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Trans Siberian Orchestra - Night Castle

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von Simon Grünig am Donnerstag, 31. März 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Rock meets Classic  |  Label: Tonpool (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 8.5/10

Night CastleVon Geigen und Gitarren
In den Staaten ein Phänomen, hierzulande – leider – nur gering beachtet: das Trans Siberian Orchestra; kurz TSO. Entsprungen im Jahre 1995 ist das Rockorchester als üppiges Nebenprojekt der heute aufgelösten Metal-Band Savatage. Ehre, wem Ehre gebührt: „Ladies and Gentlemen“…

Gross, grösser, TSO: rund 60 Instrumentalisten (zwei Ensembles für je US-Ost- und Westküste), über sieben Millionen verkaufte Tonträger, Platinstatus, zahlreiche ausverkaufte Hallen, imponierende Bühnen- und Lichtshows, und weitere Superlative. Das ist TSO. Damals rein zufällig von Jon Oliva, Paul O'Neill und Bob Kinkel ins Leben gerufen: dies, weil der epochale Instrumental-Song „Christmas Eve“ vom Savatage-Album „Dead Winter Dead“ überraschend bei etlichen Radiosendern seine Popularität entlarvt. Die Plattenfirma von Savatage erkannte blitzartig ein Potential dieser orchestralen Rockmusik und bat Savatage prompt an, ein komplettes Album mit vorgegebener Weihnachtsthematik zu veröffentlichen. Savatage willigte ein, aufgrund der stilistischen Differenz jedoch entschied die Band das Album unter anderem Namen – deshalb TSO – herauszubringen.

Savatage im Ausverkauf? Obligat, doch nicht ganz verständlich, das beinharte Anhänger ihrer Band – Savatage – die kommerziell erfolgreiche Arbeit von TSO tendenziell ablehnen. Teilweise gar zur weihnachtlichen – wegen den Konzeptalben – Geldmaschinerie, oder Guillotine von Savatage anprangern. Fakt ist, das Kapitel Savatage scheint endgültig versiegelt. Jammerschade. Doch bietet sich hier mit dem TSO schliesslich eine Alternative mit denselben Machern anno dazumal.

Schnörkellos, wuchtig und mit viel Liebe zum Detail präsentieren die kreativen Köpfe bombastischen Rock mit Drift zum Broadway-Musical. Ebenso Blues-, Jazz- und Soul-Einflüsse gastieren hörbar. All diese Errungenschaften finden wir auf dem taufrischen Album „Night Castle“ wieder. Fernab von Weihnachten. Waschechter Hardrock des Gitarrenzweier Pitrelli-Carrery harmoniert majestätisch zum Klassikgewand. Leibhaftig im Evergreen „Toccata - Carpimus Noctem“. Und wer gut hinhört, erkennt nicht nur in diesem Song die versteckten, doch weltberühmten Klassiksonaten antiker Komponisten. Apropos versteckt: partiell entschleiern sich ebenso Savatage-Fragmente (deutlich in: „The Mountain“ oder „Mozart and Memories“). „Sparks“, kurios, aber als treibender Rocker mit Gast-Goldkehlchen Tim Hockenberry der diskrete Höhepunkt auf der Doppel-CD. Neben Jeff Scott Soto, wohl der Populärste, intonieren reihenweise Gastsänger aus der Rock- und Opernliga bei TSO. Jede Stimme verleiht den Songs deren gefühlvollen Charakter. Auffallend auch, dass im Vergleich zu einstigen Alben das Klavier den Neuling erobert hat.

Eine grossartige Nachtmusik mit Charme: „Night Castle“ gewinnt unsere Ohren im Nu. Gespickt mit kunterbunten Facetten, einer Prise körnigem Kitsch und 28 Fabelsongs erleuchtet „Night Castle“ zum epischen Ehrenmahl dieses Genres, weckt Emotionen und verleitet zum meat’loafschen träumen. Andersrum. Schliesse die Augen und stelle dir vor: Bach wirbelt am Schlagzeug, Beethoven soliert auf seiner E-Gitarre, während Vivaldi den Bass zupft und Mozart in die Tasten haut. Saustark.

Seit 18. Februar 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Sparks
> Mozart and Memories
> Toccata - Carpimus Noctem
> The Lion's Roar
> Moonlight and Madness

Diskographie:
> Christmas Eve and Other Stories (1996)
> The Christmas Attic (1998)
> Beethoven's Last Night (2000)
> The Ghost of Christmas Eve (2001)
> The Lost Christmas Eve (2004)
> The Trans-Siberian Orchestra (2007)
> Night Castle (2009)

Ähnliche Künstler:
> Savatage
> Jon Oliva’s Pain
> Chris Caffery
> Circle II Circle
> Meat Loaf
> Avantasia
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