„Die Chemie stimmt“, lassen die vier legendären
Düster-Musici aus Züri zu ihren 10 neuen Gruftschlagern verlauten.
Ob’s wirklich stimmt?
Bereits die ersten Minuten lassen Zweifel an dieser vermeintlichen Stimmigkeit aufkommen: Eine im Refrain des Openers „Jaded“ unsanft dahingeschmetterte Pseudo-Arie evoziert die partout vermiedenen und so sehr gefürchteten Klischees einer unendlich schlechten Möchtegern-Gothic-Band. Da können selbst der wirklich hübsch wavige Polterbass und die jauchzende Stottergitarre ein verzweifeltes Kopfschütteln des so hoffnungsvollen Gruftiherzens nicht verhindern. Auf dem Nachfolger allerdings weicht der Schrecken angenehm überraschtem Wohlgefallen: „White Pain“ ist Dark Wave in mäjestätischstem Triphop-Gewand; sowohl musikalisch als auch textlich erweisen sich Cell Division hier als Kenner und Könner ihrer Zunft. Auf dem darauf folgenden „Wasteland“ (vermutlich die erste Singleauskopplung) schliesslich wagt das Quartett einen verwegenen Sturzflug – den konkurrierenden Eyeshadows in Persona sei dringliches Anschnallen ans Herz gelegt. Vertracktes Sampling in bester Young Gods-Manier, pulsierender Bass sowie atmosphärische Gitarrenriffs machen den Song zusammen mit einer einprägsamen Melodie, prototypischem Endzeit-Parolen und natürlich der hervorragend expressiven Stimme Gelgia C.s zum Gruftschlager schlechthin: „The earth will become a wasteland! The earth will become a wasteland!“ – dieser Wurm will nicht mehr aus dem erfreuten Ohr, im Dreier-Stechschritt wird euphorisch schwenkend getanzt. Auch der nächste von wunderbar weinenden Gitarren getragene Song, „Dirge For The Doomed“, zeugt von grosser Eindringlichkeit und erweist sich als hübsche Mitsing-Ballade, die auch von den Spice Girls gesungen sein könnte (wären sie etwas depressiver, versteht sich). Leider hält der Ikarus’sche Sturm Richtung Himmel nicht allzu lange an, ein erster Streifschuss erschüttert das Flugi von Cell Division auf „The Dead Rose“, das sich, abgesehen vom netten Lounge-Einschlag, wieder sämtlicher Gothic-Rock-Klischees bedient. Hätte nicht wirklich sein müssen. Auf „Shut Up“, ein an Avril Lavigne gemahnender, absolut schrecklicher möchtegern-punky „na, na, la, la“-Güsel, schliesslich ereilt das Gruftquartett beinahe dasselbe Schicksal wie einst Saint-Exupery. Mit dem sich anschliessenden „Should I“ allerdings geht’s wieder aufwärts: Diese wunderschöne, von Keyboards und einer selten gehörten Traummelodie gezierte Ode an Client lässt über den einen oder anderen bereits gehörten Lapsus hinweghören und das wahre Potential Cell Divisions erkennen. Auch der sehr jazzige, Piano-lastige Nachfolger „Dreams“ überrascht angenehm und weist auf den mannigfaltigen musikalischen Hintergrund der Bandmitglieder hin. Auf dem zweitletzten Track „Überdimensional“ wagen sich Cell Division auch noch in Deutsch-Elektro-Trash-Gefilde und präsentieren einen spassigen, aber wenig gehaltvollen Disco-Knaller, der sich nur knapp am ganz eigentlichen Schlager vorbeibewegt. Mit dem allerletzte Song „Twilight“, der zuerst sachte beginnt und sich dann zum Bombast-Stampfer schlechthin wandelt, gelingt Cell Division ein furioses Ende, das schliesslich zu einem verstörenden Hidden Track überleitet, der zu beredtem, ratlosen Schweigen einlädt.
„Chymeia ist ein Album, auf dem der Hörer verschiedene Stationen von Musik erlebt. Jeder Song ist anders, und doch gehören alle zusammen.“ Dies sagen Cell Division in ihrem Presse-Sheet. In den ersten beiden Punkten stimmen wir zu. Allerdings gehören gewisse Songs schlicht nicht zu den anderen. Die Zellteilung ging hie und da wohl unkontrolliert vonstatten. Aber wir sind überzeugt davon, dass wir dieser wirklich ausnehmend talentierten Band bezüglich ihrer Aussage zur Chemie spätestens beim nächsten Album Recht geben können werden.
Seit 8. Februar 2008 im Handel.
Anspieltipps: White Pain, Wasteland, Should I, Twilight
Trackliste: 1) Jaded; 2) White Pain; 3) Wasteland; 4) Dirge For The Doomed; 5) The Dead Rose; 6) Shut Up; 7) Should I; 8) Dreams; 9) Überdimensional; 10) Twilight
similar artists: Siouxsie, London After Midnight, The Crüxshadows
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Bio:
Cell Division bestehen aus Gelgia C. (Gesang, Violine), Mirjam G. (Gesang, Gitarre), Dani T. (Schlagzeug, Programming) und Oli S. (Bass). Die Band wurde 1995 in Zürich von vier Personen mit unterschiedlichem musikalischem Hintergrund gegründet. Nach der ersten Produktion „Dissolve“ 1999 verliess die Sängerin die Band und wurde durch Gelgia C. ersetzt, die Cell Division seit 2001 ihre Stimme leiht. Der zweite Longplayer wurde 2004 in Berlin mit Produzent Thommy Hein (Nina Hagen, Corvus Corax etc.) eingespielt, der auch zwei Songs des neuen Albums „Chymeia“ produziert hat. Kurz nach dem Aufnahmen von „Chymeia“ verliess Ende 2007 auch Bassist H. Hasch die Gruppe, die in Oli S. einen würdigen Nachfolger fand.