1 | Jamiroquai - Rock Dust Light Star | R&B, Dance-Pop | Mercury | 7.0/10 - T.Imbach

Das siebte Album der Briten ist, kurz, in Ordnung. Klasse produziert und erstklassig eingespielt sind die Sounds, die von Filter-House zu Broken Beats, Radiopop, Reggae, klassischem Jazz-Funk, zärtlichen Balladen und zurück springen - wirklich frisch wirkt dabei aber nur "She's a Fast Persuader". "Rock Dust Light Star" erinnert aber öfters an die früheren Glanzzeiten als an den Fehlschlag "Dynamite" - darf man eine Chance geben.
5 | Emily Jane White - Ode to Sentience | Folk Singer/Songwriter | Talitres | 7.0/10 - Ph. Feer

Emily Jane White hat sich schön angezogen. Aber zeigen möchte sie sich deswegen nicht. Und das gilt nicht nur für das geheimnisvolle Cover. Die Frau aus der Gegend von San Francisco, die es in Frankreich und im Rest von Europa mit ihren ersten beiden dunklen Folkalben zu grosser Beliebtheit gebracht hat, veröffentlicht mit „Ode to Sentience“ ein scheinbar spontanes Kleinod, das an das letztjährige „Victorian America“ anknüpft. Verträumt und geheimnisvoll mit einem oft brodelnden Hintergrund erzählt White zehn lange, schauerliche Geschichten im Stil von Marissa Nadler, Die Instrumentierung ist oft zurückgezogen opulent, die Stimme tief schwebend.
5 | The Grand Opening – In the Midst of Your Drama | Singer/Songwriter
| Tapete | 5.0/10 - Ph. Feer
Die etwas dünne Stimme vom Schweden John Roger Olsson überzeugt nie vollends, zu schmachtend und verzweifelt und ohne grosse Tiefe bleibt sie. Die Einfühlsamkeit von Aström, die Dringlichkeit von Dunger oder die Sehnsucht von Kjellvander wird nicht erreicht. Trotzdem ist das dritte Album „In the Midst of Your Drama“ eine klare Steigerung. Die Songs sind ausgewogen, klug und sinnlich und kommen neuerdings mit mehr Gitarren und Drums aus. Und hört man auf die weihnachtlich beruhigenden Keyboardklänge von „Breakdown“ spürt man im Nachhinein, dass man zwar nicht den wärmsten Pullover durch den Winter trug, aber dass er für uns persönlich Wärme ausstrahlte und ans Herz gewachsen ist
5 | Ezio - This Is the Day | Adult Pop | Tapete | 6.0/10 - TheNoise

