1 | Clinic -
Bubblegum | Indie | Domino | 7.0/10 -
R.Best
Clinic sind Veteranen in ihrer
eigenen Ecke: einfache Gitarrenläufe, beim Hip Hop anklopfende Beats,
eine leicht kranke bis unheimliche Stimme, komisch ergreifend. Das neue
Album „Bubblegum“ wartet indes nur mit 3 Songs auf, die Déjà-Vus bei
Fans auslösen dürften. Der Rest ist weit verhaltener als gewohnt,
sparsam instrumentiert, mehr Sixties - und zuweilen viel besser.
Erratische Balladen wie „Baby“ oder „Linda“ lassen vergessen, dass sich
die eingängigeren Stücke wie „Lion Tamer“ oder „Forever (Demis’ Blues)“
doch sehr im eigenen Back-Katalog bedienen.
1 | Suzanne
Vega – Close Up, Vol. 2 People & Places | Folk
| Cooking Vinyl | 7.0/10 - TheNoise
Suzanne Vega hält
Rückschau und spielt auf vier thematisch sortierten Alben ihre
wichtigsten Stücke neue ein. Nach der im Mai erschienenen Ausgabe mit
Liebesliedern treffen wir nun auf zwei alte Bekannte: „People &
Places“ bringt „Luka“ und „Tom’s Diner“, ihre wohl bekanntesten Stücke.
Ersteres leicht akzentuierter, mitunter fast beiläufig gesungen und nur
mit Gitarrenbegleitung, das zweite mit einem verstörend-geheimnisvollen
Streicherauftakt und einem treibenden Bass im Mittelpunkt. Und mit „The
Man Who Played God“ gibt es auch ein neues Stück, an dem auch Danger
Mouse mitgeschrieben hat – ein schöner Ausblick auf ein Album mit neuen
Stücken.
8 | Sufjan Stevens - The Age Of Adz | Alternative Pop, Indie
| Asthmatic Kitty | 8.0/10 - S. Müller
Ein
musikalisches Feuerwerk, eine Reizung, vielleicht gar Überreizung, too
much. Es piepst, es kratzt, ein Orchester - und dann wieder absolute
Stille, bis das nächste Lied wie der Eintritt Darth Vaders klingt. Aber
nicht alles auf Sufjans - was, neuntem? - Album ist so spektakulär wie
"Too Much" oder "I Want to Be Well". Er bleibt seiner ruhigen Seite auch
treu, so etwa mit "Now That I'm Older" oder "Bad Communication". Und
immer dieser Chor, der erst nur alles untermalt und dann die Überhand
gewinnt, wie einem 50er-Film entnommen, einem alten Disneyzeichentrick.
The Age of Adz ("Odds" ausgesprochen, ) ist ein extravagantes, üppiges
aber auch abgespactes Werk. Es entführt in andere Welten, mit
elektronischen und klassischen Melodien, die sich gegenseitig bekämpfen
und umgarnen. Mir gefällts.
8 | Robert Owens -
Art | Electronica, House
| Compost Records | 8.0/10 - T.
Imbach

