Trotz versucht vorurteilsfreier Annäherung, gelang es der
Rezensentin nicht, sich mit The Veronicas anzufreunden. Gedanken einer
Gescheiterten (wenn auch nur in diesem Vorhaben).
The Veronicas. Aus Australien sind sie, Zwillingsschwestern. Und jung sind sie. Dementsprechend ihre Themen: Sie verlieben sich „4ever“, natürlich ist alles zuerst noch ein „Secret“, das man nur mit der besten Freundin oder mit „Mother Mother“ teilt. Vielleicht ist er „Everything I'm Not“, vielleicht aber gerade deswegen der Richtige... Und irgendwann klappt es dann doch und man denkt sich „I Could Get Used To This“, aber schon bald kommt der Moment, wo „It All Falls Apart“, „A Teardrop Hitting The Ground“ und man ihn nur noch anbrüllt „Leave Me Alone“. Szenen eines Teenager-Lebens.
Aber gehen wir das Ganze unvoreingenommen an. Track eins – „4ever“ – dauert zum Glück nicht ganz so lang wie der Titel suggerieren könnte. Die gut dreieinhalb Minuten sind aber mehr als genug, um einen Eindruck zu gewinnen. Und eigentlich reicht es, sich „4ever“ angehört zu haben, denn das Album variiert kaum mehr. (Vielleicht mal abgesehen vom etwas ausscherenden „Secret“.) Unausweichlich auf jedem Stück: Der Veronicas' Stimmen, herrje. Angesichts des Möchtegern-rotzigen Gekreisches und Geplärres wünscht man sich die Einführung des Stimmbruchs auch für Mädchen. Die irgendwie künstlich klingenden Drums bleiben immer gleich und die Ajax-blanke Produktion zieht sich durch alle 13 Liedchen der zwei Mädchen.
Bei Nummer zwei, „Everything I'm Not“ folgt zuerst das Aha-Erlebnis: „Das hab ich doch auch schon auf DRS3 gehört...“ und gleich anschliessend der Gedanke „Da wären sie besser auch geblieben.“ Denn es ist schon so: Poppig mit der für die Charts nötigen Note Frechheit sind sie, die Veronicas, pardon: THE Veronicas, der berühmte bestimmte Artikel gehört für die stilbewusste Neo-Punkrockerin natürlich dazu wie der Nietengürtel zum Outfit oder das Karomuster aufs Cover... Aber item: Die geballte Ladung Pop-Appeal haben die Zwillinge definitiv. Das aus Websites und Myspace herauszufilternde Image ist ebenfalls mehrheitstauglich, dasselbe gilt für das bunte Design des Booklets. Der Mut zum Gefälligen zahlt sich aus: Ihr Erstlingsalbum stieg in den australischen Charts auf dem siebten Platz ein, Topplatzierung: 2. Hut ab.
Aber für jemanden, der beim dritten Song schon denkt „Wann ist dieses Album endlich durch??“, ist „The Secret Life of...“ definitiv das Falsche. Und tschüss, Veronicas, vielleicht plätschert ihr ja mal wieder auf DRS3 vorbei...
Seit 31. Oktober 2005 im Handel. (Releasedatum in der Schweiz: 6. Oktober 2006)
Anspieltipps: am ehesten noch Secret
Trackliste: 1) 4ever; 2) Everything I'm Not; 3) When It All Falls Apart; 4) Revolution; 5) Secret; 6) Mouth Shut; 7) Leave Me Alone; 8) Speechless; 9) Heavily Broken; 10) I Could Get Used To This; 11) Nobody Wins; 12) Mother Mother
similar artists: Avril Lavigne, Kelly Clarkson,
Mia Aegerter
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Bio:
Wenn schon die Musik nicht der Originalität letzter Schluss ist, so ist doch wenigstens der Hintergrund von The Veronicas etwas unterhaltsamer. Die Zwillingsschwestern Jess und Lisa Origliasso wurden 1984 in Brisbane, Australien geboren. Als fünfjährige Knirpse standen sie erstmals singend im Rampenlicht, Auftritte in TV-Sendungen folgten. Irgendwann begannen sie eigene Projekte zu entwickeln und durchzuziehen. So schreiben und komponieren sie ihre Songs vorwiegend selber.
Sire Records wurde 2004 auf die damals 20-Jährigen aufmerksam und bot ihnen einen Plattenvertrag an. Von da an ging es steil bergauf: Schwindelerregende Chartspositionierungen, der Gewinn diverser australischer Populär-Musik-Awards und die „Revolution Tour“ sorgen dafür, dass The Veronicas kaum mehr aus dem australischen Pop-Olymp wegzudenken sind.
Per 2007 ist ein neues Album geplant.