11 | Alain Clark – Colorblind | Soul/Funk | Nation Music | 6.0/10 - TheNoise

Satter Sound, gefällige Lieder; ein bisschen Falsett gehört zum Soul ebenso wie ihm die funkige Gitarre gut steht. Alain Clark hat seine Lektion gelernt und ein gutes Gespür dafür, was gut ankommt. Darum kommt bei der Ballade auch die verzerrte E-Gitarre so hübsch in Wallung. Das kommt wie aus der Hitfabrik - und unterscheidet sich somit nicht vom Mainstream. Der in seiner Heimat seit einigen Jahren recht erfolgreiche Niederländer versteht sich auf Musik für gute Laune und macht auch bei den Balladen keine schlechte Figur. Letztlich hebt er sich damit vom Mainstream nicht genügend ab. Wer quirligen Funk sucht, ist besser beim frühen Prince aufgehoben, und souliger Tiefgang ist derzeit wohl kaum besser als bei Charles Bradley zu bekommen.
11 | Bloody Beetroots – Best of... Remixes | Electro/Dance | Pias | 7.0/10 - S. Müller

Bloody Beetroots – Blutige Randen. Irgendwie nicht so appetitlich, aber es klingt cool. Genau wie ihre Musik: Nicht so appetitlich, agressiv – aber cooler Electro. Hinter dem Namen steckt ein Produzenten- und DJ-Duo aus Italien, inzwischen für Konzerte zu einem Quartett erweitert. Und mit bald fünf Jahren Remixerfahrung sammelt sich halt auch was an. Also hauen die Bloody Beetroots ein Best of raus, dass nur aus Remixes besteht. Da findet man zum Beispiel das fantastische Remix von Etienne de Crécy's "Funk", oder die Electroversion eines Indierockliedes, "Pistols&Hearts" von der inzwischen aufgelösten Band Captain Phoenix. Auch Namen wie MSTRKRFT oder Robyn sind auf der Platte zu finden, querbeet aus den Jahren 2007 bis heute. Wer sich gerne in heftigen Electrobeats verlieren möchte und die Bloody Beetroots noch nicht kennt, ist hiermit hervorragend bedient.
18 | Saigon – The Greatest Story Never Told | Hip-Hop | Subnoize (Namskeio) | 7.5/10 - T.Imbach

Von vielen als einer der frühen Höhepunkte dieses Musik-Jahrgangs gehandelt (Meta-Critic-Rating zurzeit 90/100), wechselt sich auf Saigons Debütalbum Grossartiges in irritierender Regelmässigkeit mit bösen Fehlschlägen ab. Verstehe da noch einer Executve Producer Just Blaze, der in beiden Extremen Verantwortung trägt - "Preacher" mit Lee Fields & The Expressions oder die mächtige Single "Come On Baby" mit Jay Z und Swizz Beats sind nicht nur aufwändig, sondern auch mit Stil & Klasse produziert, dazu gesellen sich aber auch Ausflüge in kitschige Gefilde mit Plastik-Klavier-Samples und Autotune.
18 | Stateless - Matilda | Electronica, Alternative | Ninja Tune (Musikvertrieb) | 8.0/10 - T.Imbach

Wenigen Künstlern gelingt es so gut, sich total zu wandeln und Qualitäten zu bewahren. Stateless wagen auf ihrem Album viele Experimente und landen in dadurch in ihrer eigenen Welt, die neuartig klingt, obschon unzählige Zitate zu erkennen sind. Die Single "Ariel" ist bezeichnend für das ganze Album, vereint es Saitenspiel zwischen Griechenland und Westafrika mit Dubstep-Sub-Basslines und R&B-Gesang. Trip Hop? Vielleicht. Aufregend ist das hier auf jeden Fall.
22 | Joell Ortiz - Free Agent | Hip-Hop | Entertainment One Music | 6.0/10 - T.Imbach

