Zozobras
Erstling ist nicht wie eine jahrelang behauene Steinskulptur mit feinen
Details, sondern eher wie ein Meteorit der direkt vor der Nase
einschlägt – müssig, bei solch einem Phänomen über einzelne
Unzulänglichkeiten im Songwriting zu schreiben.
Auch kleine Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – so scheint es vielen Menschen ähnlich wie mir ergangen zu sein; auf MySpace sind seit Monaten zwei Songs zum Anhören bereitgestellt und der Zähler der Site zeigt nach wie vor mehr „Plays“ als Besucher – wohl weil man sich die Songs einfach gerne gleich ein paar Mal zu Ohren und Gemüte führt. Sounds like: „Swallowing Planets“ steht da ausserdem – und ich muss sagen, die musikalische Umsetzung von Planeten schlucken scheint mir dem Feeling, das Zozobra auf ihrem Debut „Harmonic Tremors“ verbreiten, gut zu entsprechen. Spätestens beim tonnenschweren Schluss vom Opener „The Blessing“ hängt einem der Unterkiefer tief genug, um sich mindestens einen Bissen von einem Meteörchen zu genehmigen…welch harter Brocken. Da ist dann der Titel des zweiten Tracks gleich Programm: „Kill And Crush“ – fein säuberlich wird der Meteorit zwischen den Kiefern zu intergalaktischem Staub zermahlen – nicht ohne Wirkung: Bei “Levitate“ scheint tatsächlich die Schwerelosigkeit einzusetzten – jedenfalls bis einem im Gesangsteil das effektbeladene Schlagzeug wüste Tritte und Schläge in den Magen verpasst. Mit Gesangsteil umschreibe ich den Songpart, weil Zozobra sich auf ihrem Erstling wenig um herkömmliche Songstrukturen wie Strophe oder Refrain kümmern. Hier setzt Caleb Scofield seine ureigene Vorstellung zeitgemässer harter Musik um: Gewaltig, donnernd, reduziert und direkt. Allgegenwärtig ist ein mörderischer Bass-Sound der im Team mit den Drums souverän durch teils unorthodoxe Rhythmen und Betonungen vorwärts treibt.
Wie der Albumtitel „Harmonic Tremors“ treffend aussagt, gibt’s aber nicht bloss heftige Eruptionen sondern auch interessante Harmonien – diese erinnern teils deutlich an Cave In, was nahe liegend und auf keinen Fall geringschätzig gemeint ist; denn diese Melodien sind frisch und nicht klischeebeladen. Erstaunlich ausserdem, wie nahe die Stimme von Caleb Scofield bei den gesungenen Passagen jener von Stephen Brodsky (Cave In-Sänger) liegt. Die restlichen Vocals werden irgendwo in den tieferen Lagen der Stimmbänder produziert und mit Insbrunst so rauh und druckvoll als möglich rausgepresst, es wirkt aber nie so krampfhaft bemüht wie bei diversen Metal- oder Hardcore-Shoutern. Diese Platte vereint die Einflüsse der Vorgängerbands „Old Man Gloom“ und „Cave In“, ohne eine Kopie davon zu sein, sondern als logische Weiterentwicklung.
Eigentlich bedauert man bloss, dass dies möglicherweise einfach ein weiteres Projekt aus diesem Kreis talentierter Musiker darstellt, dem kein langes Leben beschieden ist. Der letzte, wiederum treffend betitelte Song „A Distant Star Fades“ widerspricht dieser These leider nicht – und damit wären wir auch wieder bei den Planeten und Sternen – von denen gibt’s von mir vier hell leuchtende, sowie einen gutgemeinten Sternschnuppenwunsch für Zozobra - aber den darf ich ja nicht verraten.
Seit 26. Januar 2007 im Handel.
Anspieltipps: Levitate; The Vast Expanse; A Distant Star Fades
Trackliste: 1)The Blessing; 2) Kill And Crush; 3) Levitate; 4) Soon To Follow; 5) Silver Ghost; 6) Invisible Wolves; 7) Peripheral Lows; 8) The Vast Expanse; 9) Caldera; 10) A Distant Star Fades
similar artists: Isis, Cave In, Tool, Old Man Gloom
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Bio:
Obwohl die Herren Caleb Scofield und Santos Montano mit ihrem musikalischen Werdegang her gehörig Dreck am Stecken haben, ist Zozobras noch junge Geschichte schnell erzählt. Da Calebs Hauptband Cave In seit den businesstechnischen Quereleien nach „Antenna“, sowie dem Abgang des Schlagzeugers nicht mehr so richtig aus den Startlöchern kommt, gehen die Musiker alle mehr oder weniger erfolgreich anderen musikalischen Projekten nach – Mr. Scofield hat sich so im Laufe des Jahres 2006 Zozobra herangezüchtet und schickte die Songs dem Señor Montano (Forensics, und Mitstreiter bei Old Man Gloom), der sich bald darauf ins Flugzeug setzt, um die Songs demomässig aufzunehmen – Weitere Songs kommen hinzu, die beiden Herren entern das Studio und nehmen das ganze Album zu zweit auf. Das Ergebnis liegt nun mit „Harmonic Tremors“ vor und erscheint einmal mehr auf dem genialen „klein-aber-fein“-Label HydraHead Records.
Derzeit befinden sich Zozobra mit ihren Bekannten Isis und Jesu auf Tour durch die Vereinigten Staaten, die Mitstreiter für dieses Unterfangen heissen Jim Carroll und Adam McGrath, letzterer ebenfalls aufgrund der misslichen Wirtschaftslage bei Cave In arbeitslos.