Die Two Gallants tun auf ihrem neuen Album das, was sie
am besten können: Sie nehmen den Kummer an der Hand und wandern mit ihm
durch die Wüste des menschlichen Seins.
Eine fragile E-Gitarre umfängt die bittersüsse Mundharmonika, schleppende Drums legen sich wie ein weicher Teppich darunter, „If ever I can love myself/then I’ll stop loving you“ singen die Two Gallants in schiefer Zweistimmigkeit und führen uns mit „Ribbons Round My Tongue“ einmal mehr vor Augen, worin die Stärke des Duos liegt: Intentionierte Imperfektion trifft auf Aufmerksamkeit fürs Detail, unendlich traurige Melodien und Lyrics auf ekstatische Drums.
Nach der etwas enttäuschenden EP diesen Sommers scheinen die Two Gallants dasjenige Element, das sie neben dem Country und dem Blues letztendlich einzigartig macht, wiedergefunden zu haben: den Punk. Der manifestiert sich nicht nur im erstmaligen Einsatz von E-Gitarren, sondern wie im Opener „The Deader“ in herzzerreissenden Vokal-Ausbrüchen. Da singt der leiderprobte Adam Stephens „the girl I love is oh so/oh so far away“, während Tyson Vogel sich seinen ganzen Kummer von der Seele zu trommeln scheint. Kommt der Schlussakkord und man will nichts lieber, als den Arm um die beiden zu legen und zu versichern, dass bestimmt alles gut kommt.
Im Grossen und Ganzen kommen die neun Songs kürzer und kompakter daher, da sind keine neunminütigen Eskapaden zu hören, aber Songs, die wie „The Deader“ innerhalb ihrer Struktur zahlreiche Lautstärke- und Tempivariationen verzeichnen und die Spannung so erhalten. Dass das Album nicht an allzu exzessiv zelebrierter Melancholie zerbricht, liegt unter anderem an der intelligent arrangierten Songfolge. So folgt auf das mit rührseligen Streichern untermalte „Trembling Of The Rose“ ein wütender Adam Stephens, der in „Reflections Of A Marionette“ seinem Darling den Niedergang wünscht.
Die Two Gallants haben zu ihrer früheren Stärke zurückgefunden und hinterlassen mit ihrem selbstbetitelten Album allen Melancholikern ein weiteres Stück Musik, das zwar nicht zwangsläufig Linderung, bestimmt aber ein Gefühl des Verstandenseins vermittelt.
Seit 21. September 2007 im Handel
Anspieltipps: The Deader, The Hand That Held Me Down, Ribbons Round My Tongue
Trackliste: 1) The Deader; 2) Miss Meri; 3) The Hand That Held Me Down; 4) Trembling of the Rose; 5) Reflections of the Marionette; 6) Ribbons Round My Tongue; 7) Despite What You’ve Been Told; 8) Fly Low Carrion Crow; 9) My Baby’s Gone
similar artists: Bright Eyes,
Bob Dylan, White Stripes
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Bio:
Adam Stephens (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) und Tyson Vogel (Schlagzeug, Gesang) kennen sich seit einer Rauferei im Kindergarten und musizieren zusammen, seit sie 12 sind. 2002 gründeten sie die Band Two Gallants, benannt nach einer Kurzgeschichte von James Joyce. 2004 veröffentlichten sie mit einigem Erfolg ihr Debütalbum „The Throes“, dem 2006 beim Bright Eyes-Label Saddle Creek das zweite Album „What The Toll Tells“ folgte. Nach vielen Konzerten, auch in Europa, und der EP „The Scenery of Farewell“ folgte Ende September 2007 ihre selbstbetitelte LP.