1988 überwältigten mich Anthrax mit ihrer Single "Indians".
Wenig bekümmert um die blutige Staatengründung – ausgetragen von aus
Europa ausgewanderten Unsereinsen – gefiel mir ganz einfach der Song an
und für sich. Kritische Texte zählten zu der Zeit weit weniger, als
anderes in meinem Leben. Tomahawk tun 2007 ähnliches wie Anthrax, nur
gerade viel umfassender...
"Anonymus" lässt uns an nativem, amerikanischem Liedgut des späten 19. Jahrhunderts teilhaben. Duane Denison (Gitarre und Bass; Ex-Jesus Lizard) – der eigentliche Kopf von Tomahawk – bekam irgendwann eine Niederschrift anonymer, indianischer Lieder in die Hände und beschloss – ausgehend von diesen originären Melodien und Sounds als Fundament – eine neue Tomahawk-Platte darauf zu bauen, hugh!
Zusammen mit John Stanier (Schlagzeug und Perkussion; Ex-Helmet) arrangierte er das Werk und nahm in Nashville Gitarren, Bässe, Drums und Perkussionen auf. Später peepte Tom bzw. Musik-Zampano Mike Patton in San Francisco "Gesang" und Samples drauf (etwas flau die Arbeit des Pattons) – und fertig war das Neuzeit-Relikt. Band-Arbeit anno 2007...Wenigstens erklärt das, wie und warum gewisse Leute in 1'001 Projekten mittun können und/aber trotz allem noch Zeit zum Rasenmähen haben, nicht?
Nun zum eigentlichen Resultat. Etwas sehr Einzigartiges ist es ganz sicher, allenfalls auch wertvoll und künstlerisch oder künstlerisch wertvoll?! Mir verwehrt die Platte jedoch irgendwie den (totalen) Zugang – nein, sie hält mich sogar verdammt was von sich fern. Wenn schon solche Musik, dann lieber ohne diesen schweren, geschichtlichen – man muss doch sagen wichtigen – Hintergrund. Für derlei Sachen stehen irgendwie Fantomas bereit: Vertracktes mit Konzept – vertracktes Konzept!
Ob gut oder schlecht, ich kann's nicht sagen; habe mich nun lange genug davor gedrückt, überhaupt über "Anonymus" zu schreiben. Ich bin nicht fähig, adäquat zu beurteilen, was dieses Album ist, will und soll oder muss.
Ganz einfach vollkommen unfähig, eine (Be)Wertung abzugeben; nicht in der Lage euch ab- oder zuzuraten; überfordert etwa? Oder doch nur zu mutlos, um zu sagen, dass das hier niemand braucht? Allenfalls aber dann doch wieder zu integer (wenigstens)? Könnte ja einfach – wie einige viele andere, wie ich dann doch wieder keck vermute – rausposaunen: Ja!!!! Das ist die absolute, unerreichte Spitzenklasse (der heisseste Scheiss), wobei kaum viele Hörer/Käufer in der Lage sein dürften, dies zu merken.
Nein, nein, ich weiss es schlicht nicht, hoffnungs- und dazu noch ganz schön ahnungslos, der ich bin.
Ein wehmütiger Tropf, ein Wehmutstropfen bin ich: Tomahawk liebte ich doch gerade eben für ihre letzten beiden Alben. Diese enthalten "einfach" nur besonders gute, frische Rockmusik – Duane Denison pur halt. Den Gitarristen sei's gegönnt.
"…The Cat's In The Bag And The Bag's In The River…(Tomahawk "Laredo")
Seit 19. Juni 2007 im Handel.
Anspieltipps: Antelope Ceremony, Ghost Song
Trackliste: 1) War Song; 2) Mescal Rite 1; 3) Ghost Dancer; 4) Red Fox; 5) Cradle Song; 6) Antelope Ceremony; 7) Song Of Victory; 8) Omaha Dance; 9) Sun Dance; 10) Mescal Rite 2; 11) Totem; 12) Crow Dance; 13) Long, Long Weary Day
similar artists: Fantomas, Mr. Bungle
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Bio:
Die Rock'n'Roll-Super Group Tomahawk haben Ex-Jesus Lizard-Gitarrist Duane Denison und Ex-Faith No More-Sänger Mike Patton im Jahre 2000 auf die Beine gestellt. Das Line-Up ergänzten sie mit Ex-Helmet-Drummer John Stanier und dem aktuellen Melvins-Bassisten Kevin Rutmanis. Ihr unbetiteltes Debut lancierten Sie in 2001 – aus heutiger Sicht ein Meilenstein (solider Rock mit Überraschungsmomenten und Breaks). Die Tour 2002 manifestiert das handwerkliche Geschick der Band eindrücklich.
2003 erscheint der von Joe Barresi (u.a. QOTSA, Kyuss) produzierte Nachfolger "Mit Gas". Musikalisch ganz in der Manier des Vorgängers, soundtechnisch näher denn je an den jüngst vergangenen Faith No More-Sachen.
Aufgrund der chronischen Viel- bis Überbeschäftigung Pattons dauert es gute vier Jahre, bis mit "Anonymus" Album Nr. 3 vorliegt (ohne Rutmanis) – ein Konzeptalbum basierend auf vergessener Indianermusik des späten 19. Jahrhunderts. Ein Stilbruch, ein Neuanfang oder das Ende?