Die Two Gallants entstammen der ehemaligen
Hippie-Kommune San Francisco. Darauf hätte kaum einer auch nur einen
falschen Zwanziger verwettet. Beim Hören ihres Zweitwerks und der
Stimme von Leadsänger Adam Stevens denkt man eher an die Prärien
Nebraskas, der Heimat ihres neuen Labels - Saddle Creek. Wo wir gerade
am Ufer des Saddle Creek sind, ist auch der gute Conor Oberst nicht
weit. Würde dieser seine Stimme mit Whiskey statt mit Lambrusco ölen,
ja dann müsste man sich fragen: who the bloody hell is who?
Der Opener „Las Cruces Jail“ versetzt uns in eine Zeit zurück, in der
man sich glücklich schätzen durfte, wenn einem in einer Kneipe „nur“
eine Schnaps-Flasche über den Schädel gezogen wurde. Ärmer dran waren
diejenigen, welche hinterrücks niedergebolzt wurden.
Rollende Wüstenbüsche statt Orangenbäume also. Der pfeifende Wind
verbreitet die Intro-Melodie über einem verschlafenen Nest. Auf einer
Veranda sitzt ein kleiner Mariachi, der an seiner Gitarre zupft. Die
Ruhe vor dem...? Sturm, genau. Plötzlich rockt und rollt es, dass
Fäuste fliegen, Beine brechen und so weiter und sofort. Man darf aber
nicht den Fehler machen, die Two Gallants auf eine Haus-Band einer
Western-Spelunke zu reduzieren. Das wäre vollkommen falsch und
ungerecht dazu. Das Duo klingt selten nach Saufgelagen. Ihre
Musik ist oft zurückgenommen, folkig. In der heissen Atmosphäre von
„What The Toll Tells“ verschmelzen unter anderem Country und Punk, Folk
und Rock`n`Roll. Das Ergebnis ist vor allem bei den drei fast
zehnminütigen Songs beeindruckend. Der spröde Klang und die brüchigen
bis wütig rockenden Arrangements machen das Album zwar charmant, aber
auch zu einer Stimmungsplatte. In einem falschen Moment kann sie
ziemlich anstrengend sein.
Die Endnote „Waves Of Grain“ ist ebenso episch wie apokalyptisch.
Sänger Adam Stevens fleht (oder besser krächzt) den Himmel wörtlich um
Regen an. Ja, Wasser, das wünscht man ihm. Und zwar eimerweise. Doch
eigentlich wettert Stephens vor allem über Gott und die verdorbene
Welt: „But what when all your fields are rotten, your waves of
grain, amber waves of grain? And you hide the dead while my friends
head to die in your name.” Die Two Gallants spielen uns ein Lied vom
Tod. Und was für eins!
Seit 13. Februar 2006 im Handel.
Anspieltipps: Threnody; Waves Of Grain
Trackliste: 1) Las Cruces Jail; 2) Steady Rollin’; 3) Some
Slender Rest; 4) Long Summer Day; 5) The Prodigal Son; 6) Threnody; 7)
16th St. Dozens 8) Age Of Assassins; 9) Waves Of Grain
similar artists: Okkervil River,
Bright Eyes, The Good Life, Cursive, White Stripes, Bob Dylan
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Bio:
Die Two Gallants sind die Kalifornier Adam Stephens und Tyson Vogel. In
San Francisco beginnen sie 2002 live zu performen. Vorerst auf den
Strassen eines Künstlerviertels. Von Zeit zu Zeit werden ihre Reisen
immer länger. Die Kalifornier touren unter anderem mit den
Decemberists. Ihr Debut-Album „The Throes“ macht sie beidseits des
grossen Teichs zumindest einem kleineren Publikum bekannt. „What The
Toll Tells“ wird mit Scott Walker (Mountain Goats, Spoon) im Tiny
Telephones-Studio in San Francisco aufgenommen und auf dem Saddle Creek
Label (Bright Eyes, The Good Life, Criteria) aus Omaha veröffentlicht.
Diskographie:
> The Throes (2004)
> What The Toll Tells (2006)