Würdest du in ein Auto steigen, wenn Pete Doherty am Steuer
sässe? Filmer Roger Pomphrey hat es getan – und überlebt.
Herausgekommen ist ein Porträt einer Person, die sich nicht mit einem
Wort erfassen lässt.
Ein Film über Pete Doherty muss immer eine Momentaufnahme sein. Allein die Facetten, welche in den 74 Minuten von „Who The F*** Is Pete Doherty?“ (in der vorliegenden Version ist das Four-Letter-Word brav mit „Hell“ ersetzt worden) reichen aus, um Hobby- und Berufspsychologinnen und –psychologen, sowie Fans und Kritiker arg ins Grübeln geraten zu lassen. Ist er nun genial oder „nid ganz bachä“? Stil-Ikone oder kaputter Junkie? Ist er „the most important man of our generation“, wie ein grosskotziger Bubi ungefähr zur Hälfte des Films von sich gibt, oder ein einfacher Musiker, der von den Medien zur Skandalnudel emporstilisiert wurde?
Beinahe aufdringlich unterlegt Pomphrey seine Ausführungen zu Dohertys Dasein immer wieder mit dessen Song „Do you know me?“, eine Frage, welche Doherty selber mit „I don't think so“ beantwortet. Und es stimmt; wir kennen ihn nicht. Ambitioniert zwar, das Projekt, uns zu erklären, wer verdammt nochmal dieser Mann ist. Mit einem Interviewverhalten ähnlich dem des jungen Dylan macht Doherty es uns aber auch nicht besonders einfach, ihn kennenzulernen.
Dann also Infos aus zweiter Hand. Pomphrey versucht dies – noch vor Live8, dem Kate Moss-Kokainskandal und Blutspritzenattacken auf MTV-Journalisten – mittels Interviews mit Doherty und seinen Weggefährten, Konzertausschnitten, Tourbusmitschnitten und Medienberichten. Besonders aussagekräftig: Die Statements des Musikkritikers Paul Morley, der als Aussenstehender eine etwas, nun ja, ungetrübtere Sicht auf das Phänomen hat und der Doherty trotz aller Objektivität mit den zwei gottesähnlichsten Wesen vergleicht, die je auf Erden wandelten (Jesus und Dylan). Was ansonsten vermittelt wird, ist der Wahnsinns-Hype, der vor einigen Monaten von der Insel auch auf Festland-Europa überschwappte: Doherty und Kate Moss, Doherty und Drogen, Doherty und seine loyalen Fans, Doherty und The Libertines. Mehr als manch anderer Popstar ist Doherty eine Person von öffentlichem Interesse und während ihn Fans abgöttisch lieben, verfolgen ihn die Tabloids, gierig nach neuen Skandalen.
Man kann sich ärgern über den Rummel, den Doherty immer wieder auszulösen vermag: Abgesagte oder versiffte Konzerte, Eskapaden, Gerichtsvorladungen, Anti-Heroin-Implantate, Trennung, Hochzeit, Drogen, Kate Moss. Aber Doherty ist Musiker und Poet. Mit The Libertines schuf er einen neuen Sound, das Internet schwappt über vor unveröffentlichten Sessions, von denen einige Goldstücke sind, seine Tagebücher aus dem Knast sind teilweise sehr lesenswert. Und wenn Doherty, wie im Film zu sehen ist, selbstvergessen seine verschrammelte Gitarre zupft, „Beg, Steal Or Borrow“ singt und jedes Wort aus tiefstem Herzen zu kommen scheint, dann möchte man ihm am liebsten glauben, dass er eigentlich nur Musik machen will. Traurig, dass diese angesichts des ganzen Rummels zu oft vergessen geht.
Seit 28. Juli 2006 im Handel.
> Hören und Kaufen > Pete Dohertys Webseite > Webseite der Babyshambles
Bio:
Pete Doherty - Das Phänomen. Am 12. März 1979 Hexham, England geboren, wird er nun von den Medien gehasst, geliebt, gepriesen, beweint und vorallem andauernd besprochen. Momentan fungiert er als Sänger der Babyshambles, früher war er neben Carl Barât Mitglied der Libertines (1990 - 2004). Nebst Kollaborationen mit dem britischen Dichter Wolfman und einem gemeinsamen Auftritt mit Elton John, macht „Drogen-Pete“, wie er von aller Welt liebevoll genannt wird, inzwischen vor allem wegen seiner Eskapaden im Bereiche der halluzinogenen und bewusstseinsverändernden Substanzen Furore.