The Rambling Wheels sind drei junge Neuenburger, die mit ihrem
modischen wie auch musikalischen Konzept den Weg in die Teenieherzen
zielsicher anpeilen.
Wer hätte das gedacht, doch der Hype um die moderne, lässig-melodische, tanzbare und mit 60er-Zitaten gespickte Rockmusik, vom Volksmund auch Retrorock genannt, hält noch immer an. Besserwisser wissen es schon lange besser, doch das das Teil ist mittlerweile durchgekaut und verstaubt. Die Masse entdeckt mit der üblichen Verspätung, dass Röhrenjeans, spitze Lederschuhe und seriöse Frisuren einmal gut ausgesehen haben, sprich: heute wieder ’in’ sind. Doch was braucht es eigentlich, um in der mittlerweile auch in der Schweiz gesellschafts- und radiotauglichen Retrorock/Britpop-Welt erfolgreich zu sein? Drei Burschen aus Neuenburg machen’s vor: Man lasse sich einen Schnauzer wachsen, kämme sich die Haare in die Augen, trage spitze Schuhe und Röhrenjeans (wenn sich die ganze Band gleich kleidet siehts vielleicht noch cooler aus…) und lege sich kreative Künstlernamen zu (die Pseudonyme Dr. Wheels, Mr. Jonfox und Fuzzy O’Bron zeugen jedenfalls vom ungeheuerlichen komödiantischen Talent der Burschen). Dazu spiele man energiegeladenen, eingängigen und tanzbaren Rock, würze ihn mit etwas Pop und Schmalz, sodass auch die junge weibliche Zuhörerschaft etwas davon hat, und versucht mit allen Mitteln, auf sich aufmerksam zu machen. So machen dies jedenfalls die Rambling Wheels. Das Konzept stimmt, die Rückmeldungen aus Medien, Publikum und Presse versprechen viel, und los geht’s ganz zackig die Karriereleiter rauf.
Ich höre mir gerade deren Debutalbum „Furry Tales“ an. Zu Beginn tönt dies wie beschrieben: freundlich, spassig, rockig, tanzbar. Der Opener „The Deciders“ geht mit polternden Drums und wenig Schnickschnack ziemlich direkt in die Knie. Die Stimme des Leadsängers Dr. Wheels erinnert schwer an Tizian von Arx von 7 Dollar Taxi, die zweistimmigen Gesangsparts darf man als gelungen betrachten und einzelne Gitarrrensounds passen gut. „Wild“ macht dann schon einen etwas schlechteren Eindruck: Der trockene Beat und die lässig-säuselnde Gitarre sorgen wieder für Tanzatmosphäre, während synthetische Spielereien Discoatmosphäre vermitteln. Doch bereits hier beginnt der Gesang zu kleben. Der Refrain bzw. dessen endlos scheinende Wiederholung nervt spätestens nach zweimaligem Durchhören. Ähnlich verhalten gehts dann weiter. Popsongs mit stark abgerundeten Kanten, ein Hauch Glam- und Kuschelrock. „Cut“ erinnert dann stark an die Killers, die Stimmlage Dr. Wheels ist tiefer, der Song ist flüssig, sauber und trocken und weicht endlich von den üblichen Popstrukturen ab. Etwas Pompöses scheint durch, die synthetischen Klänge vermitteln eine sehr dezente Spur Wahnsinn und ein verhältnismässig ausdauerndes Gitarrensolo beendet nach bereits zwei Minuten den Track. Zunehmend tauchen aber akustische Tiefschläge, die gewaltig sitzen, auf. „Sailing Away“ zum Beispiel ist ein Samenlöser par excellence. „The Late Night Stalker“ erinnert dank Country/Folk-Atmosphäre und Duett mit Jennifer Benson an Mando Diaos schlechteste Momente. Weitere Nullnummern folgen zuverlässig.
Mein Geduldsfaden ist mittlerweile gerissen. Gegen Ende reicht ein Füller dem nächsten die Klinke, der seichte Pop gewinnt überhand, der anfängliche, nicht zwingend negative Eindruck hat sich verflüchtigt. Natürlich ist das Album nicht schlecht, es bietet dichte Momente, solide Gitarrensoli, überfreundliche Melodien und sehr vereinzelt gar witzige Ideen. Doch leider orientieren sich The Rambling Wheels zu sehr an durchgekauten Referenzen, bringen kaum Innovatives und verleiden zumindest dem in Ansätzen anspruchsvollen Hörer nach den ersten Durchlauf. Die Jugend jedoch wirds mögen.
Seit 9. Oktober 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Cut
Diskographie:
> Furry Tales (2009)
Ähnliche Künstler:
> Sugarplum Fairy
> 7 Dollar Taxi
> The Killers
> Mando Diao