In Zeiten kurzer Aufmerksamkeitsspannen wird man nach dem Klick die
Bewertung oben rechts anschauen und wenig überrascht sein. Doch mit
Kritiken über „Them Crooked Vultures“ ist es wie mit dem Album selber.
Bei dieser Ausgangslage muss man die Leute umso mehr davon überzeugen,
wieso man das hier toll findet.
Dave Grohl, Josh Homme und John Paul Jones sind „Them Crooked Vultures“. Natürlich schwebt gleich der eine bestimmte Begriff im Raum, liegt auf der Zunge, kitzelt in den Fingerspitzen. Dementsprechend ermüdend ist in der Regel das Vorgeplänkel bei solchen Zusammenkünften. In diesem Fall hielt man sich aber lange angenehm bedeckt, gab nur so viel wie nötig preis. So klingt es also, wenn Musik für (fast) alles andere spricht. Man muss es sagen, weil selbstverständlich ist dies schon lange nicht mehr.
Saucool und mit einem ungeheuren Anti-Groove beginnt, was schnell in Ehrfurcht endet. Nein, hier ist niemand abgeklärt und schon gar nicht zu spontan. Josh Homme ist Charlie, die anderen beiden die Engel. Flankiert von Gottes Rhythmusfraktion, spielt der Hüne all seine Stärken aus. Der Wiedererkennungswert seinerseits ist dank Stimme und unverkennbarer Gitarre am grössten. Immer schön geradeaus, mittenrein und mit scharfer Kante. Wie alt sind diese Herren im Schnitt? Man putzt sich besser die Ohren, weil selbst hervorragende Jungspunde wie die Arctic Monkeys mit Leichtigkeit überholt werden. Fast schon erschreckend muss das sein, wenn man sieht, was so viele andere Bands nicht können. Dabei wird hier nicht gelehrmeistert. Es scheint einfach passiert zu sein. Mit ihnen, mit uns und mit der vor sich hin kränkelnden Szene. Die Geier kreisen um den arg mitgenommenen Leib der Musikindustrie. Dabei treten sie nicht gleich eine Revolution los, statuieren aber eine Exempel dessen, was an Intensität, Energie und Kreativität aus Songs herausgeholt werden kann. Klar geht man schneller in die Geschichte ein, wenn man bereits ein Teil von ihr ist. An das hier wird man sich aber aus guten Gründen erinnern.
Zum einen sicherlich, weil ein Wort wie Schnörkellosigkeit für Platten wie „Them Crooked Vultures“ erfunden wurde. Weil Lückenfüller keinen Platz haben. Das Album ist Tod? Man kann sich auf iTunes gerne einzelne Songs wie „New Fang“, „Gunman“ oder den Übersong „Bandoliers“ herunterladen. Das bringt einem aber nichts, wenn fast das komplette Album ein Hit ist. Radiohead mögen neue, innovative Wege gegangen sein. Diese drei Musiker zeigen uns aber ebenso eindringlich, weshalb der alte alles andere als abgelatscht sein muss. Ein Makel hängt aber auch dieser Band an. Einer, der sich immer öfter in die Alben der Neuzeit einschleicht: Gegen Ende geht etwas die Puste aus. Da wirken selbst diese drei Rockgrössen menschlich und letztlich misst sich „Them Crooked Vultures“ hier mit sich selber – und mit all den Haupt-, Neben- und Ex-Bands seiner Mitglieder. Diese Vergleiche muss es nicht scheuen, es pickt ihnen schlicht die Augen aus.
Seit 13. November 2009 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> New Fang
> Gunman
> Bandoliers
Diskographie:
> Them Crooked Vultures (2009)
Ähnliche Künstler:
> Queens of the Stone Age
> Led Zeppelin
> Foo Fighters
> Kyuss
> Desert Sessions
> Nirvana