6 | Tyler The Creator - Goblin | Alternative Rap | Odd Future | 4.0/10 – T.Imbach

Nachdem das unvergessliche Video zu “Yonkers“ Anfang Jahr für Furore sorgte und weit über die Hip-Hop-Szene auf Interesse stiess, nahm der Hype um Tyler The Creator und seine Odd Future-Gang bizarre Ausmasse an. Beim langerwarteten Release von “Goblin“ blieb schliesslich nur die Enttäuschung. War die Produktion für “Yonkers“ in ihrer kühlen Reduziertheit noch durchdringend, lassen sich die restlichen amateur- und mangelhaften Beats auf diesem viel zu aufgeblasenen, langen Machwerk kaum mehr schönreden und, im Gegensatz zu den schrillen und bemerkenswert stupiden Wortlauten, nicht einfach ignorieren.
6 | Gang Gang Dance – Eye Contact | World Disco/Space Pop/Krautrock | 4AD (Musikvertrieb) | 7.5/10 – S. Kolb

„It’s everything time.“ Mit passenderen Worten könnte dieses Album wohl kaum eingeleitet werden. Das Animal Collective hat den Weg erfolgreich gepfadet: von exzentrischem LoFi-Folk mit einem Hauch ethnologischer Feldforschung in die Disco mit schimmernden Klangflächen und verstörenden Loops. Gang Gang Dance folgen zwar diesem Vorbild, aber auf ihre ganz eigene Weise. Ohne Angst vor Weltmusik-Klischees und esoterischen Trampelpfaden verwurschteln sie östlich anmutende Samples, Kuduru, House, Bollywood, Goa und orientalisch angehauchte Synthies zu einem ordentlich gepfefferten Brei, dem man mit dem Prädikat „Chamäleon-Disco“ nicht allzu unrecht tun würde. Die Discokugeln dieser Welt bringen sie damit allemal zum Beben und gönnen sich im richtigen Moment auch mal einen Moment in der Lounge für einen Caipirinha bis sich alles ins ewige Leben auflöst.
6 | Elysian Fields - Last Night on Earth | Alternative Pop, Rock | Vicious Circle / Irascible | 7.0/10 – T.Imbach

Neben vielem, das sich änderte (am augenscheinlichsten: die kraftvollere Produktion und der ausgeprägte Rock-Einschlag) bleib auch vieles gleich: “Last Night on Earth“ ist wiederum mit vielen schönen Einfällen und Stimmungen gespickt und Jennifer Charles Stimme verführerisch wie eh und je.
6 | EMA – Past Life Martyred Saints | Electro/Drone/Folk | Souterrain Transmissions | 7.0/10 – S. Kolb

„The Grey Ship“, der Opener des Erstlings von Erika M. Anderson – kurz EMA – ist wie ein Gang durch ein Waffenarsenal. In den ziemlich ruhigen, leicht psychedelischen Folk schlagen plötzlich Bässe wie Bomben ein und Drones und Feedback verwandeln die Idylle in eine Kraterlandschaft. Zudem zeichnet sich ab mit welchem Wahnsinn man es auf dem Rest des Albums zu tun hat. Hier geht es nicht um Büstenhalter mit Maschinengewehren, sondern um das Guernica, das Verdun in Andersons Seele – Drogenexzesse und tiefe Traurigkeit, Abhängigkeit und innerer Zwang. Und im Hintergrund lauert stets der übergrosse Schatten von der Andersson mit zwei „s“ (The Knife,
Fever Ray) und Nobody’s Daughter Courtney Love.
13 | Danger Mouse & Daniele Luppi - Rome | Film-Pop | Parlophone | 8.0/10 – T.Imbach

Wer Komponisten wie Ennio Morricone oder Bruno Nicolai mag, und dazu hat man sehr guten Grund, düfte an “Rome“ viel Freude finden. Producer Danger Mouse und der italienische Komponist Daniele Luppi trommelten im fünfjährigen Entstehungsprozess von “Rome“ italienische Musiker zusammen, die vor Jahrzehnten schon Soundtracks zu Cinecittà Produktionen aufnahmen. Mit Vintage-Instrumenten ganz analog eingespielt und hervorragend produziert sind Luppis filmreife Kompositionen hier von federleicht und hinterlassen doch Eindruck: Ob sie nun als Popsong (mit Gesang von Grammy-Preisträgern Jack White und Norah Jones) oder Instrumentals geraten sind.
13 | Arms & Sleepers - Organ Hearts | Downbeat | Exspect Candy | 7.0/10 – P.Klur

Tief in sich ruhende, elektronische Songs. So mag das zumindest erst einmal wirken, wenn man sich The Organ Hearts nähert, unter der Oberfläche aber glitzert es in vielen Farben und Formen: Mal finden sich Ambient-Fetzen oder Klaviertupfer, mal wird auch der Jazzbesen ausgepackt. Mit Ben Sheppard haben sich Arms And Sleepers einen absolut passenden Gastsänger mit ins Boot geholt: Seine Stimme wabert schwer greifbar zwischen
Markus Acher und
Jónsi . Insgesamt ein schönes, stimmiges und entspanntes Album. Manchmal fliegt der ein oder andere Song ein wenig vorbei, das ist aber nicht weiter störend, weil sich auch wirklich begeisternde Tracks auf The Organ Hearts befinden: Genannt seien hier das entspannt groovende Kepesh und der Airport Blues: Du bist allein, aber nicht einsam.
20 | Sweet Vandals – So Clear | Funk, R&B | Unique | 5.0/10 – TheNoise

The Sweet Vandals spielen die Musik der Sechzigerjahre mit analoger Ausrüstung. Das ist nicht schlecht, aber sie bleiben die Antwort schuldig, weshalb man ihre Lieder hören sollte und nicht die Originale. Der Funk eines James Brown dringlicher, und R&B-Stücke wie "Listen for a While" erinnern eher an das R&B-Remake, mit dem uns die Blues Brothers Ende der 1970er-Jahre beglückten. Dass The Sweet Vandals jetzt Bläser und Streicher engagiert haben, ist zwar nett – aber nicht mehr als das. Vielleicht muss der Rückgriff auf die Tradition doch mit einem Schuss aktuellem Zeitgeist gewürzt werden, damit er wirklich zündet. Der Vergleich mit dem späten Debütalbum von Charles Bradley legt das ziemlich deutlich nahe.
April | Hillbilly Moon Explosion – Buy, Beg or Steal | Rockabilly, Surf Rock | Irascible | 7.0/10 – T.Imbach

Die Zürcher Hillbilly Moon Explosion mögen zwar Hillbillies sein, aber sie sind ernstzunehmen. “Buy, Beg or Steal“ hält mit dem gelungenen Vorgänger “Raw Deal“ mit. Besonders sehens- und hörenswert ist der filmreife Clip zu “My Love for Evermore“ mit dem britischen Psychobilly-Pionier Mark „Sparky“ Philips.