Molly McGuire hat bereits eine beachtenswerte Karriere
mit und um die Desert Sessions-Typen Nick Oliveri und Josh Homme hinter
sich, ihr neues Projekt ’The Spores’ überzeugt jedoch genau gar nicht.
Das Album lungert nun schon einen Monat irgendwo auf meinem Pult rum und wartet auf seinen Text. Doch diese eigenartige und hinten und vorne nicht zusammenpassende Mischung aus mehr oder minder krankem Elektro, Hitparadenpop und Indierock konnte und kann mich schlicht nicht fesseln. ’Mandibles’ eröffnet die Platte zwar gelungen, ein einigermassen schön verzogenes, spannendes Gebräu aus sanften Frauenstimmen, schleppendem Beat und schauriger Atmosphäre. ’(Don’t) kill yourself’ enttäuscht dann trotz schöner Melodie; ist auch nur Indiepop mit scheppernden Gitarren im Refrain, wie man ihn schon besser gehört hat, man darf weiterhören. ’Moon shine down’ verlockt dann endgültig, die Platte aus dem Player und direkt aus dem Fenster zu werfen. Da holpert ein an die (eigentlich wunderschönen) 80er erinnernder Beat ziemlich lahm daher, während die Melodie glatt aus irgendeiner Super-, Music-, oder wie diese Schrott-star-shows auch immer heissen mögen, stammen könnte. Gut, bis jetzt haben wir drei Stücke und drei Stile gehört. Ich beginne mich zu fragen: Was wollen die Spores darstellen? ’Heat Seeker’ ist wiederum ein bisschen Indie, der trotz lässig harter Gitarre ein bisschen zu sehr hitparadentauglich ist. Dann wird’s endgültig zuviel des Guten, ich zieh’s jedoch mit blutenden Ohren durch. ’Imagine the future’ möchte dank schwebenden Synthies hypnotisch wirken und ’Love my mind’ könnte dann wiederum von den Chicks on Speed oder Peaches sein. Die beiden mag ich ja, doch was hat ein ziemlich kranker, untanzbarer Elektrohammer zwischen lahmem Indie und Hitparaden-Tanzpop verloren? Aber es wird noch mühsamer, denn gleich darauf könnte Snoop Dogg problemlos irgendeine Zuhälter-Weisheit zum Beat von ’Veal’ erzählen. ’Big Brother’ trumpft dann mit lässigen Störgeräuschen und wiederum eigenartigem, mühsamem Gesang auf, während irgendwo im Hintergrund eine Gitarre versucht ihren Senf dazu zu geben. Und jetzt hab ich die Nase und die Ohren endgültig voll von dem Blödsinn, ’Vum Vum’ möchte nochmals Peaches sein, tut dies einfach hundertmal schlechter. Leider ist die Platte noch lange nicht zu Ende, ich erspar es mir, auf die restlichen Stücke genauer einzugehen, es wird noch mal ein bisschen rockig, dann gar noch funkig mit einem bisschen Rap und nochmals abstrakt-elektronisch.
Fazit: ein absolut schwachsinniger Bockmist ohne roten Faden, der von Stück zu Stück mühsamer, schlechter und nerviger wird. Wer sich gerne mit Musik quält oder auf die Frage: was hörst du denn so? mit ’alles ein bisschen’ antwortet, kann das Geld dafür gerne zum Fenster raus schmeissen. Ich schenke die Platte wahrscheinlich jemandem, den ich hasse, lasse sie deftig verstauben, verliere sie irgendwo oder benutze sie als Unterteller für ein kühles Helles (so eins und was schrecklich Aggressives hab ich jetzt auch dringend nötig).
Seit 5. Januar 2007 im Handel.
Anspieltipps: gibts nicht, im Notfall: Mandibles
Trackliste: 1) Mandibles; 2) (Don’t) Kill Yourself; 3) Moon Shine Down; 4) Heat Seeker; 5) Imagine The Future; 6) Love My Mind; 7) Veal; 8) Big Brother; 9) Yum Yum; 10) El Matador; 11) Entwined Like Lovers; 12) Daffodil
similar artists: Garbage, Chicks on Speed, Peaches, Goldfrapp, Ladytron, Ween (beinahe beleidigend für diese Bands)
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Bio:
Die Kanadierin und Bassistin Molly McGuire startete ihre Karriere gemeinsam mit ihrem (Ex-)Freund mit einem Schlagzeug-Bass-Projekt namens Rhudabega. Erfolglos tourten die beiden quer durch die Staaten und Kanada. Mit der Liebe endete dann auch die Zusammenarbeit. Nach einem weiteren Projekt namens Yellow 5 zieht es McGuire um 2000 nach Kalifornien. Dort lernt sie sämtliche Desert Sessions-Musiker der Region kennen. 2003 spielt Molly Bass auf Nick Oliveris Mondo Generator-Album ‘A Drug Problem That Never Existed’, hilft Mark Lanegan bei ‘Here Comes That Weird Chill’ aus und spielt mit Frank Black auf dem They Might Be Giants-Cover ‘Road Movie To Berlin’. Ihre bekannteste Teilnahme dürfte allerdings das Queens-Album ’Songs For The Deaf’ (2002) darstellen. 2003 und 2004 ist sie festes Mitglied bei Mondo Generator, erst nach ihrem Ausstieg denkt sie über ein neues Soloprojekt nach. Sie lernt ihre Mitmusiker Greg Biribauer (Gitarre, Loops) und Kenny Pierce (Schlagzeug) kennen und gründet ’The Spores’. Mit kleinen, selbst genähten Puppen nach dem Vorbild der Gorillaz tourt die Band nun durch Europa.