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Cobalt - Domestic

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von Rudolf J. Merkle am Mittwoch, 27. Februar 2008 in Schweizerisches   
Genre: Trip Hop, Pop, Electronica
Label: Urbanseed Records
CH-Vertrieb: Disques Office
Unsere Wertung:Cobalt - Domestic


Elektronische Musik mit Anspruch und viel Substanz.
DomesticAus der westlichen Schweiz erklingt die Cobalt’sche musikalische Mixtur, die zwischen poppigen Melodien und zum Düsteren neigendem Trip Hop elektronisch geschickt die Balance hält und hierbei noch eigenständig bleibt.

Geschätztes Auditorium,

unumwunden sei eingestanden: Der Schreibende ist des Lobes voll für das anzuzeigende Debüt-Album der ambitionierten Romands. Mehrere Beweise sind im Folgenden für diese positive Beurteilung ins Feld zu führen.
Zunächst ist die spezielle Stimme der Sängerin Romaine Lovey anzumerken, zweifelsohne das Fundament des vertonten Universums von Cobalt. Sie drückt jedem Track ihren Stempel auf und ergänzt mit hoher Präzision in expressivem Habitus eine vielschichtige (‚Mirage’), rhythmische Musik. Zwar kann selbst sie die in derartiger elektronischer Musik offenbar unvermeidbaren Längen nicht vergessen machen (cf. das zu sehr minimalisierte ‚Black Noise’) und ihr Potential (Umfang) ist wohl nicht ausgeschöpft, aber wie sie im Duett ihr gewissermassen männliches (!) Alter Ego mit dunklem, rauchigem Timbre dominiert (‚Endlessness’), zeugt von Klasse. In ‚Dive’, dem wohl bekanntesten Stück Cobalts, dokumentiert Lovey eine Qualität, die immer wieder aufblitzt: Ob sie keucht (‚Dive’), schreit (,Natural Born Lovers’) oder flüstert, sie gebärdet sich bar jeglicher Affektiertheit und bleibt glaubwürdig. Dass Lovey Tempiwechsel routiniert meistert, überrascht folgerichtig nicht.
Allen dunkleren Anklängen zum Trotz (‚Black Noise’, ‚Waterfalls’) treiben eingängigere Passagen (‚Beautiful’) die Lieder voran; vereinzelt verlocken die Beats und aufwendigen Arrangements gar zum Tanz (‚Natural Born Lovers’, ‚IOU’).
Unbestritten als Markenzeichen erweist sich der durchdachte Einsatz eines Streicherelements: Sei es im einen Spannungsbogen kreierenden Pas de deux mit einer zwischen Fragilität und Stabilität sicher oszillierenden Stimme (‚The Fall’), sei es als sanftes Intro, sei es sporadisch auftauchend – immer wieder profiliert sich das bisweilen einzelne Sequenzen pointierende Saitenspiel, um unmittelbar zu verschwinden (,Where Are You’); oder die elektronische Melodievorgabe wird aufgenommen und weitergedacht – solches gefällt, überzeugt, ist schlicht stark,.
Unbenommen sei es Cobalt, wenn die Okzidentalschweizer die Granden der jüngeren Tonelektronik zitieren, so instrumental geschehen in ,Where Are You’, ‚Mirage’, ‚Waterfalls’ und ‚The Fall’, die sich partiell allesamt an Massive Attack (im Stadium von ‚Mezzanine’) orientieren. Nichts davon ist allerdings banal abgekupfert, sondern intelligent bearbeitet.
Im Gegensatz zu anderen ähnlich musizierenden Combos, etwa den ebenfalls im Land der Tellensöhne umherziehenden Division Kent, langweilen Cobalt faktisch nicht. Dies ist nicht zuletzt den teils einprägsamen, fasslichen Melodien (,Mirage’, ‚Dive’, ‚Natural Born Lovers’), teils einer verschwenderischen Verspieltheit (‚Natural Born Lovers’) geschuldet.
Besonders raffinierte Einleitungen (‚Silent Tale’; das beschwingt beginnende ‚IOU’), die mitunter das Ende des vorangehenden Tracks integrieren (‚IOU’ und ‚Where Are You’), oder sanft überleitende Tonläufe (‚Mirage’ und ‚Dive’) dürfen ferner recht eigentlich als kleine Preziosen bezeichnet werden wie z. B. das stimmige finale Crescendo in ‚Dive’, der feine Aufbau von ‚The Fall’ oder die mutig zur Disposition stehenden Klangfetzen, die verblüffend eingepasst sind (‚IOU’).
Man wünscht diesen eidgenössischen Tüftlern nach dem fulminanten Einstand aus tiefster Überzeugung ein zahlreiches Publikum und frohgemutes Schaffen für zukünftige Werke.

Unsere Ansicht: Man höre und beurteile all dieses selbst. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.


Seit 18. Februar 2008 im Handel.

Anspieltipps:
Natural Born Lovers, Dive, Mirage
Trackliste: 1) The Fall; 2) Natural Born Lovers; 3) IOU; 4) Where Are You; 5) Waterfalls; 6) Black Noise; 7) Endlessness; 8) Mirage; 9) Dive;10) Silent Tale; 11) Beautiful
similar artists: Massive Attack, Airlock (entfernt), Portishead (in den verstörenden, melancholischen Momenten), Sestatee

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Cobalt konstituiert sich aus der Sängerin Romaine Lovey sowie Sylvain Ehinger, Vincent Bossy und Mathias Auber. Seit Ende 2005 ist die frankophone Band auf diversen nationalen Bühnen (Amalgame, Fri-Son, im Rahmen des Festivals Electron in der Genfer Usine) präsent und wird im Radio gespielt. Der gesamtkünstlerische Anspruch, zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auf die von Fabian Sparro ausnehmend ansprechend gestaltete Pochette des Debüts, wurde damit belohnt, dass das unbedingt sehenswerte Video zu ‚Where Are You’ im Programm der Solothurner Filmtage Aufnahme fand (der Clip ist dem Album beigegeben).

Cobalt
Diskographie:
> Domestic (2008)

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