Das Weilheimer Projekt distanziert sich mit „Aelita“ von
Jazz-Experimenten früherer Tage und legt ein erwartet ästhetisches,
aber unerwartet langatmiges Album vor.
Das Tied + Tickled Trio geht mit „Aelita“ neue Wege und bedient sich dabei bewusst oder unbewusst der beliebten Weltraum-Metapher – auf zu neuen Planeten also. Drei mal verweisen die Instrumental-Musiker auf die sagenumwobene Aelita, die Mars-Königin aus dem gleichnamigen Roman des russischen Autors Alexej Tolstoi. Auch musikalisch verabschiedet sich die Band von ihrer heimischen Spielwiese, was sich insbesondere im Verschwinden der allseits geschätzten Jazz-Ästhetik äussert. Obschon den Deutschen mit „Aelita“ ein gewohnt stilvolles Album gelingt, ist man leider auch bei ihnen nicht vor negativen Überraschungen gefeit. Gleich der erste Song repräsentiert das Hauptproblem des Albums. Das dreiminütige „Aelita 1“ ist ca. zwei Minuten zu lang.
In den Songs werden Xylophon, Electronica-Gefrickel, Drums und Pianos nach und nach zu dichten Sounds verflochten. Der entscheidende Baustein wird manchmal erst dann eingebaut, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet. Im von Dub beeinflussten „Tamaghis“ erklingt die bereichernde Orgel erst nach fünf Minuten und damit zu spät. Auch im wohl besten Lied der Platte („Other Voices Other Rooms“) – die Horizont erweiternde Atmosphäre erinnert an The Album Leaf – kann die Spannung nicht über die gesamte Spielzeit gehalten werden.
Der Hörer schwebt während der fast 50 Minuten etwas orientierungslos im Raum. Für eine Reise zum Mars wäre „Aelita“ aber ein adäquater Soundtrack. Gerade wenn man am Ende des Trips von einer marsianischen Schönheit empfangen wird.
Ab 1. Juni 2007 im Handel.
Anspieltipps: Other Voices Other Rooms
Trackliste: 1) Aelita 1; 2) You Said Tomorrow Yesterday; 3) Tamaghis; 4) Aelita 2; 5) A Rocket Debris Cloud Drifts; 6) Chlebnikov; 7) Other Voices Other Rooms; 8) Aelita 3
similar artists: The Notwist, Lali Puna, Wise In Time,
Kruder & Dorfmeister, The Album Leaf
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Bio:
Das Tied & Tickled Trio wurde 1994 von Markus Acher und Casper Brandner als reines Schlagzeugduo gegründet. Später kam Andreas Gerth mit elektronischem Equipment und Micha Acher am Bass hinzu. Jedoch erst mit dem ebenfalls aus Weilheim stammenden Jazz-Saxophonisten Johannes Enders fand die Band zum Stil, der sie später bekannt machte. Die Band will mit ihrer Interpretation des Jazz nicht auf alten Dogmen verhaften, sondern sieht ihre Musik als Melting Pot verschiedener Einflüsse. 2001 erschien nach zwei Studio-Alben der Live-Mitschnitt „Electric Avenue Tapes“. Die positiven Erfahrungen, welche die Band dabei machte, veranlasste sie dazu, bei ihrem Nachfolgealbum vermehrt auf die Live-Aspekte ihrer Musik und das Intuitive des Jazz zu achten. Mit dem 2007 erneut auf MorrMusic erscheinende Werk „Aelita“ verabschiedet sich das Tied + Tickled Trio wieder von der Jazz-Ästhetik dieser Jahre.