Slaughterhouse-Rapper Joell Ortiz überzeugt auf seinem zweiten Solo-Album über dicken und lauten und mindestens so schönen Beats von Erstklass-Producern wie Large Professor, DJ Premier, Kenny Dope oder Just Blaze. Die unschuldige und süssliche Single "Call Me" dreht mit seinem grossartigen Al Green-Sample die Jahre zurück und lässt fröhlichen 90er-Hip Hop aufleben, aber es sind vor allem Stücke wie "Battle Cry" oder "Sing Like Bilal", die zementieren, weswegen Joell Ortiz (mindestens) einer von den überzeugendsten MCs von heute ist.
25 | Bambi Kino - Bambi Kino | Klassiker von 1960 | Tapete - Ph. Feer

Im August 1960 spielten die Beatles vor dem grossen Erfolg ein prägendes erstes Konzert in Hamburg und residierten in der Unterkunft „Bambi Kino“. Diese Eckdaten erklären die Zusammenarbeit der neu zusammengesetzten Band um Mark Rozzo von Maplewood, Ira Elliott von Nada Surf, dem ehemaligen Gitaristen von Guided By Voices und dem Bassisten Erik Paparazzi (u.a Cat Power). Bambi Kino wiederholten nämlich das Ereignis der Beatles 50 Jahre später im Indra und spielten aus dem beeindruckenden Fundus an Songs aus diesen Jahren. Zwölf dieser Songs landeten auf dem gleichnamigen Tonträger und versprechen ein abwechslungsreiches und erstaunliches Sammelsurium aus Rock&Roll, R&B, Country und den Anfängen des Pop. Diese Idee und Umsetzung ist für den Hörer schwer zu erfassen, umso cooler, wenn man die Geschichte dahinter nicht mal weiss. Die kurzen Songs wirken furchtbar authentisch und protzen nicht mit dem Unterfangen, sondern lassen die Musik sprechen.
- | The Hillibilly Moon Explosion - Raw Deal | Retro, Rockabilly, R&B | EMI | 7.5/10 - S. Kolb

"Raw Deal" öffnet ein Zeitfenster in die 50er- und 60er-Jahre. Eine
fiktive Momentaufnahme der der vielleicht aufregendsten Epoche der
Musikgeschichte? Möglich wäre es. Rockabilly, Rhythm & Blues,
Country, Surf, - mal Elvis, mal Phil Spector, mal das, was damals das
Etikett "Race Music" verpasst gekriegt hätte, mal europäischer
Einschlag. Nur das fehlende Knistern des Vinyls deutet darauf hin, dass
das Album im digitalen Zeitalter entstanden ist. Originell ist, dass die
14 Songs des Albums genauso gut von 14 unterschiedlichen Bands stammen
könnten. Was wirklich hängen bleibt, hat deshalb vor allem mit dem
persönlichen Geschmack zu tun. Mir haben es ganz besonders "All I Can Do
Is Crying", "Chick Habit" und "Moonshine Song" angetan, durch die sich
Emanuela Hutter auf bestechende Art hindurchswingt. The Hillbilly Moon
Explosion hat mit "Raw Deal" den perfekten Soundtrack für einen
sommerlichen Ausflug im Cabrio oder den nächsten Film von Quentin
Tarantino aufgenommen.
Bereits in kurzer Zeit steht die Taufe des nächsten Babys der Band an,
das den Namen "Beg Or Steal" tragen wird. Auch die Zeitspanne zwischen
den Veröffentlichungen läuft also ganz nach dem Usus der 60er-Jahre...
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| Daniel Martin Moore –
In the Cool of the Day | Singer/Songwriter
| SubPop | 6.0/10 - Ph. Feer

Daniel Martin Moore ist ein Tausendsassa der ruhigeren Form.
Jede Idee wird zum Projekt, jedes Projekt wird umgesetzt. Beim äusserst
kurzen Kleinod „In the Cool of the Day“ brauchte es nicht mal ein Plan.
Ein altes Piano bewegte ihn dazu, vor Ort seine liebsten Gospel nach
Gefühl umzusetzen um mit eigenen zu versüssen. Herausgekommen ist ein
äusserst geschmeidiges und liebliches Album, bei dem man sich nur daran
gewöhnen muss, dass die Liebeslieder beim Gospel keiner Frau gelten. In
den meisten Songs ist Swing, Jazz und Country und selbst
Kentucky-Berühmtheit Jim James schaut mit dem Banjo um die Ecke. Und wer
unschlüssig ist, soll sich - auch wenn es dabei bleibt – bloss vom
Titelstück verzaubern lassen