Ezio
stehen längst nicht nur für subtile akustische Songs, die nach wie vor
als ihre Spezialität gelten dürfen. Ezio Lunedei und sein Partner Mark
„Booga“ Fowell fühlen sich auch in poprockigen Gefilden zuhause. Selbst
die verzerrte Gitarre darf, sofern sie wohlerzogen und nicht lärmend
auftritt, nicht mehr fehlen. Ezio haben wieder sehr geschmackvoll
angerichtet. Beim hübsch bürgerlichen Mehrgänger mit passend aufeinander
abgestimmten Gängen erfreuen die vertrauten Zutaten wie eingängige
Melodien, wohldosierter Fetzigkeit und Arrangements mit hübschen
Chorussen und schmeichlerischen Streichern.
5 | Facelift - Holon | Alternative Rock
| Spectre/Universal | 6.0/10 - C. Döbeli
Facelift,
die Grazer Band mit aussergewöhnlichen Fluktuationsfähigkeiten,
präsentiert ihr aktuelles Werk im weissen Gewand und spielt eine von
Gitarre und Frauengesang geprägte Rock-Pop-Mischung. Mit Songs wie
„About the Thing They Say“ oder „Holon“ bestätigen sie ihre Qualitäten
und musikalische Veränderungen der Band werden mit Liedern wie „A Cup of
Coffee“ wunderschön umgesetzt. Insgesamt spielen die Österreicher aber
zu oberflächlich und mit der Stimme Andrea Orsos kann ich mich beim
besten Willen nicht anfreunden.
12 | Hej Francis! - Certains génies ne sortent jamais | Pop/Rock
| HRP Records | 7.0/10 - Ph. Feer
Chanson aus Luzern? Wie schön! Aber das ist mehr. Hej Francis! erstaunen mit einem cleveren und eigenständigen Mischung aus Pop, Rock und Eierkuchen und sind nicht nur deswegen sympathisch. Der eindringliche Gesang vom Walliser Cédric Lagger, die delikaten Lyrics und die unauffälligen Beats täuschen auch über den Gefälligkeits-Rock zwischendurch hinweg. „De la part de Novembre“ trägt auf dem Sprung zum fröhlich folkigen Chanson Chris Wicky von Favez und den Sad Riders mit der geschriebenen Prise Melancholie ins Geschehen, der im Duett mit Lagger dem November die Blumen aufzeigt. Selten hat Musik mit dem Gute-Laune-Faktor auch wirklich gute Laune gebracht.
12 | Renaud Garcia-Fons - Méditerranées
| World-Jazz
| Edel | 9.0/10 - T. Imbach
Der französische Kontrabassist Renaud García-Fons reist auf seinem jüngsten Alben rund um das Mittelmeer und weist so den immensen Reichtum mediterraner Folklore auf. Diese Einflüsse aus Südspanien, Nordafrika, Griechenland und mehr flechtet er in seine eigene Jazz-Welt ein - einmal mehr in edelstem Klanggewand ist seine Musik meist wunderschön und immer hypnotisierend.
19 | Super Preachers – Underdog | Pop | Hazelwood | 7.0/10 - TheNoise
Super Preachers verbinden das dreckige Filmmusik-Saxofon der 1960er-Jahre mit Rap und TripHop-Stimmung. Der Franzose François Carles, Kopf der Super Preachers, sampelt Klangschnipsel und integriert poppig-altmodischen Chorgesang. Songs wie „Homme Fatal“ wirken wie eine Reminiszenz an den französischen Schlager der 1960er; und das herrlich altmodisch klingende „Do Da Swing“ schwingt wie im Titel versprochen. Das ist alles charmant und oft auch angenehm schräg. Die Super Preachers sind dabei meistens zu eigenwillig, um als glatter Pop durchzugehen, und gleichzeitig gefällig genug, um nicht in die allerobskurste Ecke abgeschoben zu werden. Vorreiter wie Beck Hansen haben Gleichartiges allerdings schon vor mehr als 15 Jahren gemacht.
19 | Element of Crime - Fremde Federn
| Chanson-Pop | Vertigo | 6.0/10 - T.Imbach
Frühlingsputz im Gemischtwarenladen, und was dabei hervorkommt, lässt sich hören: "Fremde Federn" ist ganz den zahlreichen Coverversionen gewidmet, die die Berliner in den letzten 20 Jahren bei verschiedensten Gelegenheiten einspielten - wirklich gut ist das nicht immer, und wenn doch, dann aber auch nicht nur für beinharte Fans. Gainsbourgs "Akkordeon" oder "I Started A Joke" (Bee Gees) sind genauso universelle Hörpflicht wie es das Material auf den besten EoC-Alben ist, der Rest nicht unbedingt.
29 | Duffy - Endlessly
| Soul-Pop | Polydor | 3.5/10 - T.Imbach
Forschere Grooves, dickere Beats & Sounds aus dem Computer, die Stimme quitschig und mädchenhaft in ganz schlechtem Licht - die walisische R&B-Sängerin Duffy entwickelt sich weiter, aber nicht zum Guten. In den Balladen hallen die Stimmungen von "Rockferry" noch etwas nach, "Well, Well, Well" mit The Roots ist spassig, der dünne Rest gibt leider nicht viel her.
| The Factory – The Factory | Alternative Rock | Acetate | 5.0/10 - TheNoise
Punk
war Geschichte und New Wave gerade ausgeklungen, als The Factory
antraten, um Bands wie die Stooges und die New York Dolls zu beerben.
Warum sie rasch verglühten, kann man auf dem wieder aufgelegten Album
nachvollziehen. The Factory spielten geradlinigen Rock, bei dem man
immer wieder die bluesigen Wurzeln durchhört. Das war auch in den
1980er-Jahren nicht neu, gegen die Energie des Grunge konnte sich die
Band aus Washington verständlicherweise nicht durchsetzen.