Als Luzerner kann man einen gewissen Stolz auf die wahre
’Rock-City’ am wohl schönsten See der Welt nicht leugnen. Die
Rheinstadt stellt jedoch langsam aber sicher ernstzunehmende Konkurrenz
dar. Disgroove an vorderster Front.
Die drei Musiker namens Disgroove haben mit GurD eine harte, bewegte und höchstwahrscheinlich auch drogenschwangere Zeit durchlebt (man lese GurD bitte rückwärts). Seit nunmehr acht Jahren spielen sich Tobi, Philippe und Franky unter neuem Namen die Finger wund. Ein paar Takte langsamer, ein bisschen gesitteter, ein bisschen ernster, jedoch noch immer druckvoll und energiegeladen wie ein Ford V8. Das neue und mittlerweile dritte Album von Disgroove bleibt ihrem Stil treu. Direkte, kompromisslose und kraftvolle Rockmusik mit dominanten, wuchtigen Gitarren, treibendem Schlagzeug und amerikanisch anmutenden Melodien.
Einen Vergleich mit der Luzerner Szene kann ich mir trotzdem nicht verkneifen. Logisch haben wir ein paar Punk-Urgesteine und Bühnensäue wie die Monsters oder die Failed Teachers am Start, dominant sind momentan jedoch britisch-schnöslig anmutende Lausbuben und Tunichtgute wie 7 Dollar Taxi oder die
Unborn Chikken Voices. Auch erstklassige, kreativ-moderne Alternativerocker wie Marygold oder Flink findet man in der Zentralschweiz zur Genüge. Disgroove passen in keine dieser Schubladen. Ihre Musik verbindet trockene, an Stonerrock erinnernde Riffs mit einem Hauch von Metal und leidend-eindringlichem Gesang. Die Wechsel zwischen flüssigem, modernem Grunge und stockendem Hardrock gelingen gut. Keine Spur von Rumgehopse oder elektronischem Schnickschnack. Das Publikum soll sich bitte eine ordentliche Nackenstarre holen. Das Zusammenspiel teilweise ruhiger, flüssiger, melodiöser und eingängiger Strophen mit krachenden Refrains und knallharten Riffs funktioniert. ’A Beautiful Mind’ hebt sich meiner Ansicht nach klar vom Rest der Platte ab. Traurige Streicher in der Bridge kombiniert mit dem langsamen Tempo, der gnadenlosen Gitarre und der düsteren Melodie machen das Stück zum Highlight. Insgesamt solider, moderner, ansprechender Rock. Und genau hier setzt meine Kritik an. Solche oder ähnliche Musik machen unsere Kumpels aus Amerika schon lange, zwar nicht besser, aber man kennt die typischen Songstrukturen halt zur Genüge aus den Medien. Teilweise sind die Stücke ein bisschen flach, zu eingängig die Melodien, zu normal, zu bekannt der Takt und das Tempo. Einzelne Stücke schrammen knapp am beinahe punkigen Singsang bekannter US-Bands vorbei, da fehlt mir die Eigenart. Zum Glück machen die Basler dieses Manko mit der sackstarken und überaus deftigen Gitarrenarbeit wieder gut. Die Basler dürfen stolz auf ihr neues Album sein, trotzdem: Luzern führt noch immer.
Seit 25. Januar 2008 im Handel.
Anspieltipps: Dreamer, A Beautiful Mind,
Trackliste: 1) Gasoline; 2) Scars; 3) Dreamer; 4) The Player; 5) A Beautiful Mind; 6) Rise; 7) What We Do; 8) Feeding The Birds; 9) Foreign Signs; 10) Adorable / Horrible
similar artists: Institute, Zamarro, Foo Fighters, Puddle of Mudd, Boysetsfire
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Bio:
Die ehemaligen GurD Mitglieder Tobi Roth (drums) und Philippe Strübin (Gitarre) gründen 2001 ein neues Projekt namens Disgroove. Ihr Kumpel Franky übernimmt den Bass. Bis 2004 werkeln sie im eigenen Keller an ihrem Spiel und üben dieses auf regionalen Bühnen. Sie werden von n-gage gesignt und veröffentlichen ihr Debutalbum ’Down On Myself’ in Zusammenarbeit mit Eric Klinger (Pro Pain). 2005 wird getourt und am Zweitling ’Three’ gearbeitet. Es folgen Deutschland Tourneen als Support von Die Happy und Revolverheld. ’Gasoline’ ist nun erhältlich und die Band ist wiederum schweizweit live zu geniessen.