Genre: Hip-Hop, Pop
Label: Muve Recordings
CH-Vertrieb: Musikvertrieb
Unsere Wertung:
Hip-Pop
Der „beste MC der Schweiz“ Bligg zeigt sich auf seinem neuen
Album poppiger denn je und offenbart sich als begnadeter Sänger.
Eines kann man dem Zürcher Hip-Hopper nicht vorwerfen: Fehlende Abwechslung oder Ideenmangel. Das Überraschungsmoment ist auf jedem Album zweifelsohne vorhanden und so ist man entzückt ob seines neusten musikalischen Diskurses: Mehr Melodien, weniger Sprechgesang, opulente Instrumentierung, resp. Orchestration und ein Bligg, der auch selber singt – und das verdammt gut! Rapsongs im ureigenen Sinne sind nur wenige zu finden und so weichen Rhymes, Samples, Beats und Scratches vermehrt einer ausgeklügelten Songstruktur, die sich sehr dem Pop nähert. Auch kriegt man ganz neue Seiten Bliggs zu hören: Der Tausendsassa outet sich so z.B. als gläubiger Christ („Zeig Mir Dä Wäg“), widmet einen berührenden Song seiner Mama („Angela“) oder rappt vom desolaten Zustand der Welt („Search 4 Love“). Eingesottene, kuule Hip-Hop-Fans dürfte dies’ Abenteuer gewiss ein Ärgernis sein, denn wer will schon einen Rapper, der Soulsongs singt („Rumors“), von Gefühlen parliert oder seiner Mami ein Lied widmet? Nobody, yo! Dem gemeinen, CH-Hitparade hörenden Volk dürfte dieser Abstecher in den Kommerz aber sehr genehm sein.
Bligg vernachlässigt seine Wurzeln trotz allem nicht und bietet so immerhin noch zwei straighte, aggressive Rapsongs: Im einen überlegt er sich, mit welchem Chick er als Nächstes in die Pfanne hüpfen möchte („Dokter Dokter“), im anderen erzählt er von einem allein erziehenden Vater („Dani’s Story“).
Fazit: Bligg tut auf seinem neuen Album genau das, was alle Künstler tun sollten, wenn sie gut sind: sich verändern, neue Seiten zeigen, sich entwickeln. Bligg hat sich zweifelsohne entwickelt und meistert die Gratwanderung zwischen Kommerz und Underground ganz prima. Als einzige Kritik könnte man anführen, dass er’s bisweilen etwas zu gut meint – er setzt sämtliche Instrumente ein, die man sich vorstellen könnte, experimentiert mit allen möglichen Stilen und behandelt alle Themen, die’s zu behandeln gibt und läuft somit bisweilen Gefahr, in Klischees abzudriften. Vielleicht wäre etwas weniger mehr gewesen? Wie dem auch sei: „Mit Liib & Seel“ ist ein solides Album, das seinem Titel gerecht wird und sowohl Hip-Hop- wie Pop-Hörer erfreuen dürfte. Bligg öffnet sich für ein breiteres Publikum und dürfte damit zumindest verkaufstechnisch nicht falsch liegen... Check that shit, man!
Seit 28. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Search 4 Love, Rumors, Abschiedsbrief, Angela
Trackliste: 1) Search 4 Love; 2) Dokter Dokter; 3) Frei Wie En Vogel; 4) Mama & Papa; 5) Dani’s Story; 6) Rumors; 7) Back In The Days; 8) Abschiedsbrief; 9) Zeig Mir Dä Wäg; 10) Money; 11) Angela; 12) Hoffnig & Muet; 13) Mir All Sind; 14) Lieblings Song
similar artists: Kool Savas, Stress, Sido, Bushido
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Bio (© bligg.ch):
In den frühen Neunzigerjahren erntete Bligg als Sieger mehrerer Schweizer Freestyle Battles Respekt und erste kleine Erfolge in der Szene. 1995 erschien, quasi aus Spass an der Sache, die EP „Züri Släng Freestyle“ mit Bligg in einer kleinen Auflage, die schon bald vergriffen war und heute als gesuchter Schweizer Mundart-Klassiker gilt.
Darauf folgte auf dem Sampler „Chocolate, Cheese & Sounds“ die erste Zusammenarbeit mit Lexx. Dieser Track sorgte für enormes Aufsehen und so erschien 1999 die erste Bligg’n’Lexx-Maxi „Schnitzeljagd“ (für die DJ Cutmando bereits seine Scratches beisteuerte). „Schnitzeljagd“ wurde ein voller Erfolg. Bligg’n’Lexx bot sich im Jahr 2000 die Gelegenheit, auf dem Label Coffee ein Album herauszugeben. „Nadisnah“ schlug ein wie eine Bombe und übertraf die kühnsten Erwartungen. Bligg’n’Lexx wurden über Nacht, quasi ohne dass sie es wollten, zum gefragtesten Mundart-Rap-Act der Schweiz.
Eine künstlerische Pause des Duos Bligg’n’Lexx nutzte Bligg dazu, einige Solo-Tracks aufzunehmen, und schon bald hatte er wieder genug Stuff für ein neues, eigenes Album zusammen. Das Major-Label Universal nahm Bligg unter Vertrag und die Maxi-CD „Alles scho mal ghört“ (ein Featuring mit der Schweizer Soul-Diva Emel) verkaufte sich über 16000-mal und erreichte Platz 7 in der Hitparade. Das 2001 auf Universal erschienene Soloalbum „Normal“ stieg direkt auf Platz 18 ein und enthielt unter anderem ein Featuring mit Tha Alkaholiks. Das Album war ein zuvor noch nie da gewesener Erfolg in der Schweizer Hip-Hop-Landschaft. Rap aus der Schweiz fristete plötzlich kein Schattendasein mehr! Und so schaffte es Bligg’s EP „Relaxtra“ 2002 (mit Lexx und Stress) als erster „harter“ Rap-Track der Schweiz spielend in die Top 20 der Charts.
Mit dem zweiten Soloalbum „Odyssey“, das 2004 auf Nation Music erschien, ging Bligg einerseits back to the roots, trumpfte aber andererseits mit Gästen wie dem deutschen MC Kool Savas, dem welschen Rapper Stress und erneut Emel auf. Als Produzenten zeichneten sich unter anderem Cutmando, Dimos, Lexx, sein jüngerer Bruder Sam B und nicht zuletzt Bligg selbst, der sich nun vermehrt auch um die Beats und die gesamte Produktion kümmerte, aus. Die Single-Auskopplung des Albums, ironischerweise „Single“, schaffte es bis in die Top 20 und blieb ganze 13 Wochen in der Hitparade.
Um die Wartezeit der Fans ein bisschen zu verkürzen, kam bereits 2005 auf dem Label Musikvertrieb sein Mix-Album „Okey Dokey“ (die erste Schweizer Dual Disc) heraus. Es enthielt unter anderem den Bligg-Track „Gang nöd“ zur Anti-Suizid-Kampagne des Schweizer Fernsehens DRS. „Okey Dokey“ wurde schon beinahe im „familiären“ Rahmen produziert: Neben den Gästen Kool Savas, Stress und Emel, war aber auch Bliggs Entdeckung Shai mit von der Partie. Gemixt wurde das Album von DJ Cutmando.
Am 28. April 2006 erscheint mit „Mit Liib & Seel“ auf Musikvertrieb das dritte reguläre Soloalbum von Bligg.