„Tail Swallower and Dove“ ist im Gegensatz zum Vorgänger „Easter“ nur gut geworden, keine Tief- aber auch keine Überflieger.
Zugegeben, meine Erwartungen waren sehr hoch. Der Opener „Woolen Heirs“ weiss auch auf Anhieb zu überzeugen, mit sec gespieltem Schlagzeug-Groove, eigenständiger Gitarrenarbeit und einem experimentellen, ausgedehnten Mittelteil. Die eigenwillige Rhythmik, mit dem mehrstimmigen fast rituell anmutenden Gesang und die abgefahrene psychedelische Gitarrenarbeit untermalt mit elektronischem Beigemüse ist eine der Stellen auf dieser Scheibe, die zeigen, wozu TAAS fähig sind.
Durchs Band zu überzeugen weiss die Schlagzeugarbeit von Chris Common, der auch wie schon beim Vorgänger für die Produktion im heimischen Red Room Studio in Seattle zuständig war. Ob aus Betriebstaubheit oder gewollt, das Ergebnis beim neuen Album ist aus meiner Sicht deutlich schlechter: Es fehlt an Transparenz und an Durchschlagskraft. Desöfteren ertappe ich mich beim Hören, wie ich mir überlege, wie der Song klingen würde, wenn die Finessen besser zur Geltung kommen würden. Das Hauptproblem liegt im Mix, genauer im Bassbereich. Die Band verwendet durchaus mutig und in diesem Genre eher unüblich, diverse elektronische Effekte um den Klang zu verändern. Auf der Strecke bleiben dabei oft die klanglichen Details und damit auch die zündende Wirkung.
Als Album wirkt der dritte Longplayer zwar kompakt, aber zu Ungunsten der Vielfalt. Während auf „Easter“ oftmals erstaunte, wie vielfältig These Arms Are Snakes klingen, gibt es auf dem aktuellen Album auch Songs und Abschnitte, die uninspiriert arrangiert wirken („Prince Squid“, „Lucifer“). „Ethric Double“ ist ein weiterer gelungener Track, der mit treibenden Drums, stimmungsvollem cleanem Gitarrenthema und dem eindringlichen Gesang von Steve Snere beginnt. Nach dem zweiten Refrain ein überaschender Ausbruch. Brian Cooks knurrender Basssound bahnt sich vehement den Weg frei aus dem Lautsprecher. Der daraus entwickelte Instrumentalpart mündet in ein Riff, das erst gekonnt mit dem anfänglichen Gitarrenthema verknüpft wird und dann exzessiv im unbarmherzigsten Nackenbrechertempo bis zum Songende durchgezogen wird – sicher ein Kracher am Konzert.
War „Easter“ noch eine Ansammlung ungestümer Wut, mit vielfältigen und originellen Songs und Sounds ist „Tail Swallover and Dove“ eine Weiterentwicklung davon. Man hört deutlich, wieviel Arbeit darin steckt. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt das Album aber weniger aus dem Bauch, weniger frisch, stellenweise fast verkrampft. Eine Zangengeburt? Frustration und Verarbeitung der Schattenseiten des Lebens sind jedenfalls auch in den Texten allgegenwärtig. Mit eigenen Worten beschreibt die Band auf ihrer Myspace-Site das Grundfeeling treffend: „Four men with a chronic black cloud overhead.“
Wer es bewölkt mag, ist mit dem aktuellen Longplayer gut bedient, wem aber Sonne und Sturm willkommene Abwechslung sind, halte sich zum Kennenlernen an den Vorgänger „Easter“. Zu mehr als 7/10 Punkten reicht es für „Tail Swallower and Dove“ nicht. These Arms Are Snakes spielen übrigens am 29. Oktober im Abart in Zürich, Support sind Russian Circles.
Seit 10. Oktober 2008 im Handel.
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Anspieltipps:
> Woolen Heirs
> Ethric Double
Diskographie:
> This Is Meant to Hurt You, EP 2003
> Oxeneers or the Lion Sleeps When It’s Antelope Go Home, 2004
> Like A Virgin, Split EP with Harkonen, 2005
> Easter, 2006
> Tail Swallower and Dove
Ähnliche Künstler:
> Helms Alee
> Blood Brothers
> Since by Man