Genre: Indie-Wave | Label: Rough Trade/Assembly Line (Community) | Unsere Wertung: 7.5/10
Jüngstes Gericht oder alter Hut?
Mit diesem Album verhält es sich ein wenig wie mit einer okkulten Sekte,
die auf das nahende Ende der Welt wartet. Das Datum der angeblichen
Apokalypse kommt, und was geschieht? Der Himmel ist blau und die Vögel
fliegen immer noch!
Zugegebenermaßen, die Vögel, die hier durch die Lüfte flattern sind eher Raben als Papageien, und die eine oder andere Wolke zieht auch auf. Aber das ist nichts gegen die Ankündigungen, die im Vorfeld zu „We“ verbreitet wurden. Da steht von einer „rabenschwarzen Zukunft“ und einer „ausgewischten und leeren Welt“ geschrieben, aber beim ersten Umlauf sieht das alles eher nach recht buntem Indie-Wave aus als nach getragener Finsternis.
Abgesehen von diesem kleinen Fauxpas mit der Verortung des eigenen Werkes ist dieses aber größtenteils überzeugend geworden. Nach mehrmaligem Hören fällt einem auch ab und zu auf, dass die Schweden ihr Album als „apokalyptisches Epos“ geplant haben könnten, wie es im Promo-Text steht. Denn Andreas Hogbys pathetische, aber teilweise etwas eindimensionale Stimme erinnert an Patrick Wolf, auch wenn der das etwas besser kann. Außerdem stehen da so schwer zugängliche Brocken wie die zähflüssige Ballade „Worth the wait“, die einem mit sehr spärlicher Untermalung wirklich die Luft abschneidet. Torpedo bedienen sich hier von Zeit zu Zeit auch gerne mal fremder Stilmittel: So werden viele Lieder, besonders der episch lange Eingangssong „Dystopia“, durch typische Wave-Keyboards aufgehübscht, die sehr an die Simple Minds oder auch an Kraftwerk erinnern. Eine Reminiszenz an Patrick Wolfs
„The Bachelor“ ist auch „Hovering Vultures“, das eine entspanntere Variante der Haken schlagenden Beatcollagen verwendet, die Alec Empire für Wolfs Album erstellt hat. An „Crystal Patterns“ hat dann ausgerechnet Justin Timberlake mitgeschrieben, der mittlerweile anscheinend ein Freund der Band geworden ist.
Trotz der teilweise experimentellen Klänge erschließt sich „We“ ziemlich schnell und bietet auch vielerorts eingängige Melodien. Die schöne Single „Waiting for the Fall“ beispielsweise mischt erhebende Weltmusikeinflüsse und seichte Beats zu einem wahren Hit. Viele Songs haben deutlich erkennbare, auf Eingängigkeit bedachte Refrains, was manchmal allerdings zu geplant wirkt. Da hätten Torpedo vielleicht etwas mehr auf Atmosphäre setzen sollen.
Wenn dieses Album auch oft zwischen den Extremen Progressivität und Schlichtheit pendelt, ist es für Hörer, die sich auf so etwas einlassen können, sicher empfehlenswert. Weil es nämlich unterhaltsam ist und man jederzeit merkt, dass Torpedo ihre Musik wichtig ist. Nicht zuletzt sieht man das auch am sehr professionellen Artwork.
Zum Schluss ein Blick aus dem Fenster. Scheint die Sonne noch? Ja. Noch ist es nicht soweit, auch wenn Torpedo es gerne verkünden wollen: Noch ist die Welt nicht untergegangen.
Seit 22. April 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Dystopia
> Waiting for the Fall
Diskographie:
> In the Assembly Line (2008)
> We (2011)
Ähnliche Künstler:
> Simple Minds
> Patrick Wolf
> Depeche Mode