Seit mehr als zwei Jahrzehnten liefert der 50-jährige
Afro-Amerikaner der House-Musik eine ihrer charakteristischsten Stimmen -
auf seinem vierten Album "Art" setzt er sich in 19 Tracks über
Genre-Grenzen hinweg, auf Disc 1 bettet er seine Stimme in einen
Klangkosmos von Neo-Soul, Deep House und experimentellen Tönen, während
bei Teil 2 das Tempo spürbar erhöht wird und tanzbare Rhythmen
vorherrschen. Musikalisch alleine bereits aufregend genug, ist es die
Meisterschaft des Vokalisten, die "Art" definitiv zum Muss machen, nicht
nur für Chicago-House-Fans, sondern für Electronica-Afficinados
überhaupt.
15 | Asmara All Stars – Eritrea’s Got Soul | World
| OutHere | 7.0/10 - TheNoise
Sie machen Afro-Pop im "Bigband"-Stil der 1970er-Jahre, lieben aber Reggae und Hip-Hop ebenso wie Jazz, Soul und funkige Rhythmen. Asmara All Stars versammelt die gemäss Plattenfirma besten Musiker des krisengeschüttelten Landes. Temasgen Yared könnte zum eriträischen Khaled werden, während Adam Hamid mit seinem Liebeslied im ursprünglichen, roheren Stil überzeugt. Ibrahim Goret bevorzugt ein raffiniert-reduziertes Arrangement mit Oud und Perkussion, während der junge Rapper Temasgen Hip Hop mit der gesamten Besetzung der 14köpfigen Asmara All Stars in die Vollen geht. "Eritrea's Got Soul" biete zwar keine wirklich bahnbrechenden Stücke, ist aber trotzdem ein abwechslungsreiches Album mit einigen schönen Leckerbissen.
15 | The Late Call – Already Have a Home | Singer/Songwriter, Pop Tapete | 8.0/10 - Ph.Feer
Der Schwede Johannes Mayer macht die Musik seiner Landsleute – folkig, eingängig, melancholisch. Aber im Vergleich zu anderen besonders gut, so dass sein zweites Album „Already You Have a Home“ hier erwähnt werden muss. Besonders erstaunlich ist das wundervoll leichte zweite Stück „Fribourg“. Nicht nur wegen dem passenden Titel, sondern weil das Stück im Vergleich zu den vielen akustischen Stücken mit ihrer nachdenklichen Note mit einer gelungenen Mischung von beschwingten Mischung aus Bläsern und Streichern glänzt. Neben der musikalischen Details, die sich aufregend durch das ganze Album ziehen, ist es vor allem eindrücklich, wie die unaufgeregte und unspektakuläre Stimme von Mayer derart zielsicher und irgendwo zwischen Ron Sexsmith und Kings of Convenience in seiner Musik aufgeht. Fein und verführerisch, endlich wieder mal ein sehr empfehlenswertes Singer/Songwriter Album.
15 | Kelley Stoltz – To Dreamers | Psychedelic Pop
| SubPop | 7.5/10 - Ph. Feer
„Do you want to Rock and Roll with Me?“ Entsprechend dem Titel hört sich der erste Song auch an, obwohl qualitativ um einiges besser als unserere Erwartungen. Stoltz träumt von der Vergangenheit und bringt die wunderschön glaubhaft und in vielen Facetten ins Diesseits. Wie auf „Pinecone“ zärtlich zwischen den den abgefahrenen Beatles und den Beach Boys geträllert, ist sein neues Album
„Something more than ordinary“. Seine Stimme passt sich seinem Handwerk – Instrumente und Produktion – an und reist zwischen den Zeiten, so dass man ohne den Namen des Musikers auch oft eine britische Band aus der Zeit von Bowie und Velvet Underground - mit einer Prise Garage garniert - vermutet. Stoltz ist innovativ, nostalgisch und eine grosse Entdeckung.
22 | Charlie Haden
& Quartet West - Sophisticated Lady | Vocal Jazz
| Emary Records | 9.0/10 - T.
Imbach

Mit seinem Quartet West zelebriert der
legendäre Avant-Garde-Jazz-Bassist Charlie Haden die Schönheit der
Musik, und "Sophisticated Ladies" dürfte DAS Vocal-Jazz-Album des Jahres
sein ...was, Voca..? Richtig, der Titel "Sophisticated Ladies" ist auch
Programm. Mit einer Handvoll der besten Stimmen unserer Zeit (darunter
auch eine Genre-Fremde wie Renée Fleming (absolut grossartig in !))
kreiert der 73-jährige Kontrabassist ein wundervoll nostalgisches
Kunstwerk.
22 | Kno - Death
Is Silent | Hip Hop | A Strange Piece Of Music | 8.0/10 - T.
Imbach

Das Cover des Solo-Debüts vom Cunninlynguist Kno machte uns
ein bisschen Sorgen, und in der Tat, das Album klingt genau so wie es
die Grafik schon befürchten lässt: etwas zu theatralisch in düsteren
Gedanken und Melancholie veloren. Zum Glück sind aber auch einige
ausgeklügelte Beats dabei, die zum Besten gehören was es in diesem
Jahrzehnt auf die Ohren gab.
22 | Broken Records - Let Me Come Home | Indiepop | 4AD | 7.5/10 - C.Döbeli

Die relativ Junge Band aus Schottland kreierte Ihr zweites Studioalbum namens „Let Me Come Home“. Die spezielle Leadstimme speist die Folk-Musik grandios, wenn auch nicht für jedermanns Geschmack. Eine Violine gehört nicht nur in ein Orchester, das sagen auch Broken Records. Tief und nachdenklich, aber auch geläufig wie bei „A Darkness Rises Up“ hören sie sich an, die Jungs aus Edinburgh. Sehr gekonnt fügen Sie auch das Cello und das Akkordeon in Ihre Werke ein. Heimelig und sogar sanft ums Herz wird’s beim letzten Stück „Home“.