994)
> 12 (1995)
> Shrink (1998)
> Neon Golden (2002)
> The Devil, You + Me (2008)


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