Turner – Slow Abuse (2005) |
|
|
| von Ivana Leiseder am Montag, 12. September 2005 in Neuerscheinungen | |
|
Genre: Folktronica Label: Mute CH-Vertrieb: Musikvertrieb Unsere Wertung: ![]() SchlaftabletteDer Name des zu besprechenden Interpreten verleitet zu Assoziationen mit Malern aus der Romantik, aber mit dem Gottvater des Impressionismus J.M.W. Turner hat dieser Turner hier leider herzlich wenig zu tun. Kein zauberhaftes, vertontes Licht- und Schattenspiel bestimmt nämlich das Geschehen, nein, vielmehr lautet die minimalistische Devise: Pling, pling, zupf, zupf, dräng, dräng, ahh, uuh. Ein bisschen Glockenspiel und scheues Gitarrengezupfe hier, monotone Akkorde, desinteressiertes Piano und pedantisch genau dosierte Electronica da. Dazu eine gequälte und in ihren Möglichkeiten eingeschränkte Stimme, die sich – wie die Instrumente oder das Laptopgebräu - einer Todesqual gleich stets laaa-a-a-aaangsam wiederholt: „Coronary, coronary, coronary, coronary.“ Aha. Wenn man nicht in repetitive Wortanhäufung verfällt, bemüht man sich um bedeutungsvoll poetische Botschaften, wie z.B.: „I am autumn and you are spring. We met through winter, though summer came within.“ Ui, ui, ui. Und was will uns Onkel Paul genau damit sagen? Wir wissen es nicht und wollen es auch nicht wissen. Zusammen mit oben genannter Instrumentierung ergibt sich eine – mit Verlaub – langweilige, einschläfernde Tinktur, die in Zeitlupentempo vor sich hin blubbert und aufgrund fehlender Aktion, sehr einfach gestrickter Konsistenz und offensichtlich bemühter Sinnigkeit schlicht nicht zu zünden vermag, ja mit der Weile gar an den Nerven zu zerren beginnt. Sehr viele Bands/Musiker widmen sich bekanntlich und erfolgreich (!) der minimalistischen, elektronisch angehauchten (Pop)musik, aber bei Turner entfaltet das sehr zurückhaltende, zuweilen banale Soundgemisch leider nur selten seine Wirkung. Nur für wenige nette Augenblicke lang schwebt man gedankenverloren über leuchtende Landschaften (so z.B. auf dem hübsch deprimierenden „You Love Sorrow“ oder dem dramatischen „Hiding You“) und wünschte sich, sie würden doch verweilen. Genau wie bei Faust tun sie’s aber nicht. Da wenden wir uns doch lieber wieder der Malerei zu. Ab 19. September 2005 im Handel. Anspieltipps: You Love Sorrow; Hiding You Trackliste: 1) You Love Sorrow; 2) Irritated; 3) She Was Sent; 4) When Will We Leave; 5) Hiding You; 6) Slow Abuse; 7) Affection; 8) I Am Autumn; 9) So Do I; 10) Coronary similar artists: Hood, Patrick Wolf, Four Tet, Broken Spindles, The Notwist, Engineers > Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Paul Kominek aka Turner wurde 1978 in Polen geboren, wuchs aber in Frankfurt auf. 1998 veröffentlichte er seine erste Single „Imschwung“, auf die weitere Singles und vier Alben folgten. Turner ist nebst seinem eigenen musikalischen Schaffen bekannt für seine Remixe für Grössen wie z.B. Tocotronic und ist Gründungsmitglied des Dial-Labels, wo er als Pavel Minimalmusik veröffentlicht. Auch als Filmmusikkomponist hat er sich indessen einen Namen gemacht. Diskographie: > Lukin Orgel (1998) > Disappearing Brother (2000) > A Pack Of Lies (2002) > Slow Abuse (2005)
» Noch keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich. |
| < Zurück | Weiter > |
|---|





