Wir jungen Schnösel, die man uns mittlerweile getrost und ohne frech zu wirken als alte Knacker bezeichnen darf, warteten zwar fleissig auf die dritte Veröffentlichung dieser Band, hat sie uns doch damals ein paar schöne Lektionen fürs Leben mit viel Schnaps, Rock’n’Roll und entsprechend kräftigen Kopfschmerzen beigebracht. Wir hatten das Genre, als zündende Bands wie die Vines, die Strokes, Jet oder die Hives langsam aber sicher an die Macht kamen, voller Enthusiasmus in unsere Herzen geschlossen, die pubertäre Hiphop-Sammlung verbrannt und den weiteren Lebenswandel den Stromgitarren gewidmet. Zwischenzeitlich haben wir dem Partyleben abgeschworen und diskutieren während des wochenendlichen Jasses über neue Alben, Bücher, Politik sowie die wüsten alten Zeiten. Entsprechend viele Erinnerungen werden wach, wenn sich das Gespräch ums neue Vines Album dreht, sei dies einerseits, weil sie mit ihrem wilden, chaotischen, eigenwilligen Rock sowie den verträumt-verkifften Balladen schwer Eindruck hinterliessen, oder andererseits, weil das neue Werk etwa genau gleich klingt wie seine beiden Vorgänger. Die Fachpresse überschüttet die Band aufgrund dieser Stagnation zwar nicht mit Lob, ich fahre ihr deswegen jedoch nicht ganz so kräftig ans Bein, war die Truppe doch mitverantwortlich, uns dem destruktiven, monotonen Sog des Hiphops zu entziehen. Dankeschön. Gut, wer seit 2001 musiziert und genau keinen Schritt vorwärts gemacht hat, sollte dafür mindestens zwei Hände abgehackt kriegen. Leider animiert der typisch Vines’sche, energiegeladene Rock noch immer zu Headgebange, genauso animieren die wunderbar traurigen Balladen zu exzessivem Drogenkonsum, das Alter sowie die neu gewonnene Freude am gemütlich-langsamen, schlafgeschwängerten, vielleicht vernünftigen Lebenswandel machen einem dann doch wieder einen Strich durch die Rechnung. (Mit dem Fuss ein bisschen mitwippen genügt ja, um ordentlich abzufeiern.) Ich weigere mich der Nostalgie zuliebe das Gehörte komplett zu verreissen. Die selten über drei Minuten andauernden Stücke (Totale Spielzeit: magere 31:29 Minuten) überzeugen weder durch umhauende Melodien noch durch wahnsinnige Soli oder besonders schlaue Texte. Sehr durchschnittlich, sehr gewohnt, ziemlich billig und trotzdem gut. Die Platte bringt alles andere als frischen Wind, also alten Wind ins Genre, immerhin Wind, den frischen besorgen all die Nachwuchsbands bekanntlich problemlos. Ja, die Zeit rast wie all die Seat Ibizas, ich warte, bis sie gegen einen Baum prallt. Wenn man die Band schon mal gemocht hat, wird man, wenn auch nur kurzfristig, da aufgrund mangelnder Innovation relativ schnell verleidend, auch diese Platte mit Sicherheit mögen.
Seit 7. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Anysound, Don’t Listen To The Radio, Take Me Back, F*k Yeh, Spaceship
Trackliste: 1) Anysound; 2) Nothin’s Comin’; 3) Candy Daze; 4) Vision Valley; 5) Don’t Listen To The Radio; 6) Gross Out; 7) Take Me Back; 8) Going Gone; 9) F*k Yeh; 10) Futuretarded; 11) Dope Train; 12) Atmos; 13) Spaceship
similar Artists: Jet, The Hives,
The Strokes,
Mando Diao, The Libertines, Nirvana
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Bio:
Die Band um den am Asperger-Syndrom leidenden Frontmann Craig Nicollis (voc., git) existiert trotz verschiedenen Besetzungswechseln seit 2001. Als damals „Highly Evolved“ der Band sowie dem Retro-Hype zum Durchbruch verhalf, begannen wilde Zeiten für die aus Sydney stammenden Talente. Berühmt-berüchtigt für ihre wilden, gitarrenverschleissenden Auftritte tourten sie mit grossem Erfolg rund um die Welt und genossen das Rockstardasein in vielleicht etwas zu vollen Zügen. Als die psychischen Probleme der Bandmitglieder nach der Veröffentlichung von „Winning Days“ zu Streit und abgesagten Tourneen führten, glaubte so manch einer an das Ende der jungen Karriere der Australier. Nun brachten sie es trotz allem noch zu einem neuen, etwas kurz geratenen Album, zu Live-Auftritten wird es der Plattenfirma zufolge jedoch kaum mehr kommen, da der leidende, zerstörerische Nicollis mit den Strapazen einer Tournee wohl kaum zurechtkommen würde.