Tom Russell ist vielleicht der beste Geschichtenerzähler der aktuellen Musik Amerikas. Seit mehr als 20 Jahren veröffentlicht er regelmässig Alben, doch keines ist ihm so gut gelungen wie sein neuster Wurf.
Kenner seiner früheren Alben sprechen davon, wie auf “Blood and Candle Smoke“ gleich einiges anders sei, wie sich Tom Russell hier deutlich weiterentwickelte, nachdem er mit den letzten Alben auf hohem Niveau stillstand. Im Frühling spielte er dieses neue Album in den Wave Lab Studios in Tucson AZ ein, dem Studio von Calexico. Diese wirkten schliesslich auch kräftig mit. Ganz zum Glück und Gelingen dieses neuen Albums.
Einflüsse sind unüberhörbar: “Nina Simone“ ist eine Hommage im Walzerkleid, mit spanischer Gitarre und mexikanischer Trompete und einem alles in ein noch viel schöneres Licht tauchendes Akkordeon. Würde anstelle von Joey Burns dünner Stimme hier nicht der kräftige Bariton Russels erklingen, könnte man auch meinen, den besten Song von Calexico in diesem Jahrtausend gehört zu haben.
„Blood And Candle Smoke“ ist sowohl musikalisch wie auch textlich ein Album von grossem Reichtum. Wie das Gesicht eines hundertjährigen Menschen sind auch diese zwölf Songs von einem reichen Leben gezeichnet, von den Erlebnissen während der Jugendjahre in Afrika bis zu den Jahren in einem verloren gegangenen Süden der Vereinigten Staaten: erlernte Wissenschaften, einsame Reisen und gelebte Poesie spiegeln sich in den Zeilen wieder.
“Crimonology“ ist ein Stück Autobiographie, eines der Hightlights des Albums dazu. Irgendwie könnte dies auch von den Berlinern Element of Crime sein, so frappierend sind die Ähnlichkeiten, selbst die Zeilen weisen einen ähnlichen Charme auf. “I know a little bit about a lot of things“ – es gesellen sich dezent Reggae und westafrikanische Elemente hinzu, perfekt harmonisierend mit den staubigen Desert-Country- und Blues-Klängen, die das Album charakterisieren.
Nach der ersten Hälfte wandelt sich der Charakter des Albums, die unterschwellige Melancholie in den vorigen Stücken nimmt Überhand, die balladesken Songs werden sich musikalisch immer ähnlicher. Tut der Qualität des Gebotenen keinen Abbruch, braucht aber einige Durchgänge mehr und aufmerksameres Hinhören, um seine Reize auch wirklich zu entfalten.
Diese tiefe Stimme aber, die einen besänftigten Tom Waits oder vor allem auch Johnny Cash in Erinnerung rufen, trifft immer direkt und auf schnellstem Wege ins Herz.
Seit 15. September 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> East Of Woodstock, West Of Viet Nam
> Nina Simone
> Crimonology
> Guadalupe
> Darkness Visible
Diskographie:
> Ring Of Bone (1976)
> Wax Museum (1978)
> Heart on a Sleeve (1984)
> Road to Bayamon (1987)
> Poor Man's Dream (1989)
> Hurricane Season (1991)
> Cowboy Real (1991)
> Box of Visions (1993)
> Hillbilly Voodoo (1993)
> Cowboy Mambo (1994)
> The Rose of the San Joaquin (1995)
> The Long Way Around (1997)
> Song of the West (1997)
> The Man from God Knows Where (1999)
> Borderland (2001)
> Museum of Memories (2002)
> Modern Art (2003)
> Indians Cowboys Horses Dogs (2004)
> Hotwalker (2005)
> Raw Vision 1984-1994 (2005)
> Love and Fear (2006)
> The Wounded Heart of America (2007)
> One To The Heart, One To The Head (2009)
> Blood and Candle Smoke (2009)
Ähnliche Künstler:
> Calexico
> Guy Clark
> Steve Earle
> Townes Van Zandt
> Kevin Gordon