Um sein neues Projekt „Wise In Time“ zu starten, hat sich Ian Simmonds nach Jena begeben. Sicher kein schlechtes Omen, hier haben sich Goethe und Schiller kennen gelernt und nachhaltig gewirkt. In Thüringen hat der Waliser auch seine Mitmusiker gefunden, vier talentierte Studenten der Jazzschule Dresden. Dadurch konnten offenbar einige Synergien freigesetzt werden. Das ist in diesem Fall keine Floskel. Ian Simmonds verabschiedet sich mit „The Ballad Of Den The Men“ von der rein elektronischen Linie seines Vorgängerprojekts Juryman, ohne dabei aber seine Wurzeln komplett unter den Tisch zu kehren.
Elektronik und Samples finden nach wie vor Eingang in seine Musik. Doch macht der Brite mit seiner Band einen grossen Schritt Richtung Singer/Songwriter, Folk-Gitarren bilden oft das Gerüst von „The Ballad Of Den The Men“. Ein Pluspunkt ist die markante, tiefe Stimme von Mastermind Ian Simmonds, die er in Form von Sprechgesang gut in Szene zu setzen vermag. Elektronische Einbringsel, Synthies und Samples unterstützen vorwiegend bei der Atmosphären-Schaffung, während vor allem die Rhythmus-Fraktion um Schlagzeuger Krishan Zeigner und Bassist Felix Jacobi zusätzlich den Jazz ins musikalische Gebilde trägt. Und das steht Wise In Time richtig gut zu Gesicht.
Die Lieder an sich sind durchaus variabel und verspielt arrangiert. Mal mit Dub-Einflüssen („Firing Line“), mal mit flüchtigen, melancholischen Pianolinien („Lord“). Das Gesamtbild, vor allem aber das Tempo, bleiben eigentlich über die 13 Songs hinweg homogen - gemächlich. Dies ist zwar durchaus angenehm anzuhören, nimmt dem Album aber vielleicht einen entscheidenden Tick Spannung. „The Ballad Of Den The Man“ ist übrigens nicht wirklich eine Frühlings-/Sommerplatte, auch textlich nicht: „You see that sun over there, it’s the same damn sun setting everywhere“. So kann man das auch sehen, durchaus. Glücklicherweise lassen die kirchlichen Gemäuer auf dem Artwork nicht wirklich auf die musikalischen Inhalte schliessen. Die Musik klingt zwar nach menschenleeren Räumen und Orten, nicht aber nach gespenstischen Kathedralen und brutalen Albino-Mönchen. Die Grundstimmung ist in gewisser Weise andächtig, aber eher nicht im spirituellen Sinne.
Seit dem 24. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Lord; Crazy Chair
Trackliste: 1) The Fox; 2) Firing Line; 3) Nine; 4) Lord; 5) Crazy Chair; 6) Backfire Band; 7) Letters; 8) Back From Somehow; 9) Ballad; 10) The Well; 11) Jah Walker; 12) Part Two; 13) The Station
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Bio:
Ian Simmonds wurde in Wales geboren. Einen Grossteil seiner Kindheit verbrachte er damit, mit seinem Vater – er war Jazz-Trompeter – um die Welt zu touren. Simmonds war ursprünglich Bassist und Mitglied der Acid Jazz-Band The Sandals, bevor er selbst Musik zu schreiben und aufzunehmen begann. Unter seinem Namen und mit Juryman veröffentlichte er zwischen 1997 und 2002 fünf Alben.