Genre: Funk, Dance, House, Downbeat | Label: Carpark Records (namskeio) | Unsere Wertung: 7.5/10
It’s Up To You!
Chillwave war dank Medienrummel und Schubladendenken das Trendgenre 2010. Und natürlich will ein Jahr später niemand mehr etwas damit zu tun haben. Auch Toro Y Moi nicht. Chazwick Bundick ist seit einiger Zeit viel zu sehr mit dem Wackeln der Hüfte beschäftigt.
Zwar verwendet kaum einer der einstigen Aushängeschilder des Genres mehr die typischen verwaschenen Lo-Fi-Klänge und billigen Synthesizer, aber Neon Indian, Washed Out, Twin Sister und Toro Y Moi sind noch alle da und erfolgreicher denn je. Alle, die behauptet hatten, dass die „Chillwave“-Bands bald von der Bildfläche verschwunden werden seien, wurden Lügen gestraft. Das mag daran liegen, dass die meisten dieser Bands sich gar nicht einem Genre namens „Chillwave“ zugehörig fühlten und mit dem Etikett zu kämpfen hatten. Doch das ist nun Vergangenheit.
Auch Toro Y Moi hat sich mittlerweile von diesem Etikett emanzipiert. Dass Toro Y Moi weiss, was „Funk“ bedeutet, hat er mit seinem zweiten überraschenden Langspieler „Underneath The Pine“, der früher dieses Jahr erschienen ist, bereits bewiesen. Daher ist nun diese EP nicht mehr die grosse Überraschung, aber ein Indiz dafür, dass Bundick seinen Stil gefunden hat.
„Freaking Out“ klingt als hätte sich Chazwick Bundick, der Kopf hinter dem Projekt, den Imperativ hinter Chic’s Überhymne „Le Freak“ zum Vorbild genommen. Freak Out! Die Melancholie aus der ersten Platte hat Bundick anderen überlassen und setzt mit seinen fünf neuen Tracks auf die ganze Bandbreite der Dance Music.
Die Pop- und Discomusik der End-70er- und 80er-Jahre sind im Hintergrund immer allgegenwärtig. „Saturday Love“, ein Cover von Alexander O’Neal & Cherelle, erinnert an Paul Hardcastle’s Überraschungshit „19“, allerdings ohne dessen sozialkritische Botschaft. „All Alone“ besticht mit einer 90er-R&B-Hook, die vor ein paar Jahren noch als höchst schmalzig bezeichnet worden wäre, aber durch Leute wie The-Dream oder The Weeknd wieder salonfähig gemacht wurde. Sogar französischer House der Nullerjahre in seiner poppigsten Inkarnation eines Modjo („Lady (Hear Me Tonight“)) findet in „I Can Get Love“ seinen Platz. Und das stört nicht einmal. Oder besser gesagt, es funktioniert prima. Es funktioniert prima, weil Bundick nicht bloss seine Vorbilder kopiert, sondern sie ableitet, abwandelt, verfremdet und mit zeitgenössischen Entwürfen aller möglichen tanzbaren Musiken paart. Mit jenen von Chromeo, Mayer Hawthorne, J Dilla und
Flying Lotus zum Beispiel.
In einem Interveiw verkündete Bundick, dass es nichts Schöneres gäbe, als Menschen an Konzerten zum Tanzen bringen zu können. Das gelingt Toro Y Moi inzwischen perfekt und das wird hoffentlich noch lange so bleiben.
Und aus den Boxen dringt aus der Ferne: „Listen to us, I'm sure you'll be amazed. Big fun to be had by everyone.
It's up to you!“
Seit 13. September 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Freaking Out
> I Can Get Love
Ähnliche Künstler:
> Bootsy Collins
> Paul Hardcastle
> Chromeo
> Chic
> Modjo
> George Clinton
> Baths
> Hudson Mohawke
> Memory Tapes
Diskographie:
> Left Alone at Night EP (2009)
> Body Angles EP (2009)
> Causers of This (2010)
> Underneath the Pine (2011)
> Freaking Out EP (2011)