Dreimal in einer Stunde kann man sich „Parting the Sea Between Brightness and Me“ anhören. Das Motto dabei: „That’s me up there, that’s me: Repetition“.
Bevor sich das zweite Album von Touché Amoré die Sporen gibt, zappelt der Köder noch kurz am Haken. Danach erzählt Jeremy Bolm von sich. Etwas mehr als 20 Minuten hat er Zeit. Für eine einzige Geschichte reichen manchmal sogar gut 60 Sekunden aus, was vermuten lassen könnte, dass Touché Amoré sie einem in den Magen prügeln. Hau drauf und los. Geht aber auch anders, wird sich die Band aus Kalifornien gedacht haben und wer das Textbuch aus der Hand gibt, hat kaum den Anfang verpasst, schon beginnt der zweite Hördurchlauf. Knackig werden die einen sagen, kompakt die anderen. Wir entscheiden uns für: dicht. Die Nuancen flitzen an einem vorbei, so dass man sich eine Zeitlupe wünscht. Anstelle versteckter Tätlichkeiten findet man die wahre Kunst dieses Albums. Es ist die Sprache, sei sie auch geschrien.
Bolm benutzt sie ganz hervorragend. „I got my hands behind my back/ With two fingers overlapped/ Because I can never keep my word“, heisst es im Opener. Sinnbild für dieses Album? Von wegen. Touché Amoré halten nicht hinterm Berg, sondern suchen die offene und ehrliche Flucht nach vorne. „I rely on exit signs/ And destination times“. Und wenn sie gehen, dann gehen sie schnell. Man bekommt den Eindruck, als wolle hier jemand nur kurz hereinschneien, um gleich wieder aus den Köpfen zu verschwinden. Ja keine Bindung aufkommen lassen und die Augen auf den Boden. Dabei verrät Bolm in 20 Minuten mehr als andere über drei Platten hinweg. Die Songs bleiben kaum hängen, zu kurz und zu intensiv sind sie. Es ist ein in Herzblut getränkter roter Faden. Alleine der grossartige Text von „The Great Repetition“ liest sich wie ein Amoklauf mit erweitertem Suizid. Magenschmerzen sind immer wieder ein Thema, von grossen Augen verursacht, weil diese zu viel sehen. Reizüberflutung.
Die Ich-Figur zerfleischt sich in Selbstkritik und Selbstzweifel. Die zerbrechliche Verbindung zwischen Musik und Hörer droht unter dem Druck zu brechen („There is weight in the words we’ve said/ Too heavy to carry in our heads”). Bolm beschuldigt sich dabei, selbstsüchtig zu sein. Teenager-Gedanken, verpackt in kurzmöglichsten Hardcore. Natürlich könnte man hier den Vorwurf einbringen, diese ungeheure Bezogenheit auf die eigenen Emotionen sei egozentrisch. Aber allen unheilvollen Andeutungen zum Trotz, teilt Bolm das alles wenigstens mit uns – in einer Weise, die man nur zu gut nachvollziehen kann. Die dunkle Seite des Menschen, im schlechtesten Licht der Eigenwahrnehmung. „To look up to me/ Is to look down on everything“. Das sitzt.
Seit 07. Juni 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Pathfinder
> Sesame
> Home Away from Here
Diskographie:
> …To the Beat of a Dead Horse (2009)
> Parting the Sea Between Brightness and Me (2011)
Ähnliche Künstler:
> Fucked Up
> Minor Threat