Die Jugend schafft sich ab! Die Heranwachsenden haben keine
Wertvorstellungen mehr und kennen keine Moral! Die Jugendlichen brauchen
Visionen für die Zukunft! Immer wieder machten solche Sätze in den
letzten Jahren Schlagzeilen. Doch wie neue Studien zeigen, denkt die
Jugend heute wieder optimistischer.
Von Optimisus geprägt ist auch das selbstbetitelte Debütalbum von Young The Giant. Ein Album, so reich und versiert – kaum zu glauben, dass es sich hier um ein Erstlingswerk handelt. Alles ist am richtigen Platz, fein durchdacht, angepasst, perfekt durcharrangiert.
Young The Giant sind fünf junge Männer, die sich darüber Gedanken machen, was man mit seinem Leben anstellen mag, wer man ist und wie sich die Dinge um einen herum verändern werden. Die Songs sind bevölkert von Charakteren, deren romantische Verzweiflung den Figuren etwas Wahrhaftiges verleiht.
Aus irgendeinem Grund meint man, dass die eigene Handschrift schon von hier auf unverkennbar sein wird. Aber ist es bloß gediegener Alternative-Rock mit Emo-Anleihen für Karohemdträger und Studenten, oder ist doch mehr unter der Oberfläche zu finden?
Mit „Apartment“ gelingt ein hervorragender Einstieg ins Album. Im anschließenden Hit „My Body“ brettern Young The Giant dann so schön los, dass man nicht mehr auf allen Stühlen sitzen mag. Ein hartnäckiger Ohrwurm und live sicherlich ein Stimmungsmacher. So hymnisch lässt sich die Welt umarmen. „I Got“ klingt wiederrum angenehm nach Incubus in ihrer unkonventionelleren Phase. Mit „Cough Syrup“, eine Kreuzung aus Collegerock, U2-Gitarren, Interpol und Dredg, schleicht sich der nächste Hit schon an dein Ohr.
So geht es auf „Young The Giant“ munter weiter. Mindestens die Hälfte der Songs hat das Potenzial zu Szene-Hits. „God Made Man“ ist ein luzider Shoegaze-Traum. Hawaii-Hemden werden in „Strings“ ausgepackt. In „12 Fingers“ glaubt man gar
Pearl Jam mitsamt
Eddie Vedder rauszuhören. In „St. Walker“ tauschen sich
The Boxer Rebellion mit
Trail Of Dead untereinander aus. „Islands“ ist ein höchst atmospährischer Track, der Erinnerungen am „My Sweet Prince“ von Placebo weckt. Du willst dich langsam hochheben und wegtragen lassen? „Guns Out“ und geht schon. Aufmerksame Leser sehen es schon – viele Einflüsse werden hier untergebracht, doch wenn das Ergebnis so zufriedenstellend ausfällt, kann man nichts dagegen haben.
Es ist Musik, die mal leicht wie eine Wolke an dir vorbeizieht, wobei deren Anwesenheit von dir bemerkt wird („Garands“). Young The Giant wissen, wie man entrückte Wärme ausstrahlt. Die Stimme von Sameer Gadhia hat einen süßlichen Charakter und laut wird es nur selten inmitten des restlichen, ästhetisch fließenden Schönklangs.
Ein Alternative-Popalbum, dem es aufgrund unerwarteter Wechsel und Sprünge in den Melodien, verschiedener Lagen und Wendungen gelingt, über vier Minuten interessant zu bleiben. Die Platte von Young The Giant kann dir ein guter Freund sein, weil sie zwar unterhaltsam ist, aber nicht aufdringlich zu Werke geht. Ein Debüt, an dessen Dringlichkeit man merkt, dass alle Beteiligten wussten, dass dieser Moment nicht länger aufgeschoben werden kann.
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Anspieltipps:
> Cough Syrup
> 12 Fingers
> Garands
Diskographie:
> Young The Giant (2011)
Ähnliche Künstler:
> Billy Talent
> Feeder
> Dredg