Genre: Folk, Singer/Songwriter | Label: Haldern Pop (Lautstark) | Unsere Wertung: 9.0/10
Walzer auf hoher See
Ich nehme einen Schreibblock hervor. Doch anstatt mir Notizen zu Wendy McNeills neuen Album zu machen beginne ich zu zeichnen. Sterne, Schiffe, Meerjungfrauen und Paläste erscheinen auf dem weissen Blatt Papier.
Wendy McNeill erzählt bizarre Geschichten von jungen Sklaven in Palästen aus Illusionen, von Begegnungen auf langen Reisen und Kämpfen, die man nur noch verlieren kann. Sie zaubert mit ihrer zarten Musik fremde Welten und Träume herbei, öffnet knarrende Gefängnistüren (Picking Up Pieces) und erzählt daraus Geschichten, die schwierig zu erfassen sind und deswegen gerade fesseln. Sie lädt uns ein in eine seltsame Welt, in der nichts ist wie es zu sein scheint ("This world is a strange one / Nothing is quite as it seems", Giver). Und immer wieder hört man in ihren Liedern eine Verbundenheit zum Meer heraus, Wellen, Möwen. Auf "Black/White" erzählt die kanadische Sängerin die Geschichte eines sinkenden Schiffes und dessen Matrosen, der von einer betörenden Stimme weggezogen wird: "It's all right / A voice in the night / It says Follow Me". Er wacht auf, verwirrt und verliebt – sind Sirenen im Spiel? Man kann dank den Schlaginstrumenten förmlich die Wellen gegen das untergehende Schiff klatschen hören, ein Akkordeon lädt zu einem Walzer auf hoher See ein.
Die Karriere der Kanadierin begann mit einem Schreibwettbewerb. Sie erhielt 1997 den ersten Preis für ein Lied und gewann so die Gelegenheit, ihr erstes Album zu produzieren: "To Whom It May Concern". 2001 begann ihre Liebe zum Akkordeon und schon wurde Wendy McNeills zarte Musik geboren, die man auch auf "For the Wolf, a Good Meal" wiederfinden kann. Das Akkordeon lässt sie gerne von Gitarrenzupfen und von verschiedensten Glöckchen oder quietschenden Etwassen begleiten. Nur "Oldest Dance" und "Longest Dance" bilden eine Ausnahme auf dem Album, da sie nur kurze und kindliche Spieldosenmelodien sind. Auch damit werden diffuse Assoziationen zur Kindheit, zu verschwundenen Erinnerungen erweckt. Die anderen Stücke werden mal von einer selbstbewussten sexy Stimme begleitet, dann wiederum von einem sanften, unschuldigen Gesang, wie der eines kleinen Mädchens. Wendy McNeill schafft eine spannende Mischung aus mantramässigem Sprechgesang und melodiöser Heimsuchung in Form von fern wirkenden Stimmen. Ihre Musik scheint durch das Instumentalspiel sichtbar, greifbar zu werden, die Texte werden immer unterstützt und akzentuiert, was ein Verschwinden in diese andere, verworrene Welt erleichtert.
Seit 4. März 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Black/White
> Grey Eyes
> Animals
Diskographie:
> To Whom It May Concern (1997)
> Whats Your Whiskey, Baby? (2001)
> Such a Common Bird (2004/05)
> The Wonder Show (2006/07)
> A Deamer´s Guide to Hardcore Living (2008/09)
> For the Wolf, a Good Meal (2011)
Ähnliche Künstler:
> Ane Brun
> Leonard Cohen
> Illute
> Sophie Hunger
> Tom Waits