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Therapy? – One Cure Fits All (2006)

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von Michael Rothen am Mittwoch, 7. Juni 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Punk Metal Noise
Label: Spitfire Records
CH-Vertrieb: Phonag
Unsere Wertung:Therapy? – One Cure Fits All (2006)

„Here I Am, Motherfucker“ oder wahlweise “James Joyce Is Fucking My Sister”
Therapy? – One Cure Fits All (2006)Nach etlichen Bergen und Tälern scheinen nun endlich geschmeidig ansteigende Pfade eingeschlagen.

Ich gestehe: 1992 – zarte 17 Lenze auf dem Buckel – viel Nass wie Bier und natürlich laute Musik mit möglichst noch mehr einfachen und doch auch sehr adäquaten Songzeilen wie eingangs offeriert. Eine Horde pickliger Jungs machte sich daran – regelmässig leicht angetrunken –, die Welt des Rock zu erobern (nachdem endlich die letzten Glocken für Twisted Sister, Heloween, Iron Maiden und Konsorten geschlagen hatten). Therapy? waren damals die perfekten Wegbereiter für den Wechsel weg vom teilweise dumpfen Heavy Metal hin zu alternativer Rockmusik, vermochten sie doch stets die breite Palette von Punk, Heavy Metal, Noise, Industrial und Indie zu offerieren. Alles war da und nichts war falsch daran! Die EPs „Born In A Crash“ (1993) und „Hats Off To The Insane“ (1993) sowie die Alben “Nurse” (1992), “Troublegum” (1994) und “Infernal Love” (1995) waren unser aller Jungs gemeinsamer Nenner. Songs wie „Nausea“, „Screamager“, „Teethgrinder“, Potato Junkie“, „Turn“, „Gone“, „Knives“, „Isolation“, “Trigger Inside“, “Lunacy Booth”, “Epilepsy” und “Stories” sowie natürlich auch das Hüsker Dü-Cover “Diane” gaben uns alles und das auf einmal.
Dann das noch heute nicht ganz Nachvollziehbare: Keiner der vorgenannten Jungens kaufte sich die erst 1998 erscheinende „Semi-Detached“; die drei Jahre waren offenbar zu lange, resp. das Album dann doch zu kommerziell angelegt. Der rote Faden riss ab. Der perfekte Ersatz hielt in Form von Bands wie den Deftones oder Korn Einzug. Therapy? erschienen nur noch als Randfiguren, wenn überhaupt (die nachfolgenden Alben ernteten dann zu allem Überfluss auch noch ungute Kritiken). Übrigens: Etwa so liest sich auch die ausführliche Biographie auf der Band-Homepage, das dürften teilweise echt besch... Jahre gewesen sein: Von ganz hoch, nach ganz tief (als Lektüre empfehlenswert).
So, soll ich denn nun noch was über die neue Platte berichten oder einfach festhalten, dass es zumindest bei mehr als der Hälfte der Songs eigentlich wieder klingt wie damals ohne schon gehört zu sein? Mir bereitet die Scheibe jedenfalls echte Freude. Da ist endlich wieder das Beklemmende, das Klingende, das Melancholische, das Trio, das und der Fyfe Ewing-ähnliche Drumspiel/-sound, das Schräge, das Anbiedernde, das Böse, der Zynismus, das Depressive, das Vertrackte, das Schmutzige, das Aggressive, das Wütende und natürlich das Schizophrene; da ist endlich wieder Therapy?.
Für die nächste Platte stellt sich mir nur eine Frage: Soll es in diesem Sinne weitergehen, oder wollt ihr den „Walk Through Darkness“ fortsetzen, den ich neben einigen anderen schwächeren aber dennoch tolerierbaren Songs als ganz fiesen Ausrutscher bezeichnen möchte? Dann Kameraden walkt ihr wohl wieder alleine durchs Dunkle!

Scheisse, das waren noch Zeiten, hicks und „I've Got Nothing To Do, But Hang Around And Get Screwed Up On You”!


Seit 28. April 2006 im Handel.

Anspieltipps:
Sprung, Unconsoled, Private Nobody, Heart Beat Hits
Trackliste: 1) Outro; 2) Spung; 3) Deluded Son; 4) Into The Light; 5) Lose It All; 6) Dopamine, Seratonine, Adrenaline; 7) Unconsoled; 8) Our White Noise; 9) Private Nobody; 10) Rain Hits Concrete; 11) Fear Of God; 12) Heart Beat Hits; 13) Walk Through Darkness
similar artists: tu’ mich schwer, hier was Adäquates zu finden, evtl. Hüsker Dü

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Andy Cairns (voc., guit.), Fyfe Ewing (drums) und Michael McKeegan (bass) gründen 1990 unter nachhaltigem Eindruck von Hüsker Dü die Band Therapy?. Die Nordiren ergattern bereits zwei Jahre nach Tag null einen Majorplattenvertrag (A&M Records). Die erste Major-Produktion „Nurse“ liess sogleich ahnen, was da noch kommen sollte. Zur MTV-Lieblingsband mutiert, veröffentlicht das Trio 1994 den Megaseller „Troublegum“. Therapy? waren innert kürzester Zeit in die oberste Rock-Liga aufgestiegen und überall sowie allzeit präsent. Den Platz in den höchsten Gefilden wussten sie mit „Infernal Love“ gekonnt zu halten. Doch der Ausstieg des charismatischen und Bandsound bestimmenden Drummers Fyfe Ewing in 1995 brachte das Bandkonstrukt erstmalig ins Wanken, denn zeitgleich schlossen A&M Records in England die Türen und auch Therapy? waren eine der vielen Bands, die schlicht und einfach aus dem von einer neuen Firma übernommenen Repertoire wegrationalisiert wurden. Zwar als gestärkter Vierer (zusätzlicher Gitarrist/Cellist) aber ohne Plattenvertrag verstrich kostbarste Zeit, bis endlich 1998 „Semi-Detached“ nachgeschoben werden konnte. Ab da schien es jedoch gewaltig gegen die Band zu laufen. Um sich selbst nicht ganz dem Overkill hingeben zu müssen, präsentierten Therapy? 1999 den grössten Fanspaltstock in Form einer CD, nämlich „Suicide Pact – You First“. So essentiell dieses Album war, um der Band ein Weiterbestehen zu ermöglichen, so destruktiv war es bezüglich Verkäufe und Fangemeinde. Heute gilt vorgenannte Scheibe als eine der Referenzen im Bereich Noise-Rock (Jahre später eben).
Das Viererteam Therapy? schien dann einige Zeit musikalisch leicht planlos, willkürlich vor sich her zu dümpeln; Plattenverträge verlieren, neue finden, eher indifferente Platten abliefern und 50% der Belegschaft zu feuern. Ein erstes erlösendes Aufhorchen seitens neuem Trio gab es dann 2004 mit der Veröffentlichung von „Never Apologise Never Explain“. Ein Weiteres im hiesigen 2006 mit „One Cure Fits All“, To Be Continued, hoffentlich.

therapy
Diskographie:
> Babyteeth (1991)
> Pleasure Death (1992)
> Nurse (1992)
> Troublegum (1994)
> Infernal Love (1995)
> Semi-Detached (1998)
> Suicide Pact – You First (1999)
> So Much For The Ten Year Plan (2000)
> Shameless (2001)
> High Anxiety (2003)
> Never Apologise Never Explain (2004)
> One Cure Fits All (2006)


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