Wintersonnenwende. Weihnachten. Vollmond. Hochnebelgrenze. Ulver.
Als „Low-key, Dark and Tragic ( )” bezeichnen Ulver ihr neuestes, mittlerweile siebtes Album „Shadows Of The Sun“. Und weiter „We believe we have succeeded in giving our fears some kind of form.” Beängstigend klingt das Gesamtkunstwerk der Norweger deshalb aber nicht. Vielmehr wohnt dem epischen Werk eine teilweise befremdende Ruhe inne. Diese bezieht sich eher auf die musikalische Umsetzung als auf die Stimmung, welche eher rastlos, verletzlich und vor allem traurig wirkt.
Shadows Of The Sun hat etwas Kirchliches, die Musik tendiert stark Richtung Klassik, Gitarrenklänge findet man nur unverzerrt als untergeordnete Einsprengsel im Gesamtsound. Dieser wird getragen von flächigen Keyboards, Pianomelodien und Streichern. Für letztere zeichnet sich das Oslo Session String Quartet zuständig. Das Schlagzeug, das nur zurückhaltend und nicht bei allen Tracks zum Einsatz kommt, klingt wie der gesamte Sound, schwer und bombastisch. Ein weiteres Merkmal ist der ruhige, aber eindringliche Gesang, der immer sehr hallbeladen und teilweise mehrstimmig umgesetzt ist. Am meisten stechen die Akzente von Gastmusiker Mathias Eick an der Trompete ins Ohr, diese verleihen dem Sound beispielsweise in „All The Love“, eine sehr gelungene jazzige Note. In diesen Momenten, erinnern mich Ulver an Bohren und der Club of Gore respektive ihr „Black Earth“-Album. Die Norweger wirken aber insgesamt wärmer, weniger kalkuliert und organischer, was auch auf das weitgehende Fehlen eines durchgehenden Schlagzeug-Grooves zurückzuführen ist.
Die Songs gehen fast alle nahtlos ineinander über, auch innerhalb der Tracks gibt es kaum Wiederholungen. Das ganze Songwriting ist auf das Album als Ganzes ausgerichtet, das nur bei „Solitude“ eine etwas andere, aber gleichwohl stimmige Färbung erhält. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich besagter Song als Coverversion von Black Sabbath. Es ist Ulver gelungen, dem Song sein relaxtes, leichtes (oder schreib ich einfach 'bekifftes'?) Flair zu erhalten, ihn aber wie selbstverständlich auf ihrem notabene 30 Jahre jüngeren Album einzubinden – toll!
Wer gerne Ambient, Filmsoundtracks oder auch Postrock-Verwandte wie Jesu hört, sollte sich durch die Black Metal-Vergangenheit der Band und den Gehörnten auf dem Cover nicht abschrecken lassen und Ulver sein Gehör leihen. „Shadows Of The Sun“ ist ein überzeugendes, schwer kategorisierbares aber gut zugängliches Album geworden. Es klingt übrigens auch sehr gut zu Rotwein. 4.5 Punkte.
Seit 9. November 2007 im Handel.
Anspieltipps: All The Love, Vigil
Trackliste: 1)Eos; 2) All The Love; 3) Like Music; 4) Vigil; 5) Shadows Of The Sun; 6) Let The Children Go; 7) Solitude; 8) Funebre; 9) What Happened?
similar artists: Bohren und der Club Of Gore, Jesu
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Bio:
Die norwegische Band Ulver wurde 1993 ins Leben gerufen. Zu Beginn ihrer Laufbahn konnte man ihren Sound noch dem Genre Black Metal zuordnen, wobei sich die Band selbst von Beginn weg nicht gerne kategorisieren liess und sich in der Folge auch musikalisch jeglichen Schubladisierungs-Bemühungen erfolgreich entziehen konnte. So veröffentlichte die Band als zweites ein (laut eigener Aussage) „unausgereiftes Neo-Klassik-Album“, besann sich zurück auf den Black Metal, vertonte Wiliam Blakes „The Marriage Of Heaven And Hell“ mit Industrial- und Ambient-Einflüssen, fabrizierte bereits mehrere Filmsoundtracks und entwickelte sich stark weiter in Richtung Ambient und minimalistischer Elektronik.
Das neue Album „Shadow Ot The Sun“ ist ein weiteres Beispiel der ruhelosen Norweger für ihre unermüdliche Innovationskraft, hat es doch wiederum wenig gemein mit dem letzten Output. Bei aller Experimentierfreude halten Ulver wie selbstverständlich ein enormes Qualitätslevel, was ihnen eine kleine, teils prominente, treue und stetig wachsende Fanschar eingebracht hat.