Zu sind ein experimentierfreudiges Trio aus Italien und wie Porco
Fidelio eine Qualitätsmarke - saumässig gut. Das Pökelsalz heisst
Saxophon.
Stummfilmvertonung: Wir stampfen durch die niedere Tür in den dunklen Schweinestall, wo die Jungen sich vergnügt quietschend irgendwelchen Ferkeleien hingeben. Die anderen suhlen sich ein bisschen im Morast. Luca T. Mai hat keine Mühe mit seinem Saxophon das alles detailgetreu akustisch abzubilden. Mike Patton, die geile Sau, quiescht und grunzt bei zwei Stücken besonders frivol mit. In "Obsidian", das besonders mastig rüberkommt, werden Zu mit fetten Facetten unterstützt vom Borstenschwein "King Buzzo" (Melvins) an der Gitarre. Derweil hat sich Jacopo Battaglia (Schlagzeug) den wilden Eber Massimo Pupillo (Bass) vor den Melkschemel gespannt, der mit baren Keilern den gefrorenen Acker durchpflügt. Nein, da wächst kein Gras mehr.
Von dieser interessanten Szene ländlichen Lebens zurück zur CD im Wohnzimmer. Zu sind bei Mike Pattons Label Ipecac ziemlich perfekt aufgehoben, mehrmals erinnert mich ihr Sound an die Labelmates Dub Trio, Unsane, oder
Dälek, aber auch an
Dillinger Escape Plan, Genghis Tron,
Meshuggah und die Projekte von Mike Patton selbst. Diese Auflistung bürgt bereits für einen hohen Qualitätsanspruch, die Besonderheit von Zu ist aber, die bis auf den erwähnten Track mit King Buzzo, völlige Absenz der elektrischen Gitarre. Obwohl ich behaupte, dass Zu eine Rockband sind, vermisst man die Sechssaitige nicht im Geringsten. Im Gegenteil, Bass und Saxophon vermögen die vertrackten und bis auf Mike Pattons Einsätze instrumentalen Kompositionen auf sehr originelle Art und Weise zu beleben. Songstrukturen sind im herkömmlichen Sinne nicht auszumachen, die Stücke hören sich eher wie eine wilde Reise oder Irrfahrt von A nach B an. Es besteht jedoch nie Zweifel daran, dass hier nicht alles fein säuberlich arrangiert ist. Die instrumentale Leistung der Italiener ist nicht nur punkto Technik eindrücklich, auch die Dynamik der Kompositionen und unorthodoxen Sounds sind fantastisch.
Besonders aufgefallen sind mir die Stücke "Mimosa Hostilis" und "Obsidian". Ersteres, weil es sich mit Gitarren stellenweise tatsächlich auch als Thrash Metal-Track gut machen würde, inklusive total krankem Sax- statt Gitarrensolo. Letzteres weil durch die von King Buzzo hervorragend integrierte Gitarrenarbeit noch deutlich mehr Tiefe und Atmosphäre entsteht. Ein echter akustischer Leckerbissen und Highlight des Albums. "Orc", das man als Outro sehen kann, ist eine sehr düstere Gruselfilm-Klangkulisse und würde jeder Black Metal-Band gut zu Gesichte stehen. Damit wären wir bald wieder beim Schweineblut angelangt und der Bogen wäre, wenn auch etwas gesucht – gespannt. Mir bleibt als Fazit jedenfalls bloss noch folgendes zu schreiben:
Zu haben mit "Carboniferous" ein abwechslungsreiches, sehr orginelles Album abgeliefert, das sich trotz ausgelebter Experimentierfreude fast ohne Anstrengung hören lässt und für mich das erste Album in diesem Jahr ist, das wohl auch in der Bestenliste am Jahresende wieder zu finden sein wird. 8.5 Punkte.
Seit 9. Februar 2009 im Handel.
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Diskographie:
> Bromio (1999)
> The Zu Side Of The Chadbourne (2000)
> Motorhellington (2001)
> Igneo (2002)
> Live In Helsinky (2003)
> Radiale (2004)
> The Way Of The Animal Power (2005)
> How To Raise An Ox (2005)
> Zu v/s Dälek (2005)
> Rai Sunawachi Koe Wo Hassu (2006)
> Zu v/s Iceburn (2006)
> Identification With The Enemy… (2007)
> Zu / Teatro Degli Orrori (2007)
> Zu, Damo Suzuki & Xabier Iriondo (2008)
> Carboniferous (2009)
Ähnliche Künstler:
> Dub Trio
> Fantomas
> Melvins