Aus Schweden kommen so unterschiedliche Dinge wie Piratenparteien, Knäckebrot und Kinderbuchklassiker. Und irgendwie scheint das auch alles mitzuschwingen, wenn man an The Soundtrack Of Our Lives (TSOOL) denkt.
Als Britpop schon längst begraben schien, ebneten sie sich damals den Weg zu bleibendem Ruhm vor allem mit einem Album, das hymnenseliger, verspielter und euphorischer höchstens von den Beatles selbst hätte gemacht werden können: „Behind The Music“ war ein Meilenstein, der - das war damals schon klar - nicht zu toppen sein würde.
Auch und schon gar nicht von „Communion“, dem neusten, ja man muss leider stellenweise schon sagen: Machwerk der grundsympathischen Mittvierziger. Hier wird alles wahllos zusammengekippt, was schwelgerischen Britrock aus- und in den Ohren vieler leider auch hassenswert macht: straighter Beat, Handclaps, Orgeln, Sologitarren, die bei Refrainende einsetzen. Ohne erkennbare Dramaturgie auf zwei CDs verteilt. TSOOL wären die beste Oasis-Coverband dieser Tage, wären das nicht schon Oasis selbst.
Und wo bleibt das Positive? Vom Cover und im Booklet strahlen einen unentwegt grinsende glückliche Menschen an, die allesamt aussehen, als seien sie mitsamt ihren Bademänteln, Weissweingläsern, Kindern und Frisuren eben aus der Waschstrasse gekommen. Man bekommt Lust, diese Botschafter der guten Laune mit einem guten Kopierer in lebensgrosse Ikonen zu verwandeln und sie weit oben an der Zimmerwand aufzuhängen.
Wie aus der Waschstrasse klingen leider auch die meisten der 24 Stücke auf „Communion“. Natürlich nicht alle: „Mensa’s Marauders“ ist ein knackiger Hit, „Second Life Replay“ eine typische TSOOL-Ballade mit lustigem Text und „The Fan who wasn’t there“ holt noch mal die alten Fans da ab, wo sie liegengeblieben sind.
„Communion“ ist also leider enttäuschender als erwartet, seicht, mutlos, eine Reminiszenz ans eigene Frühwerk. Nichtsdestotrotz wird niemand an TSOOL verzweifeln. Dafür können die Herren einfach zu viel, geben nach wie vor durchgeknallte Konzerte und, sowieso, wer sich ein Wahnsinnswerk wie „Behind the Music“ ausgedacht hat, wird auf immerdar gute Musik schreiben können.
Seit 24. April 2009 im Handel.
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Mensa’s Marauders
> Second Life Replay
Diskographie:
> Welcome to the Infant Freebase (1996)
> Extended Revelation for the Psychic Weaklings of Western Civilization (1998)
> Behind the Music (2001)
> Origin Vol. 1 (2004)
> A Present from the Past (2005)
> Communion (Nov. 2008)
Ähnliche Künstler:
> Kinks
> Oasis
> Motorpsycho