Tom Brosseaus sechstes Album in drei Jahren ist eine
nächste Reise in die Vergangenheit amerikanischer Folkmusik. Die Songs
selbst schwanken zwischen zeitlos und langatmig.
Ein Mitbewohner fragte neulich nach der Songwriterin, die ich in letzter Zeit höre. Es war nicht einfach, ihn zu überzeugen, dass es sich bei der Songwriterin um einen Mann handelt, der Tom Brosseau heisst und gerade ein Album rausbringt, das „Cavalier“ heisst. Total abwegig ist sein Gedanke nicht, denn die Stimme Tom Brosseaus ist hoch und hat feminine Züge. Darüber hinaus singt Brosseau durch die Nase und auch mal mit Vibrato, was die Stimme zu einem (manchmal etwas zu penetranten) Charakteristikum macht. Gerade bei den reduziert arrangierten Songs, in welchen das Zusammenspiel von Gitarre und Gesang teilweise nicht so ganz zu klappen scheint. So oder so sind die instrumentell erweiterten Songs deutlich interessanter. Etwa das wundervolle „My Heart Belongs To The Sea“, dessen Piano-Klänge die entscheidenden Tupfer setzen.
Tom Brosseau macht es uns nicht einfach, seine Musik zu lieben. Beim Song „My Peggy Dear“ muss man zuerst über den biederen Songtitel hinwegkommen, bevor man das Lied gut finden kann. Bei aller Kritik ist Tom Brosseau zugute zu halten, dass seine Musik einzigartig und vor allem erfrischend anachronistisch klingt, so als würde sie auf alten Grammophonen gespielt und aus alten Lautsprechern dringen. Vergleiche zu Folk-, Soul- und Countrylegenden wie Woody Guthrie oder Leadbelly sind daher nicht unpassend. Vielleicht braucht man einfach ein bisschen Zeit, bis man sich auf die Vergangenheit eingestellt hat. Die Zukunft wird es zeigen.
Seit 22. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: My Heart Belongs To The Sea; Instructions To Meet The Devil
Trackliste: 1) Amory; 2) Brass Ring Blue; 3) Committed To Memory; 4) My Heart Belongs To The Sea; 5) Brand New Safe; 6) My Peggy Dear; 7) Street Wheels; 8) Young Bridge; 9) 2 Ships; 10) Dark Nature Places
similar artists: Damien Jurado, Iron & Wine, Woody Guthrie, Leadbelly,
Jeff Buckley
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Bio:
Tom Brosseau wurde in Grand Forks, North Dakota geboren. Er wuchs in einem musikbegeisterten Elternhaus auf, in welchem Instrumente die Wände tapezierten. Insbesondere das Talent der Grosseltern färbte ab; seine Grossmutter gab ihm Gitarrenunterricht, sein Grossvater spielte in einer Band und hatte eine grosse Plattensammlung. Nach dem College besuchte Tom Brosseau eine Musikschule. Mit der formalen Theorie konnte er aber nur wenig anfangen. Er brach das Studium ab und begann an Open Mic Sessions zu spielen. Er blieb nicht lange unentdeckt und wurde dem Musiker Gregory Page vorgestellt, der ihn förderte und mit welchem er auch später öfters zusammenarbeitete. Das neue und bereits sechste Album „Cavalier“ wurde von John Parish produziert.