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Two Gallants – What The Toll Tells (2006)

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von Florentin Jäggi am Montag, 20. März 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Country, Folk, Rock ‘n’ Roll
Label: Saddle Creek
CH-Vertrieb: Irascible
Unsere Wertung:Two Gallants – What The Toll Tells (2006)

Jailhouse Rock
Two Gallants – What The Toll Tells (2006)Zwei Kalifornier haben Staub auf der Lunge und Dreck auf der Zunge. Ob sie Büezer sind, wissen wir nicht. Was wir wissen ist, dass sie keine schmalzigen Balladen darüber trällern. Nichtsdestotrotz hört sich „What The Toll Tells“ nach ziemlich viel handwerklicher Arbeit an.

Die Two Gallants entstammen der ehemaligen Hippie-Kommune San Francisco. Darauf hätte kaum einer auch nur einen falschen Zwanziger verwettet. Beim Hören ihres Zweitwerks und der Stimme von Leadsänger Adam Stevens denkt man eher an die Prärien Nebraskas, der Heimat ihres neuen Labels - Saddle Creek. Wo wir gerade am Ufer des Saddle Creek sind, ist auch der gute Conor Oberst nicht weit. Würde dieser seine Stimme mit Whiskey statt mit Lambrusco ölen, ja dann müsste man sich fragen: who the bloody hell is who?

Der Opener „Las Cruces Jail“ versetzt uns in eine Zeit zurück, in der man sich glücklich schätzen durfte, wenn einem in einer Kneipe „nur“ eine Schnaps-Flasche über den Schädel gezogen wurde. Ärmer dran waren diejenigen, welche hinterrücks niedergebolzt wurden.
Rollende Wüstenbüsche statt Orangenbäume also. Der pfeifende Wind verbreitet die Intro-Melodie über einem verschlafenen Nest. Auf einer Veranda sitzt ein kleiner Mariachi, der an seiner Gitarre zupft. Die Ruhe vor dem...? Sturm, genau. Plötzlich rockt und rollt es, dass Fäuste fliegen, Beine brechen und so weiter und sofort. Man darf aber nicht den Fehler machen, die Two Gallants auf eine Haus-Band einer Western-Spelunke zu reduzieren. Das wäre vollkommen falsch und ungerecht dazu. Das Duo klingt  selten nach Saufgelagen. Ihre Musik ist oft zurückgenommen, folkig. In der heissen Atmosphäre von „What The Toll Tells“ verschmelzen unter anderem Country und Punk, Folk und Rock`n`Roll. Das Ergebnis ist vor allem bei den drei fast zehnminütigen Songs beeindruckend. Der spröde Klang und die brüchigen bis wütig rockenden Arrangements machen das Album zwar charmant, aber auch zu einer  Stimmungsplatte. In einem falschen Moment kann sie ziemlich anstrengend sein.

Die Endnote „Waves Of Grain“ ist ebenso episch wie apokalyptisch. Sänger Adam Stevens fleht (oder besser krächzt) den Himmel wörtlich um Regen an. Ja, Wasser, das wünscht man ihm. Und zwar eimerweise. Doch eigentlich wettert Stephens vor allem über Gott und die verdorbene Welt:  „But what when all your fields are rotten, your waves of grain, amber waves of grain? And you hide the dead while my friends head to die in your name.” Die Two Gallants spielen uns ein Lied vom Tod. Und was für eins!


Seit 13. Februar 2006 im Handel.

Anspieltipps: Threnody; Waves Of Grain
Trackliste: 1) Las Cruces Jail; 2) Steady Rollin’; 3) Some Slender Rest; 4) Long Summer Day; 5) The Prodigal Son; 6) Threnody; 7) 16th St. Dozens 8) Age Of Assassins; 9) Waves Of Grain
similar artists: Okkervil River, Bright Eyes, The Good Life, Cursive, White Stripes, Bob Dylan

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die Two Gallants sind die Kalifornier Adam Stephens und Tyson Vogel. In San Francisco beginnen sie 2002 live zu performen. Vorerst auf den Strassen eines Künstlerviertels. Von Zeit zu Zeit werden ihre Reisen immer länger. Die Kalifornier touren unter anderem mit den Decemberists. Ihr Debut-Album „The Throes“ macht sie beidseits des grossen Teichs zumindest einem kleineren Publikum bekannt. „What The Toll Tells“ wird mit Scott Walker (Mountain Goats, Spoon) im Tiny Telephones-Studio in San Francisco aufgenommen und auf dem Saddle Creek Label (Bright Eyes, The Good Life, Criteria) aus Omaha veröffentlicht.

twogallants
Diskographie:
> The Throes (2004)
> What The Toll Tells (2006)



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