Ihr beachtliches Nation Music-Debüt "Come Close" aus 2006
stellen die Brothertunes mit ihrem Zweitling "A Million Things To Say"
deutlich in den Schatten. Was heisst das, wenn der Erstling bereits als
überdurchschnittlich zu werten war?
Es war wieder einmal einer dieser Abende, der offensichtlich nicht noch am selben Tage enden sollte. So kam es also, dass ich mich dem kuriosen, aber irgendwie auch einzigartigen Format "MusicNight" mit drollig-sympathischem Dani Beck hingab. Nach mehrheitlich Unspektakulärem erscheinen zwei geerdete Berner-Giele, welche sich als die Brothertunes vorstellten. Ein Dutzend Fragen mittlerer Relevanz später – sog. ein Interview – wurde das Video zur aktuelle Single "Starship" präsentiert. Musik, wenn ich ehrlich bin, die in meiner CD-Sammlung ein Minderheiten-Dasein fristet bzw. akut vom Aussterben bedroht ist. Es gilt aber auch im Zeitalter der Digital-Technik nach wie vor die Regel – und das ist sehr beruhigend und macht Mut –, dass gute Songs (egal welchen Stils) durchschlagende Kraft entfalten und auch Ignoranten des Soul-Pops wie mich treffen bzw. elektrisieren können.
Ein jedes Mal, wenn Rich in "Starship" mit seiner so sehr angenehmen, schönen und vielfältig wie kräftigen Stimme ansetzte um "...and when I'm in my starship, I'll sail into a brighter day..." zu singen, zwang es mich zu fragen: "Hey Jungs, darf ich auch mit?". Ein Lied, dass mich bereits nach der Hälfte seiner Dauer – also nach nur gerade mal 1.5 Minuten – gewaltlos gefangen genommen hat; Widerstand zwecklos.
Okay, soweit zum Umstand, warum sich ein The Mars Volta-Addict einer Brothertunes-Platte zu Rezensionszwecken annimmt...
Im Weitern möchte ich das Augenmerk auf die Tatsache lenken, dass die beiden Brothers eben ein ganzes Album voller Tunes bereitgestellt haben und nicht "nur" diese eine "Starship"-Single im Angebot führen.
Nachdem sich dieser "Starship"-Schock unterdessen wieder etwas gelegt hat, ist es mir auch möglich, mich auf die weiteren Songs von "A Million Things To Say" zu konzentrieren. Ohne dass ich nun auf die Titel im Einzelnen eingehen mag, darf ich versichern, dass einerseits alle Tracks des Zweitlings überzeugen und es andererseits mindestens noch eine Handvoll Hits des Schlages "Starship" zu entdecken gibt (auch für mich, den Soul-Pop-Proleten).
Wie dem Booklet zu entnehmen ist, konnten leider nicht alle Songs in Zusammenarbeit mit Van Hunt produziert werden. Dies ist durchaus hörbar. Van Hunt hat es m.E. eben geschafft, die reichlich vorhanden Qualitäten der Brothertunes direkt hörbar zu transportieren. Zudem erreichen seine Produces einen gewissen internationalen Touch, welcher den Brothertunes verdammt gut steht (ich tippe auf internationalen Erfolg vor nationalem).
Im Wissen darum, dass es sich bei vorliegender Produktion eben gerade nicht um eine mir eher vertraute Rock-Produktion handelt, war ich streckenweise bzgl. Soundkraft aber trotzdem etwas enttäuscht. Zuweilen fehlt das gewisse Etwas an Druck und Tiefe; es muss ja nicht gerade nach Art des Hauses Timbaland sein, aber etwas mehr hie und da gerne.
… und noch was zum Schluss: die Gitarren-Heads auf dem Debüt-Cover waren schon reichlich fragwürdig (auch für mich, den Gitarristen)... erst recht nun aber die fliegende Gitarre im Video zu "Starship"???
Seit 1. Februar 2008 im Handel.
Anspieltipps: Starship; Better; A Million Things To Say; 95 Days; Where Is Dom
Trackliste: 1) This Is Your Life; 2) Go Faster; 3) Starship; 4) No Moment To Waste; 5) 95 Days; 6) The Getaway; 7) Better; 8) She Still Loves Herself; 9) Conversations; 10) Where Is Dom; 11) She Told Me So; 12) Fall Out (Of Love); 13) Killing Machines; 14) A Million Things To Say
similar artists: Keziah Jones, Usher; Jones
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Bio:
Zum ersten Mal richtig wahrgenommen wurden die Brothertunes (Philly Hansen, Gitarre und Rich Fonje, Gesang), als Sie den ersten Preis am M4Music 2005 in der Sparte Pop/Rock gewannen. Ihre erste Single "Sincerly Yours" des Nation Music-Debüts "Come Close" kletterte in die Top 50 und im April 2006 wurden sie auf DRS3 zum "Swiss Top Act" des Monats gekürt. Bereits im Oktober des gleichen Jahres adelte man die Brothertunes seitens Radio Swiss Pop zu den Newcomern des Jahres.
Mit den Demos zu "A Million Things To Say" holten sich die beiden – unter gleichzeitiger Verwirklichung einer ihrer Träume – den Starproduzenten Van Hunt mit ins Boot (amerik. Grammy-Gewinner und Nu-Soul Veteran). Nun liegt das überzeugende Ergebnis dieser fruchtbaren Zusammenarbeit vor und es gäbe wohl heute bzw. wird in Zukunft wohl noch eine Million Dinge zu erzählen geben!
To be continued (I'm sure)...