The Young Gods entwickeln ihren Sound mit "Everybody Knows" erneut weiter und klingen vielseitiger denn je.
Um es gleich vorweg zu nehmen: "Everybody Knows" ist verdammt gut geworden. Mit dem letzten Album "Knock on Wood" haben sich die Pioniere der gesampelten Rocksongs neu erfunden, haben ihren Klassikern mit akustischen Instrumenten neues Leben eingehaucht. Auf dem neuen Album wird nun klar, dass das nicht bloss ein Experiment war, sondern The Young Gods sich auf diesem Weg weiter entwickelt haben. Auf "Everybody Knows" kommt alles zusammen, was die Band in der Vergangenheit gemacht und ausgemacht hat. Elektronische Beats, ein Hauch von 68er Psychedelik, eine Vielzahl gesampelter Geräusche, die markante Stimme Franz Treichlers und die akustischen Instrumente. Wie selbstverständlich wird dies alles zu Songs und einem ganzen Album verwoben.
Nach dem Intro "Sirius Business" folgt mit "Blooming" das erste Highlight des Albums. Mit einem relaxten Beat, herrlich fett dröhnendem Bass und vielen kleinen elektronischen Einsprengseln wird ein Klangteppich ausgerollt, über dem Franz Treichlers beschwörende Stimme schwebt. Dann nimmt das Stück Fahrt auf mit einem treibenden Beat, welcher den ersten ergänzt, aber sehr organisch klingt. Im Refrain wird mir dann bewusst, was für ein Gewinn das Kapitel "Knock on Wood" für die Band ist. Am ohrenfälligsten ist die Entwicklung beim Gesang, dieser ist gefühlvoller, facettenreicher und melodiöser als je zuvor. Zusammen mit den akustischen Gitarren entsteht so ein deutlich wärmeres Klangbild.
"No Land’s Man" ist ein schnellerer Rocksong, mit interessanten Gitarrenparts. Neben der eingängigen Anfangsmelodie, die mich in der Wirkung entfernt an Lenny Kravitz’ "Are You Gonna Go My Way" erinnert, gefallen vor allem die coolen Wah Wah Sounds.
"Mr. Sunshine" ist eher dezent, mit vielen kleinen Soundbasteleien im Hintergrund und einer monotonen, rhythmischen Akustikgitarre in der Strophe. Im Refrain überrascht eine befreiend offene Akkordfolge und dazu gesellt sich hoher Gesang. Ich bin etwas irritiert, denn wenn ich mich nicht täusche, habe ich bei The Young Gods noch nie eine Kopfstimme gehört. Aber im Jahr 2010 gibt es auch das und es funktioniert.
"Miles Away" beginnt mit Keyboards und einer federleichten Akustikgitarre. Nach der ersten Strophe setzt der Beat ein und schwer definierbare, durch die Boxen wabernde Elektroniksounds vergrössern den Klangraum. Dazu kräftige Akustikgitarrenakkorde. Sehr groovig, tanzbar, irgendwie elektronisch aber auch wieder mit diesen coolen akustischen Gitarren...
Was mir schwer fällt in Worte zu fassen, hört sich völlig selbstverständlich und überhaupt nicht konstruiert an, obwohl hier garantiert penibel an den Knöpfen gedreht und an Sounds getüftelt worden ist. Die Hochzeit zwischen elektronischen und akustischen Sounds ist geglückt und entstanden ist ein tolles Album, das gleichzeitig unverkennbar The Young Gods ist, aber auch einmal mehr neue Wege beschreitet. Everybody Knows ist hervorragend produziert – da gibt es Stereoeffekte hin und her und Bässe, die das Geschirr im Schrank zum mitmusizieren anregen. The Young Gods zementieren ihren Ruf als Klangvisionäre und haben einen Kandidaten für die Bestenliste Alben 2010 vorgelegt, der aber noch einige Zeit nachhallen dürfte.
Seit 5. November 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Blooming
> Miles Away
Diskographie:
> The Young Gods (1987)
> L’Eau Rouge (1989)
> Play Kurt Weill (1991)
> T.V. Sky (1992)
> Live Sky Tour (1993)
> Only Heaven (1995)
> Heaven Deconstruction (1996)
> Second Nature (2000)
> Live Noumatrouff (2001)
> Six Dew Points (2002)
> Music For Artificial Clouds (2004)
> XX Years 1985 – 2005 (2005)
> Truce Diaries (2005)
> Super Ready / Fragmenté (2007)
> Knock on Wood (2008)
> Everybody Knows (2010)
Ähnliche Künstler:
> The Young Gods