Vier nicht ganz neue Titel, live schon öfters gespielt,
finden den Weg auf das fünfte Werk der nicht zur Ruhe kommen wollenden
Kanadier.
Schrill sind sie, die ersten Momente auf diesem Werk von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band, wie sich A Silver Mt. Zion (ASMZ) seit Jüngstem nennen. Sind die ersten zwölf Titel beinah so geschwind gehört wie jene damals auf Korns “Follow The Leader“, entsprechen die folgenden vier Stücke, jedes eine gute Viertelstunde andauernd, viel eher der Charakteristik des siebenköpfigen Kollektivs, das aus Teilen der zentralen, aber momentan ruhenden Post Rock-Gruppe Godspeed You! Black Emperor (GY!BE) hervorging. Auch wenn sich die beiden Projekte in musikalischer Hinsicht nicht wirklich ähnlich sind (schliesslich wurden ASMZ vor allem ins Leben gerufen, um jene Ideen zu verwirklichen, die bei GY!BE nicht zu verwirklichen waren), ist dieselbe Handschrift kaum zu überhören.
Die Stimme Efrim Menucks dürfte für viele Experimental-Rock-Aficionados so auch ein Grund dafür sein, ihre Zeit eher dem rein instrumentalen Output von GY!BE zu widmen. Denn wie die letzten Alben von ASMZ enthält auch “13 Blues ...“ keine rein instrumentalen Stücke mehr, sondern eine höhere Präsenz von Efrim Menucks Gesang, die von mehr Vertrauen in dessen nicht vorhandenen sängerischen Qualitäten zeugt. Ob das zu begrüssen ist, sei dahingestellt, klar bleibt nur, dass jener Gesang, und nicht zu selten auch die dadurch wiedergegebenen Worte, die Nerven leicht zu strapazieren wissen. Aber nicht nur das Gewöhnen an die verzweifelte Weinerlichkeit, Wut und die zahlreichen falschen Töne, die den Gesang auszeichnen, beansprucht einige Stunden Zeit – gleiches gilt für jedes der vier sehr unterschiedlich ausgefallenen Stücke im Allgemeinen. Dies obwohl ein grundsätzlicher Wandel im Klangbild nicht zu überhören ist, weg vom Ausufernden hin zum Strukturierten und Gezielten. Nach einer dreiminütigen ruhigen Einleitung fährt “1,000,000 Died to Make This Sound“ schwerere Geschütze auf, eine eingängige Cello-Tonfolge fungiert als Anker für scheppernde Drums und lärmende Gitarren. Mit einer spürbaren Wut startet auch das Titelstück, das im Grunde auf wenig aussergewöhnlichen Blues-Harmonien basiert, in einem Mittelteil etwas zur Ruhe kommt, um sich darauf in einen wuchtigen Abschluss zu steigern. Und wieder sorgt ein sich stetig wiederholendes Blues-Gitarren-Schema für Ausgeglichenheit und bildet den zentralen Angelpunkt, um den die restlichen Instrumente furios herumwirbeln.
„Black Waters Blowed/Engine Broke Blues“ stellt das komplexeste Stück auf “13 Blues ...“ dar. Erst nach fünf Minuten wilden Drumspiels und fehlender Harmonien in jeglichen Tonfolgen erbarmt sich der Titel wunderbar melodisch in Form einer plötzlichen Zärtlichkeit und Langsamkeit und läuft zu einem der stärksten Momente des Albums auf.
Der beeindruckendste Beitrag auf “13 Blues ...“ ist das abschliessende “BlindBlindBlind“, das in der ersten Hälfte mit aussergewöhnlich ruhig gesungenen und träumerischen Worten eröffnet wird, ohne Drums auskommt, dafür aber den wohlklingenden Streichern und der offenbar schönsten Melodie auf dem Album genügend Raum gewährt. Gegen Ende wandelt sich das Stück mit Schlagzeug und stärker betonten Gitarrenspiel hin zum Druckvolleren und gemeinsam singen sich A Silver Mt. Zion in den imaginären Himmel, um “13 Blues ...“ in ungewohnter Versöhnlichkeit nachklingen zu lassen.
Seit 7. März 2008 im Handel.
Anspieltipps: alle
Trackliste: 1) Untitled; 2) Untitled; 3) Untitled; 4) Untitled 5) Untitled; 6) Untitled; 7) Untitled; 8) Untitled; 9) Untitled 10) Untitled; 11) Untitled; 12) Untitled; 13) 1,000,000 Died to Make This Sound; 14) 13 Blues For Thirteen Moons; 15) Black Waters Blowed/Engine Broke Blues; 16) BlindBlindBlind
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Bio:
Nach dem Tempelberg in Jerusalem benannt wurde A Silver Mt. Zion, 1999 von den kanadischen Godspeed You! Black Emperor-Mitgliedern Efrim Menuck (Gesang, Gitarre, Piano), Sophie Troudeau (Violine) und Thierry Amar (Bass) gegründet. Menuck plante mit diesem neuen Projekt zu lernen, wie Partituren geschrieben würden, verwarf diese Idee aber schon bald wieder. Nichtsdestotrotz bilden A Silver Mt. Zion das experimentierfreudige Pendant zu GY!BE und veröffentlichten 2000 ihr erstes Album. Bevor das zweite Album veröffentlicht wurde stiessen drei weitere Musiker zur Gruppe hinzu, die sich fortan Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band nannte, später folgten weitere Umbenennungen, wie etwa 2004 als die "Pretty Little Lightning Paw"-EP unter dem Namen Thee Silver Mountain Reveries veröffentlicht wurde. 2005 verstärkte Scott Levine Gilmore die Gruppe an Saiteninstrumenten und Schlagzeug. Von GY!BE unterscheiden sich A Silver Mt. Zion vor allem in der Hinsicht, dass auf den letzten Alben keine instrumentalen Tracks auf ihren Alben zu finden sind. Efrim Menuck übernimmt den Lead-Gesang, andere Bandmitglieder tragen aber auch zum Gesang bei. Die Texte zeichnen sich durch einen oft sehr starken links-politischen Bezug aus. Unterdessen hat die Band fünf Alben veröffentlicht.